Landgericht: Milde Strafe für Räuberchauffeure. - © picture alliance / dpa
Landgericht: Milde Strafe für Räuberchauffeure. | © picture alliance / dpa

Bad Wünnenberg Milde Strafe für Bad Wünnenberger Räuberchauffeure

Jutta Steinmetz

Bad Wünnenberg. Raub ist ein Verbrechen, für das das Gesetz eine empfindliche Strafe vorsieht, die meistens mit einem mehrjährigen Verlust der Freiheit bedroht ist. So war es auch im Fall der beiden Borchener, die sich gestern vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn einfinden mussten. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, an dem Überfall auf einen Supermarkt in Bad Wünnenberg am 18. Dezember mitgewirkt zu haben. Die 25 und 20 Jahre alten Männer standen im Verdacht, bei der Planung dabei gewesen zu sein, aber vor allem die Haupttäter chauffiert zu haben. Doch nach umfänglicher Beweisaufnahme kamen die zwei glimpflich davon. Es war eine brutale Tat, die sich an dem dunklen Dezemberabend 2016 abspielte. Kurz vor Ladenschluss betraten zwei maskierte Männer das Geschäft, bedrohten die drei Verkäuferinnen mit einer Waffe, erzwangen die Herausgabe von rund 4.000 Euro, fesselten die Frauen und besprühten diese noch dazu mit Pfefferspray, bevor sie sich davonmachten. Dank rascher Fahndung konnte einer der Räuber kurz nach Tat festgenommen werden. Anfang Mai wurde der 24-jährige Algerier zu fünf Jahren Haft verurteilt. Seiner während der Ermittlungen und der Gerichtsverhandlung geäußerten Bezichtigung, die beiden Borchener hätten bei der Vorbereitung des Raubes geholfen und außerdem ihn samt seinen Spießgesellen vor und nach der Tat chauffiert, gingen die Richter gestern gründlich nach. Allerdings kamen sie zu dem Schluss, dass der 24-Jährige wohl in allererster Linie sich selbst hatte „wesentlich entlasten wollen", wie die Vorsitzende Richterin ausführte. Die Kammer glaubte den Aussagen der beiden Borchener, dass sie erst nach der Tat angerufen und um Abholung gebeten worden waren. Als sie den Algerier und seinen Kumpan in Bad Wünnenberg einsammelten, sei ihnen schon klar gewesen, dass da ein krimineller Hintergrund gewesen sei, gestanden die zwei. Sie hätten aber eher mit „Zappzarapp", also einem Diebstahl oder einem Einbruch gerechnet als mit einem schweren Raub. Da die Angeklagten für ihre Dienste 50 bzw. 200 Euro erhalten hatten, sprach das Gericht sie, wie von Staatsanwältin Ilka Matthies sowie den Verteidigern Matthias Cramer und Tobias Mix unisono beantragt, wegen Begünstigung und Hehlerei schuldig. Der 25-Jährige, der fünf Monate in Untersuchungshaft saß, wurde zu sechs Monaten Bewährungsstrafe verurteilt, der 19-Jährige zu einer Geldstrafe ihn Höhe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro.

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