Begeisterte Gästeführerinnen: Marlies Michel (l.) und Ursula Hinzmann auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe. - © Klaus Karenfeld
Begeisterte Gästeführerinnen: Marlies Michel (l.) und Ursula Hinzmann auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe. | © Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe Gästeführerinnen identifizieren sich mit dem Konzept der Landesgartenschau

Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe. Es ist Tag 122 der Landesgartenschau in Bad Lippspringe, kurz vor 11 Uhr. Die Gartenfreunde aus Hannover haben sich für diesen Vormittag angekündigt. Am Eingang zum Waldpark wird die 80-köpfige Reisegruppe bereits von vier Gästeführern erwartet - unter ihnen sind Marlies Michel und Ursula Hinzmann. Die Besucher aus Hannover sind schnell auf die Gästeführer verteilt. Mehr als 20 pro Gruppe sollten es nicht sein, das lehrt die bisherige Erfahrung. "Auch die Teilnehmer in den hinteren Reihen sollen uns schließlich gut verstehen können", betont Ursula Hinzmann. Sie ist wie Marlies Michel Gästeführerin der ersten Stunde. Wie viele Führungen sie seit dem 12. April bereits absolviert hat? Marlies Michel muss überlegen. Ein Blick in die Statistik hilft weiter: Es sind bis heute stolze 32. Weitere elf Termine sind bereits fest gebucht. Die große Führung durch den Waldpark dauert im Schnitt anderthalb Stunden. Ist das Publikum besonders wissbegierig, kann es auch etwas längern dauern. Von der Niewels-Fontäne aus führt der Weg am Glaubensgarten vorbei in die Waldquartiere. Der Kinderspielplatz Elfenheim und die Adlerwiese sind beliebte Anlaufpunkte. Die Dünenlandschaft in Nähe der Mersmannteiche weckt die besondere Neugier der Besucher aus Hannover. Die Gästeführer zeigen sich gut vorbereitet, die Schulungen Ende vergangenen Jahres scheinen sich einmal mehr auszuzahlen. Marlies Michel und Ursula Hinzmann erinnern die Besucher an die Zeit, Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich der Kur- und Badeort entschloss, der zunehmenden Dünenbildung am Sennerand den Kampf anzusagen und schließlich zum Schutz einen Kiefernwald anlegte. Der sandige Boden - auch das erfährt der interessierte Besucher von den beiden Gästeführerinnen - ist für einige Blumen und Pflanzenarten wenig geeignet. Rosen beispielsweise wird man deshalb in den vielen bunten Beeten der Landesgartenschau vergeblich suchen. "Blumenpracht und Waldidylle", so lautet das Leitthema der Bad Lippspringer Landesgartenschau. Die aktuell 76 Gästeführer wollen bei den Besuchern aber nicht nur viele schöne Bilder erzeugen, sondern an der einen oder anderen Stelle auch zum Nachdenken anregen. Gemeinsam mit den vor Ort vertretenen Imkern beschreiben sie beispielsweise Ursachen und Folgen des anhaltend großen Insektensterbens in Deutschland. Wenn Marlies Michel von der Landesgartenschau in Bad Lippspringe spricht, fällt auffallend oft das Wort "Wir". Und das geschieht nicht zufällig. "Ja, ich identifiziere mich mit der Landesgartenschau in Bad Lippspringe voll und ganz." Viele andere LGS-Städte, ergänzt Ursula Hinzmann., hätten ihre Gartenschau auf einer Industriebrache oder einer großen landwirtschaftlichen Fläche quasi aus dem Boden gestampft. Bad Lippspringe sei da glücklicherweise einen anderen Weg gegangen und habe den eigenen Wald zum "Star" seiner Gartenschau gemacht. Der aus dem Kaiser-Karls-Park entwickelte Waldpark, die Flaniermeile quer durch die Innenstadt sowie der Arminiuspark mit seinen Blumenhallen und Quellen haben die Gästeführer von Anfang an fasziniert. Und diese Botschaft ist offensichtlich auch bei den mittlerweile mehr als 300.000 Besuchern angekommen. Die Gästeführung ist für diesen Tag beendet. Marlies Michel und Ursula Hinzmann treffen sich zum Abschluss auf ein Glas Wasser in der LGS-Gaststätte "Martinus im Park". Sie haben sich inzwischen ein Bild machen können vom "typischen" Besucher der Landesgartenschau. Der ist in der Mehrzahl weiblich, etwas älter als 60 Jahre und liebt seinen eigenen Garten über alles. Und so wundert es nicht, dass nach dem Ende der Führung noch viele Gäste auf eigene Faust das Gelände durchstreifen.

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