Mehr als sechs Jahre muss der Täter ins Gefängnis. - © picture alliance / dpa
Mehr als sechs Jahre muss der Täter ins Gefängnis. | © picture alliance / dpa

Bad Wünnenberg Supermarkt-Überfall: Brutaler Räuber muss für mehr als sechs Jahre hinter Gitter

Überfall: Richter halten 29-Jährigen für den Haupttäter, der drei Kassiererinnen mit einer Waffe bedrohte und mit Reizgas besprühte. Seine Opfer haben noch immer Schwierigkeiten, die Tat zu verarbeiten

Jutta Steinmetz

Bad Wünnenberg. Was drei Frauen am 17. Dezember 2016 in den Abendstunden durchmachten, werden sie wohl ihr weiteres Leben lang nicht vergessen. An diesem Abend wurden sie an ihrem Arbeitsplatz Opfer eines brutalen Überfalls. Mohammed R. wird möglicherweise sechseinhalb Jahre lang immer mal wieder an den Vorfall denken. Denn genau diese Zeit muss der 29-Jährige im Gefängnis sitzen. Das entschied die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn. „Er ist aus unserer Sicht der Haupttäter", bilanzierte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus. Für ihn und die Mitglieder seiner Kammer stand nach drei Verhandlungstagen fest, dass Mohammed R. äußerst brutal vorging, als er zusammen mit einem 25-Jährigen einen Supermarkt überfiel. Ihrer Ansicht nach war er es, der einer Kassiererin eine Gaspistole an den Kopf hielt, um sie zu zwingen, zuerst eine Kasse und sodann den Tresor zu öffnen, und schließlich allen drei gefesselten Frauen gezielt Reizgas in die Gesichter sprühte. Polizei erwischte Mittäter im Linienbus Mit rund 4.000 Euro machten sich die Täter davon. Doch während sich Mohammed R. noch nach Belgien absetzen konnte, ging sein Spießgeselle schon kurz nach der Tat den Fahndern ins Netz. Sie erwischten ihn in einem Linienbus. Er wurde bereits im Mai vergangenen Jahres mit fünf Jahren Haft bedeutend glimpflicher bestraft. Aus gutem Grund, wie Emminghaus ausführte. Denn der 25-Jährige hatte sofort nach seiner Festnahme reinen Tisch gemacht, die Tat gestanden und zudem dafür gesorgt, dass sein Komplize identifiziert und festgenommen werden konnte. Während der Ermittlungen wie auch in seinem eigenen Verfahren hatte er beteuert, dass es Mohammed R. gewesen sei, der die Frauen mit der Waffe bedroht und mit Reizgas besprüht habe. Eine Aussage, die mit den Schilderungen der Frauen in Einklang gebracht werden konnte – aber auch mit den DNA-Spuren, die an einem in Tatortnähe entsorgten Kleidungsstück festgestellt wurde. Solch strafmilderndes Verhalten könne dem vehement schweigenden Mohammed R. nicht zugute gehalten werden, erklärte Emminghaus in seiner Urteilsbegründung. Für seine Opfer habe der Überfall aber gravierende Folgen. „Sie haben erhebliche Schwierigkeiten mit dem Erlebnis fertig zu werden", so der Richter.

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