Mit Fernglas und Fernrohr: (v. l.) Clemens Franke, Ralf Eichmann, Angelika Pollmann und Wolfgang Dzieran, beobachten und zählen zusammen mit weiteren Mitstreitern Wasservögel. - © Andreas Götte
Mit Fernglas und Fernrohr: (v. l.) Clemens Franke, Ralf Eichmann, Angelika Pollmann und Wolfgang Dzieran, beobachten und zählen zusammen mit weiteren Mitstreitern Wasservögel. | © Andreas Götte

Bad Lippspringe Bilanz der Wasservogelzählung in Bad Lippspringe

Die Zähler sind von September bis April monatlich unterwegs

Andreas Götte

Bad Lippspringe. So eine Wasservogelzählung stellt den menschlichen Zähler vor einer echte Herausforderung. Denn die weiblichen Vögel sehen sich wegen ihrer fast gleichen Tarnfarbe sehr ähnlich. Im Sommer verstecken sie sich, um in Ruhe zu brüten, im Winter friert der See zu, dann schwimmen beispielsweise die Stockenten am Klärwerk und am kleinen und großen Dedinger-Heide-See kann es passieren, dass die Tiere von einem zum anderen See fliegen und es zu doppelten Zählungen kommt. Nur gut, dass Wolfgang Dzieran, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Biologische Station Kreis Paderborn-Senne, gut vorbereitet ist und ein Fernrohr samt Stativ dabei hat. Im Schlepptau hat er Mitzähler von der Bad Lippspringer Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und des örtlichen Heimatvereins. Wasservögel werden im Kreis Paderborn monatlich von September bis April gezählt, um beispielsweise aktuelle Trends über die Vogelwelt und deren Auswirkungen zu bekommen. So kann Wolfgang Dzieran beispielsweise die Kritik von Anglern, dass immer mehr Kormorane ihnen ihre Fische wegfressen, nicht nachvollziehen. "Die Zahlen sind konstant, so dass sie nicht gejagt werden müssen", weiß der 62-Jährige, der von Beruf Physiker ist. Einmal habe er 56 Kormorane in den Bäumen hängend gezählt. Die hätten dort nur ihren Schlafplatz gehabt. Mit der Anzahl der Kiebitze ist das anders. Sie ist wegen der Flächenversiegelung und dem frühen Mähen der Landwirtschaft rückläufig. "Der Kiebitz braucht die feuchten Wiesen zum Brüten", klärt Dzieran auf. Und was wird mit ohne Fernrohr oder Feldglas alles gesehen und gezählt? Zumeist sind es heimische Arten wie Stockenten und Reiherenten. Glück für die Zähler: Sie sind häuslich und fliegen nur selten weg. Ihre Zahl ist im Kreis Paderborn im Vergleich zum benachbarten Kreis Lippe konstant. Mit etwas Glück sehen die Wasservogel-Zähler auch mal die selten gewordenen Grau- und Silberreiher. "Die brüten in Deutschland fast gar nicht mehr", weiß Dzieran. Selten werden Waldwasserläufer beobachtet Selten, aber nicht ausgeschlossen sei es auch, zum Sommer hin mal einen Waldwasserläufer zu beobachten, der eigentlich sein Quartier in Afrika habe. "Mir macht es einfach Spaß zu sehen, was denn hier so fliegt", sagt der 62-Jährige. Einmal hätte sich sogar ein nordamerikanisches Brautenten-Pärchen auf dem See niedergelassen. Nach seinen Angaben gleichen sich Zählfehler über Monate wieder aus. "Gezählt werden sollte immer die Höchstzahl an Tieren, die ich gleichzeitig sehe", erläutert der Bad Lippspringer. Eine einzelne Zählung sollte man nicht auf die Goldwaage legen. Als Zähler sollte man sich jedoch in der Welt der Wasservögel auskennen. Bei der Wasservögelzählung in Bad Lippspringe feierte Clemens Franke seine Premiere. "Ich beobachte regelmäßig Vögel, deshalb hat die Zählung mein Interesse geweckt", sagt der Elsener. Wolfgang Dzieran plädiert unterdessen für eine flächendeckende Zählung an allen rund 80 Gewässern im Kreis Paderborn. Vor allem im Südkreis würden noch Zähler fehlen. Die erhobenen Daten werden bei Bedarf der Kreisverwaltung zur Verfügung gestellt. Die bundesweiten Zählungen werden koordiniert vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA). Wasservögelzählungen finden weltweit statt und gehen in entsprechende Statistiken ein. Dann schwimmt ein Erpel einer Ente hinterher - fast so wie im richtigen Leben.

realisiert durch evolver group