Eine Bucht südlich von Mallaig: Kremer schlägt am Strand sein Zelt auf. In Schottland ist Wildcampen ausdrücklich erlaubt. - © Markus Kremer
Eine Bucht südlich von Mallaig: Kremer schlägt am Strand sein Zelt auf. In Schottland ist Wildcampen ausdrücklich erlaubt. | © Markus Kremer

Bad Lippspringe Bad Lippspringer radelt in die Heimat von Nessi

Markus Kremer fährt mit dem Rad rund 3.000 Kilometer durch Schottland. Asiatische Reisende verwechseln ihn mit einer Touristenattraktion

Andreas Götte

Bad Lippspringe. Irgendwie kommt Markus Kremer von Schottland nicht los. Der gebürtige Paderborner ist nicht nur leidenschaftlicher Musiker der Highland Dragon Pipe Band, sondern hält sich auch gerne im Land von Loch Ness, Schottenrock und Whisky auf. Fünf Wochen lang war Kremer in Schottland unterwegs. Und das war nicht nur Urlaubsidylle pur, sondern auch ein richtiger Knochenjob. Der Schottland-Fan legte rund 3.000 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. "Ich bin vor sechs Jahren angefangen, zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder den Emsradweg zu fahren", sagt Kremer. 2012 habe er Schottland schon einmal bereist - mit dem Auto. "Mit dem Fahrrad lässt sich die Landschaft viel intensiver erleben, nimmt man die Eindrücke viel besser auf", weiß der Lehrer. Mit dem Zug ging es zunächst nach Amsterdam. Im niederländischen IJmuiden ging es mit dem Rad auf die Fähre nach Newcastle, dem Startpunkt von Kremers Trip. Auf direktem Weg radelte er zunächst weiter nach Edinburgh und dann nach Stirling und Inverness an Loch Ness vor bei an der Westküste entlang. Über Fort William endete der ausgedehnte Trip schließlich in Glasgow. "Dort hat es mir im Vergleich zu Edinburgh nicht so gut gefallen. In Edinburgh ist man plötzlich ganz schnell in der Natur an einem Fluss", sagt der 44-Jährige. Zwischendurch fand Kremer noch Zeit, seine Frau Andrea zu treffen, die sich in Schottland die Dudelsack-Weltmeisterschaft angeschaut hatte. Zumeist übernachtete Kremer in seinem mitgebrachten Zelt auf Campingplätzen oder mal in einer Jugendherberge. An den Linksverkehr hat sich der Schottland-Liebhaber schnell gewöhnt. Auch Radwege sind in Schottland eher eine Seltenheit. "Spannend wird es an großen Kreisverkehren, da muss man sich richtig einordnen, im Zweifel wurde ich mal angehupt", erzählt Kremer, bei dem 80 Prozent aller Tage verregnet waren. Für einen wahren Schottland-Fan ist das keine Überraschung und auch kein Hindernis. Und auch von wenig sommerlichen 15 bis 18 Grad Celsius, einem heftigen Hagelschauer und einigen Pannen ließ sich Markus Kremer nicht aufhalten. "Mir sind mal plötzlich meine Fahrradtaschen abgefallen. In einer Werkstatt bekam sein Rad neue Metallschellen und dann ging es weiter. Als sich unterwegs zweimal die Pedale lockerten, fand Kremer schnell Hilfe über das Internet bei einem Paderborner Fahrradhändler. In Schottland führen die Straßen zumeist durch Täler, es gibt wenig Pässe. Markus Kremer nutzte die Chance mit dem Rad überall stehen zu bleiben, um die Eindrücke von den Gegenden direkt auf sich wirken zu lassen. "Schade, dass die Wälder nun auch im unteren Bereich abgeholzt werden", bedauert er. An der schottisch-englischen Grenze wurde der Deutsche unfreiwillig zur Touristenattraktion. Diese sollte eigentlich neben ihm ein schottischer Dudelsackspieler sein, aber asiatische Touristen hatten nur Augen für den Radfahrer aus Bad Lippspringe und hüllten ihn in ein Blitzlichtgewitter ein. Auch an ein Wettrennen mit einem Schaf kann er sich gut erinnern. "Das lief ständig vor mir her, ich konnte es zunächst überhaupt nicht überholen", sagt der 44-Jährige. Und auch sein Rad-Navi machte ihm mal ein Strich durch die Rechnung. "Der vorgeschlagene Weg war ein Fußweg aus Steinen und Geröll", sagt Kremer. Rund acht Kilo leichter, um ein paar Bremsbeläge ärmer, jedoch reicher an vielen Eindrücken kehrte Kremer schließlich wieder zurück nach Deutschland. Rad fährt er privat in der Heimat nicht so oft. Bei gutem Wetter geht es schon mal zur Grundschule Altenautal - dort ist Kremer Schulleiter. www.kremers-fahrradtasche.de

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