Truppenübungsplatz: Alte Panzer und Bunker dienen den Soldaten als Zielobjekte. Foto: Marc Köppelmann - © www.sportpictures.de
Truppenübungsplatz: Alte Panzer und Bunker dienen den Soldaten als Zielobjekte. Foto: Marc Köppelmann | © www.sportpictures.de

Bad Lippspringe Haustenbecker Treffen in der Senne nach Auflagen der Briten abgesagt

Sicherheitsbedenken aufgrund von vermehrten Schießübungen und Wanderern auf Abwegen

Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe/Schlangen. Das für den 26. August geplante Haustenbecker Treffen in Erinnerung an das vor Jahrzehnten für den Truppenübungsplatz aufgegebene Dorf in der Senne, ist überraschend abgesagt worden. Die britischen Militärs hatten zuvor erhebliche Sicherheitsbedenken angemeldet. Anfangs sei alles noch planmäßig verlaufen, so Petra Mücke als Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Oesterholz-Haustenbeck (Gemeinde Schlangen) und organisatorisch Verantwortliche. Demzufolge lag dem Verein bereits im Februar ein Schreiben vor, in dem die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auch das diesjährige Haustenbecker Treffen ohne weitreichende Auflagen genehmigte. Drei Monate später folgte die überraschende Kehrtwende. Die BImA schränkte ihre schriftlich gegebene Zusage unerwartet deutlich ein. Die Veranstaltung in Haustenbeck dürfe sich nur auf den alten Friedhof, die Gedenkstätte und den ehemaligen Schulhof konzentrieren. Die etwa fünf Kilometer lange Wanderung am Haustenbach entlang zur Augustdorfer Straße wurde dagegen wegen Sicherheitsbedenken der britischen Militärs ausdrücklich untersagt. „Gerade die Wanderung durch die Senne macht aber für viele Gäste den besonderen Reiz des nur alle zwei Jahre stattfindenden Haustenbecker Treffens aus", ist Petra Mücke überzeugt: „Viele Besucher reisten von weit her an, um einen Blick auf ihre ehemalige Wohn- oder Hofstätte zu werfen. Oftmals in Begleitung ihrer Kinder und Enkel." Schlangens Bürgermeister Ulrich Knorr suchte kurzfristig den Kontakt zum britischen Verbindungsoffizier Alan Patterson. „Mir war es wichtig zu wissen, welche Sicherheitsbedenken die Militärs genau geltend machen", so der Schlänger Rathauschef. In die Gespräche wurde neben dem britischen Platzkommandanten auch das Bundesforstamt einbezogen. „Die Militärübungen in der Senne haben deutlich zugenommen", weiß auch Knorr. Laut Aussage der britischen Kommandantur gehört eine direkt an Haustenbeck angrenzende Großfläche zum bevorzugten Übungsbereich („Belle alliance"). Nicht alle Geschosse detonieren tatsächlich. Von den Blindgängern gehe eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus, haben die Briten Knorr gegenüber deutlich gemacht. Aber nicht nur das: Vorangegangene Haustenbecker Treffen hätten leider gezeigt, dass nicht wenige Teilnehmer die vorgeschriebene Wanderstrecke verlassen, um so die Senne auf eigene Faust zu erkunden – so die Darstellung aus britischer Sicht. „Dieses Risiko wollen die Briten mit Blick auf die gefährlichen Blindgänger nicht noch einmal eingehen", so Knorr. Einen Ordnungsdienst zu organisieren, wäre Sicht der Schlänger Verwaltung nach nicht nur aus zeitlichen Gründen schwierig gewesen: „Die Frage ist auch, welche Befugnisse und Rechte solche Ordnungskräfte überhaupt haben sollen und können." Der Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck kann die Sicherheitsbedenken zwar teilen: „Andererseits ist es schade, dass die harmonische Zusammenarbeit mit den Briten zwei Jahre vor dem Abzug ein so wenig schönes Ende findet", resümiert Petra Mücke. Das Haustenbecker Treffen nur auf Kirche, Friedhof und Schule zu beschränken, sei für die vielen meist älteren Besucher wenig attraktiv. Verein und Gemeinde hätten deshalb gemeinsam beschlossen, das Treffen 2017 abzusagen. Ob die Traditionsveranstaltung, deren Anfänge bis ins Jahr 1971 zurückreichen, überhaupt noch eine Zukunft hat, erscheint zurzeit völlig offen. „Wir werden auf jeden Fall Ende 2018 wieder unseren Genehmigungsantrag stellen. Das dürfte auch der Zeitpunkt sein, an dem die britischen Militärs die Senne verlassen werden. Wer dann genau für die Senne verantwortlich zuständig ist und die notwendigen Entscheidungen trifft, kann zur Stunde niemand sagen", so Petra Mücke abschließend.

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