Im Regieraum des Jagdhauses: Laszlo (r.) ist mit seiner neuen Aufgabe rundum im Reinen. Der Bleiwäscher Heimatvereins-Vorsitzende Norbert Fels (l.) hat früh Kontakte zu den Gästen im Dorf geknüpft und Freundschaften aufgebaut. - © Karl Finke
Im Regieraum des Jagdhauses: Laszlo (r.) ist mit seiner neuen Aufgabe rundum im Reinen. Der Bleiwäscher Heimatvereins-Vorsitzende Norbert Fels (l.) hat früh Kontakte zu den Gästen im Dorf geknüpft und Freundschaften aufgebaut. | © Karl Finke

Bad Wünnenberg Ungarn wohnen heute in den früheren Hotels

Bad Wünnenberg-Bleiwäsche. László ist für alles offen. Am 7. November 2012 ist der junge Ungar aus seiner Heimatstadt Hajdúböszörmény (nahe Debrecen) nach Bleiwäsche gekommen, in ein früheres Hotel eingezogen. Als Packer hat er beim Feinkosthersteller Kühlmann in Westenholz seinen Job angetreten. Nach einiger Zeit ist er zum Maschinenführer aufgestiegen. Nun sitzt der 28-Jährige im Büro des ehemalige Top-Hotels Jagdhaus in Bad Wünnenberg – als Hausmeister. Er zählt zu den 20 Ungarn, die vor viereinhalb Jahren als Erste zum Arbeiten hierher kamen. Frauen, Männer und Paare im Alter zwischen 18 und 45 Jahren. Inzwischen wohnen in den beiden ehemaligen Landhäusern in Bleiwäsche 42 Ungarn – weitere 55 in Bad Wünnenberg. László weiß es genau, denn er muss die Fahrten mit den Firmenbullis nach Westenholz organisieren und in den Häusern handwerklich alles in Ordnung halten. In Bleiwäsche starten die Fahrzeuge um kurz nach 3 Uhr. Die erste Schicht bei Kühlmann beginnt um 4.45 Uhr und dauert bis 14.30 oder 14.45 Uhr – zwölf Stunden. Die zweite Schicht endet nachts um 1 Uhr. Nach ihrer Rückkehr von der Arbeit können die Ungarn in den früheren Hotelküchen nach individuellem Bedarf kochen. Die Küche im Jagdhaus sieht tipptopp aus. Die ehemaligen Hotel-Zimmer sind „schön und nicht klein“, sagt László.Gelegenheitsjobs ausgeübt In Ungarn, nach seiner Schulzeit, hat László Gelegenheitsjobs ausgeübt: als Anstreicher, auf Baustellen Putzarbeiten ausgeführt oder Rasen gemäht. Sein Monatsverdienst hätte 200 Euro betragen, sagt er. In Deutschland verdiene er „gutes Geld“ und nennt als Betrag bereitwillig 1.300 Euro. Ob er davon seine Familie daheim unterstützt? „Manchmal“, verrät der junge Mann. Sein Vater sei Metallarbeiter, zwei Schwestern, 35 und 37 Jahre alt, leben nach wie vor in Ungarn. Deutsch hat der neue Hausmeister in den Ex-Hotels früher in der Schule über vier, fünf Jahre und ein- bis zweimal in der Woche zwar gelernt, doch das helfe heute wenig. „Kommt ein Deutscher muss ich sprechen“, nennt er seine Methode. Manchmal sucht er im Smartphone nach einer Übersetzung. Nach seiner Selbsteinschätzung „immer am Arbeiten“ gönnt sich László einmal im Monat sonntags eine Fahrt nach Paderborn „in die Fußgängerzone“. Das eigene Auto steht in der früheren Hotelgarage.Grillen am Wochenende In Bleiwäsche hat die Feuerwehr mit den neuen Bewohnern aus der Puszta schon gemeinsam gefeiert. Am Jagdhaus in Bad Wünnenberg wird an Wochenenden gern gegrillt und Bier getrunken. Die Ungarn feiern zudem Namenstag, obwohl viele keine Katholiken sind. Auch zum einen Spaß mit Karnevalskostümen lassen sie sich verleiten. Lászlós Bilanz nach fast fünf Jahren Arbeit in Deutschland ist nur positiv. „Es passt alles“, sagt der junge Ungar, und die Hausmeister-Tätigkeit gefällt ihm „besser“. Zurück nach Ungarn sind nur Einzelne gegangen. Andere haben zum Beispiel als Koch in Bad Waldliesborn schon eine besser bezahlte Arbeit gefunden. „Manche haben etwas Heimweg“, glaubt er, „aber keine weint.“ Wie es für ihn selbst in den nächsten Jahren weitergehen könnte, will der junge Ungar heute gar nicht wissen. „Ich gehe mit dem Wasser“, wählt er ein Bild: „Dann kommt etwas – oder nicht.“

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