Bitte recht freundlich: Das Kaiserpaar Sebastian und Melissa Schulte mit den Damen vom Hofstaat stand im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier. - © Johannes Büttner
Bitte recht freundlich: Das Kaiserpaar Sebastian und Melissa Schulte mit den Damen vom Hofstaat stand im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier. | © Johannes Büttner

Bad Wünnenberg Umzug mit 1.400 Teilnehmern in Bad Wünnenberg-Haaren

300 Jahre Schützenverein Haaren 1717: In der Nachkriegszeit wurde der König mit Keulenwerfen auf den Holzvogel ermittelt

Bad Wünnenberg-Haaren. Mit zwei großen Ereignissen feierte der Schützenverein Haaren sein 300-jähriges Bestehen. Nachdem man Anfang Juni ein Kaiserschießen durchgeführt hatte, wurde am Samstag und Sonntag der Geburtstag mit einem großen Kaiser- und Jubiläumsfest gefeiert. Alleine gestern, beim großen Festumzug durch das Dorf, waren rund 1.400 Festzugteilnehmer dabei. Der Auftakt war aber bereits am Samstagnachmittag. Nach dem Abholen des Kaiserpaars Sebastian und Melissa Schulte ging es zum Schützennachmittag in die Schützenhalle. Viele Haarener aus allen Altersgruppen, Freunde und Gäste füllten die Halle und bei Kaffee und Kuchen wurde deutlich, welch wichtiges Bindeglied der Schützenverein Haaren für den Zusammenhalt des Dorfes darstellt. Eine Feststellung, die auch Bürgermeister Christoph Rüther in seinen Grußworten hervorhob. „Ihr seid immer da wenn man euch braucht, ich bin stolz auf euch“, sagte Rüther, der zudem eine Reihe von Besonderheiten im Haarener Schützenwesen hervorhob. Als Beispiel nannte er das aktive Mitgestalten in der Dorfgemeinschaft, die gute Jugendarbeit, das Einbeziehen der Senioren in das Vereinsgeschehen oder auch die Beibehaltung von Traditionellen, wie etwa das Mitführen von Pferden beim Schützenfestumzug. Auch Ortsvorsteher Norbert Münster hob die Besonderheiten des Schützenwesens in Haaren hervor: „Wer es zulässt, den begleitet der Schützenverein ein ganzes Leben.“ Eine besondere Ehrung hatte der Landtagsabgeordnete Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) mit nach Haaren gebracht. Er überreichte Oberst Reinhard Dreker, stellvertretend für den Gesamtverein, die NRW- Landesehrenplakette.Ereignisse in der Vereinsgeschichte Oberst Reinhard Dreker ging in seinen Grußworten in einem kurzen Rückblick auf besondere Ereignisse in der Vereinsgeschichte, wie etwas den großen Hallenumbau im Jahr 2005, ein und vergaß auch nicht, an Personen aus der jüngeren Vereinsgeschichte, wie etwa den verstorbenen Ehrenoberst Josef Kloppenburg oder an seinen Amtsvorgänger Heribert Gruß zu erinnern, die das Haarener Schützenwesen wesentlich mitgeprägt haben. Mutig und vorausschauend wolle man auch die nächste Epoche angehen, sagte Dreker. Ein großes Dankeschön gab es vom Oberst für den Vereinskassierer Franz-Josef Traphan. In den vergangenen vier Jahren hat der 58-jährige Vollblutschütze alles dafür getan, dass zum Jubiläum ein wunderbares und informatives Buch veröffentlicht wurde. Auf 118 Seiten wird durch Fotos, Urkunden und Texten viel über die Geschichte des Haarener Schützenvereins erzählt. Dabei wird zunächst eine Epoche im Zusammenhang dargestellt, dann schließt sich eine jährliche Aufgliederung an, in der man leicht einzelne Jahre nachschlagen kann. Zu sehen ist in dem Buch auch eine Kopie der Urkunde, die als Gründungsdokument gilt. Am 13. April 1717 baten die Haarener Bürger der Fürstbischöflichen Landesherrn in 32 Artikeln um die „Renovierung“ der Haarener Schützengesellschaft. Dieser urkundliche Beweis, das Original befindet sich im Landesarchiv in Münster, bezeugt das Gründungsjahr des Haarener Schützenvereins. In einem, der Festschrift zugehörenden Begleitheft, sind zudem eine Reihe von Geschichten aufgeführt, die bei Lesen zum Schmunzeln veranlassen.Erste Schüsse setzen Kugelfang in Brand Nachdem man in der Nachkriegszeit zunächst den König mit Keulenwerfen auf den Holzvogel ermittelte (Schießen war nicht erlaubt) wurde bis 1955 mit einer Vogelflinte auf den frei hängenden Holzvogel geschossen. Der Schütze schoss freihändig. Als Kugelfang diente zwar ein Baum, trotzdem durfte sich kein Mensch im Bereich der heutigen Siedlung Schwafen aufhalten und auch die Tiere mussten in den Stall. Probleme gab es auch mit dem ersten richtigen Kugelfang. Nach den ersten Schüssen fing dieser Feuer. Einen König gab es trotzdem. Man schaffte es noch, den Vogel abzuschießen. Bis in die 60er Jahre war es aus Kostengründen üblich, dass der König nicht seine Frau, sondern eine Königin aus anderem Hause erwählte. Gleich drei Saalordner achteten auf die Ordnung bei Schützenfest. Wer Bier verschüttete oder eine Meinungsverschiedenheit mit anderen Schützen hatte, wurde mit Strafgeld belegt oder mit Festausschluss. Seit man 1927 die Schützenhalle gebaut hatte, wurden in Haaren 77 Schützenfeste in der Halle gefeiert. Heute zählt der Schützenverein über 600 Mitglieder, hat eine erfolgreiche Schießsportabteilung- und Jungschützenabteilung mit 115 Mitgliedern und 13 Mannschaften im Wettbewerb. 1987 was der Schützenverein Haaren Ausrichter des Kreisschützenfestes. Übrigens kann nicht nur der Haarener Schützenverein in diesem Jahr ein Jubiläum feiern, die Schützenhalle, der Sportverein, das Tambourcorps und die Feuerwehr werden in diesem Jahr 90 Jahre alt.

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