Bringt die Neuenbekener in Rage: Die geplante, rund 250 Hektar große Windvorrangzone grenzt unmittelbar an den Paderborner Stadtteil Neuenbeken. - © Marc Köppelmann
Bringt die Neuenbekener in Rage: Die geplante, rund 250 Hektar große Windvorrangzone grenzt unmittelbar an den Paderborner Stadtteil Neuenbeken. | © Marc Köppelmann

Bad Lippspringe Windkraft: Protest kommt aus Neuenbeken

Teilflächennutzungsplan: Erste Interessenten stehen bereits in den Startlöchern. Vier 207 Meter hohe Anlagen am Eisernen Herrgott geplant

Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe. Die ersten Interessenten stehen bereits in den Startlöchern. Die Planungsgemeinschaft Bad Lippspringe GmbH will im Bereich "Böcksgrund", also in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ausflugsziel "Eiserner Herrgott", vier Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 207 Metern und einer Nennleistung von jeweils drei Megawatt errichten. Die Entscheidung über den Bauantrag ist zunächst bis zum Februar 2017 zurückgestellt. Die Stadt Bad Lippspringe hat nach Aussage von Bauamtsmitarbeiter Dieter Paschke ihre Hausaufgaben gemacht. Bis 2. November können sich die Bürger über den "Vorentwurf des sachlichen Teilflächennutzungsplans Windenergie" informieren und ihre Stellungnahme abgeben. Wie berichtet, hat die Landesregierung in Düsseldorf das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 mindestens 15 Prozent der landesweiten Stromversorgung durch Windenergie zu decken. Die Mitwirkung der Städte und Gemeinden ist daher unerlässlich. Das sieht auch die Rechtsprechung so. Sie fordert die Kommunen auf, der Windenergie auf ihrem Grund und Boden "substanziellen Raum" zu geben. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Wolters Partner hat die Stadt Bad Lippspringe zwischenzeitlich das gesamte Stadtgebiet einer so genannten Potenzialflächenanalyse unterzogen. "Damit verbunden war das Ziel, die Nutzung der Windenergie auf geeignete örtliche Flächen zu konzentrieren und den übrigen Teil des Stadtgebietes von Windkraftanlagen freizuhalten", erläuterte Paschke im Gespräch. Das Gemeindegebiet von Bad Lippspringe ist insgesamt 5.097 Hektar groß. Das Planungsbüro Wolters Partner kommt in ihrer eingehenden Untersuchung zu dem Schluss, dass 3.955,3 Hektar dieser Flächen für den Bau von Windkraftanlagen von vorn herein nicht in Frage kommen. Dazu zählt das komplette Siedlungsgebiet der Stadt, der Truppenübungsplatz sowie die örtlichen Naturschutzgebiete. Den Kommunen steht neben diesen "harten Tabuzonen" zusätzlich ein wichtiges Steuerungselement zur Verfügung, um bestimmte weitere Flächen von der Windkraftplanung auszuschließen. Sie werden als "weiche Tabuzonen" klassifiziert und müssen laut Paschke sehr gut begründet sein, um im Klagefall vor Gericht Bestand zu haben. Ein wichtiges weiches Tabukriterium ist die Abstandsfläche zwischen den möglichen Windkraftanlagen und den bestehenden Siedlungsräumen. Als Referenzanlage gehen Stadt und Planungsbüro gingen von einer Windkraftanlage aus, die eine Gesamthöhe von 150 Metern und einen Rotordurchmesser von 100 Metern hat. Das Emissionsspektrum beschrieb der federführende Diplomingenieur Michael Ahn je nach Betriebsart mit 103 bis 106 dB (A). Aufgrund dieser Annahme setzte das Ingenieurbüro Wolters Partner die Windkraft-Abstandsfläche zu zusammenhängenden Siedlungsflächen in Bad Lippspringe mit 300 Metern an (hartes Tabu), hinzu kommt eine Pufferzone von 500 Metern (weiches Tabu); das Gleiche gilt für die Sonderbaufläche Kurkliniken. Für die Bereiche Friedhof und Kleingartenanlage ist eine Pufferzone von 300 Metern vorgesehen, für die örtlichen Sportanlagen sowie den Reitplatz von nur 100 Metern. Der Abwägungsprozess der Tabukriterien bedeutet für Bad Lippspringe, dass 249 Hektar des Gemeindegebietes für den Bau von Windkraftanlagen in Frage kommen. Die zusammenhängende Fläche befindet sich im südlichen Stadtgebiet, also im Eggevorland, zwischen dem Gewerbepark Pfingstuhlweg im Westen, der Stadtgrenze zu Paderborn (Neuenbeken) im Süden und dem Anstieg zum Bad Lippspringer Wald im Osten. Die nördliche Begrenzung ist aufgrund der hydrogeologischen Gegebenheiten (Wasser- und Heilquellenschutzgebiet) schwierig. Sollte die geplante Potenzialfläche auch in der weiteren Bauleitplanung Bestand haben, würde die seit 1999 bestehende Windvorrangfläche an der Gemarkungsgrenze zu Schlangen aufgehoben. Die drei dort befindlichen Windkraftanlagen hätten einen erweiterten Bestandsschutz und dürften nur gegen Anlagen mit gleicher Höhe und gleicher Leistung ersetzt werden.

realisiert durch evolver group