Kreis Paderborn/Bad Lippspringe Fünf Fragen an Norika Creuzmann, Kandidatin für Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Paderborn

Landtagswahl am 14. Mai: Kandidatin hält die Senne für das wertvollste Stück Natur in OWL

Statt Kapazitäten im Luftverkehr auszubauen, wollen die Grünen den bisherigen regionalen Luftverkehr auf die Schiene verlagern. Wie stellen Sie sich dabei die Zukunft des Airports Paderborn/Lippstadt vor? Norika Creuzmann: Ich halte die Schiene für die ökologisch vernünftigste Lösung, Waren an ihr Ziel zu bringen. Bei Menschen ist die Entfernung das Ausschlag gebende Kriterium. Gerade bei Kurzstrecken favorisiere ich die Bahn bzw. den Bus. Davon ist der Airport wirtschaftlich kaum betroffen. Gleichzeitig sprechen die rückläufigen Fluggastzahlen eine deutliche Sprache: Werden die kommunalen Träger weiterhin bereit sein, die Subventionierung in Millionenhöhe zu übernehmen? Aber vielleicht dreht sich ja jetzt der Trend durch die Anbindung an Frankfurt. Es muss unbedingt ein bundesweites Flugverkehrskonzept für wirtschaftlich überlebensfähige Flughäfen geben. Die Grünen wollen die Senne als zweiten Nationalpark im Land ausweisen. Wie wollen Sie dieses Vorhaben trotz des anhaltenden Widerstandes der Anrainerkommunen umsetzen? Creuzmann: Die Senne ist das wertvollste Stück Natur das wir in OWL haben, manche sagen sogar: Heide und Buchenwälder sind einzigartig in ganz Deutschland. Dieses Naturerbe zeichnet unsere Heimat aus. Schutz und Erleben gepaart mit Erholung und Bildung, das alles bietet ein Nationalpark. Die Eifel macht es uns erfolgreich vor. Von einem Nationalpark profitiert die ganze Region. Und in der Senne bleibt die Heidelandschaft erhalten, versprochen! Die militärische Nutzung hat Zersiedelung verhindert, aber auch uns Menschen ausgesperrt. Wenn das Militär abzieht, sprechen neben ökologischen Argumenten alle ökonomischen Fakten für die Einrichtung eines Nationalparks Senne, etwa die Übernahme der Unterhaltungskosten durch das Land und steigende Einnahmen durch den Tourismus. Die Grünen setzen auf zukunftssichere Arbeitsplätze durch neue Energien. Wie wollen Sie im Kreis Paderborn mit bereits mehreren hundert Windkraftanlagen weitere Windparks in Bürgerhand verwirklichen? Creuzmann: Wenn die Bürger durch Beteiligungen an der umweltschonenden Energieerzeugung mitverdienen können, sehe ich noch viele Möglichkeiten für weitere und vor allem leistungsfähigere Anlagen. Es gilt, diese klug zu platzieren und die Bevölkerung wie in Lichtenau mitzunehmen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die CDU-Mehrheitsfraktionen des Kreises und vieler Kommunen die Voraussetzungen für all diese Windparks geschaffen haben wie sie heute sind. Im Übrigen werden neue Bürgerwindparks im Kreis Paderborn nur vereinzelt dort entstehen, wo ein Windpark repowert wird, d.h. alte Anlagen durch neue, leistungsfähigere Windmühlen ersetzt werden. Und im Ernst: Atomkraft möchte ja wohl niemand mehr. Zu Wahlkampfzeiten vergisst die CDU im Kreis, dass sie dem Klimaschutzkonzept zugestimmt hat. Langfristig soll der Flächenverbrauch auf Null sinken. Wo wollen Sie im Kreis Paderborn, wo Industriebrachen wie im Ruhrgebiet fehlen, weitere Flächen für Gewerbe, Industrie und Siedlungsbau ausweisen? Creuzmann: Die weitere Zersiedelung der Landschaft muss vermieden werden. Nicht jedes Dorf braucht sein eigenes Gewerbegebiet. Vielmehr setze ich auf interkommunale Gewerbegebiete, wo Gewerbe und Industrie schwerpunktmäßig konzentriert und die Gewerbesteuereinnahmen aufgeteilt werden, damit heimische Betriebe die Chance haben, sich vor Ort zu erweitern und Arbeitsplätze zu schaffen. Vor der Ausweisung neuer Baugebiete gilt es, erst die Baulücken in den Städten zu schließen. Die Grünen haben die Perspektive „emissionsfrei bis 2020" auf ihre Fahnen geschrieben. Wie wollen Sie die Energiewende auf der Straße forcieren? Creuzmann: Die Elektromobilität wird schon in wenigen Jahren zum Alltag gehören. Ladestationen in jeder Straße und die finanzielle Förderung von Elektroautos, Steuerfreiheit bis hin zu kostenlosen Parkplätzen soll das fördern. Ein elektrischer ÖPNV ist ebenfalls ein wichtiger Schritt für leiseren und emissionsärmeren Verkehr in unseren Städten. Außerdem sollen Menschen mit wenig Einkommen Bus und Bahn nutzen können, deswegen fördert NRW das Sozialticket, was im Kreis Paderborn allerdings an der CDU scheitert.

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