Denkwürdiger Moment: Pfarrer Georg Kersting trägt das Ziborium mit den konsekrierten Hostien aus der Kirche. - © Svenja Ludwig
Denkwürdiger Moment: Pfarrer Georg Kersting trägt das Ziborium mit den konsekrierten Hostien aus der Kirche. | © Svenja Ludwig

Bad Lippspringe Abschied vom Bad Lippspringer Gotteshaus St. Maximilian

Nach 19 Jahren gibt die St. Martinsgemeinde ihre Filialkirche auf. Nun werden dort orthodoxe Christen beten. Die neuen Besitzer planen Umbaumaßnahmen

Svenja Ludwig

Bad Lippspringe. Zur letzten Messe war die Kirche St. Maximilian in Bad Lippspringe noch einmal rappelvoll. "Ich hatte den Wunsch, hier zu sein", gestand Gemeindemitglied Karl-Heinz Arnemann ein, der wie viele Gläubige am Sonntagabend Abschied von dem kleinen Gotteshaus nahm. Vollbesetzte Bänke - das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Hinzu kam die Maxime des Erzbistums Paderborn, sich "kleiner zu setzen", wie Pfarrer Georg Kersting erklärte. Deshalb entschloss sich die St. Martinsgemeinde, die Kirche zu verkaufen. Der letzte Gottesdienst lässt den Pastor jedoch nicht kalt: "Das ist ein denkwürdiges Ereignis." 1995 als Filiale der St. Martinskirche unter Widerständen aus der Bevölkerung in Planung gegeben, wurde der moderne Sakralbau vier Jahre später geweiht und diente nicht nur den Katholiken als Ort des Gebets. Am Sonntag dann der feierliche Schlusspunkt: Mit dem Leib Christi, den Hostien, in einem goldenen Ziborium verließ Kersting die Kirche. Rund 400 Mitglieder In das Gebäude einziehen wird die russisch-orthodoxe Gemeinde "zu Ehren der wundertätigen Gottesmutter-Ikone Feodorowskaja", die 400 Mitglieder zählt. "Schön, dass es eine christliche Gemeinde ist, die unsere Kirche übernimmt", betonte Kersting. Gemeindemitglied Arnemann nannte es "beruhigend". An der letzten katholischen Messfeier nahmen sowohl der orthodoxe Chor als auch Würdenträger der neuen Gemeinde teil. "Das war für die Katholiken ein trauriger und ein besonderer Tag, aber auch uns fällt die Trennung von der Alexius-Kapelle schwer", erklärte Erzpriester Sergej Ilin. Ihre Heimstatt hatte das Michaelskloster in Paderborn den orthodoxen Christen zur Verfügung gestellt, mittlerweile allerdings Eigenbedarf angemeldet. "St. Maximilian ist also ein Geschenk Gottes", so Ilin. Bis zum Aschermittwoch, an dem die orthodoxe Gemeinde ihre erste Messe feiern will, wird sich im Inneren der Kirche noch einiges tun. "Altar, Ambo und Tabernakel werden vom Bistum übernommen, die Orgel geht eventuell an eine Kirche in Altenbeken", kündigte Pfarrer Georg Kersting an. Der Kindergarten St. Martin erhalte die Krippenfiguren, eventuell auch die Maximilianfigur in Form eines Bildstocks. Auch das geschnitzte Holzkreuz wird das Gotteshaus verlassen. Zwiebelhaube soll dem Kirchturm aufgesetzt werden "Die russisch-orthodoxe Kirche hat eine ganz andere Liturgie", erklärte Kersting, "ein Altar zum Beispiel entspricht nicht ihrer Tradition." Ebenfalls weichen werden die Kirchenbänke, denn orthodoxe Christen beten stehend. "Wir werden Ikonen mitbringen und im Altarbereich wird es eine Ikonostase geben", berichtete der Erzpriester. Langfristig plant die orthodoxe Gemeinde, St. Maximilian auch von außen nach ihren Wünschen zu gestalten: Eine Zwiebelhaube soll dem Kirchturm aufgesetzt werden. "Mich würde es interessieren, eine ihrer Messen zu besuchen", meinte Simone Bee-Seyfarth, St. Martins-Gemeindemitglied. Die neuen Besitzer haben sie neugierig gemacht. Dass sie für den katholischen Gottesdienst zukünftig etwas Wegstrecke in Kauf nehmen muss, das sieht sie pragmatisch: "Ich orientiere mich entsprechend um." Mittwochs können die Gemeindemitglieder auch um 17 Uhr den Gottesdienst in der St. Marienkirche in Schlangen besuchen. Ab dem 11. März stehen ihnen auch sonntäglich um 18.30 Uhr die Türen von St. Joseph in Marienloh offen.

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