Mit Teller und Tassen: Klaus Böning präsentiert die historischen Fundstücke. - © Klaus Karenfeld
Mit Teller und Tassen: Klaus Böning präsentiert die historischen Fundstücke. | © Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe Bad Lippspringer Lippequelle gibt Fundstücke aus der Besatzungszeit frei

Lokalhistoriker Klaus Böning spricht von einem bemerkenswerten Zufallsfund

Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe. Das Heimatmuseum in Bad Lippspringe ist um drei besondere Souvenirs reicher. Zwei Tassen und ein Teller erinnern an die Zeit unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Kur- und Badestadt von britischen Truppen besetzt war. Lokalhistoriker Klaus Böning spricht von einem bemerkenswerten Zufallsfund. Wie bereits berichtet, hatten sich Tauchlehrer Werner Mader und vier seiner ehemaligen Tauchschüler angeboten, die Lippequelle von lästigem Unrat zu befreien. Von Anfang an war klar: Das würde kein einfacher Tauch-Spaziergang. Schließlich weist die Quelle eine mächtige Schüttung von nachweislich 740 Litern Wasser pro Sekunde aus. Aber Aufwand und Einsatz haben sich am Ende doch gelohnt. Neben jeder Menge Müll brachten die Taucher auch einige Relikte der Vergangenheit an die Wasseroberfläche - darunter zwei gut erhaltene Tassen und einen Teller. Eine dicke Schlickschicht hatte das Porzellan über die Jahrzehnte perfekt konserviert. Die Herkunft des alten Geschirrs ließ sich Klaus Böning zufolge schnell klären. "Es stammt aus Beständen der britischen NAAFI". Die vier Großbuchstaben stehen für die Abkürzung von "Navy, Army and Air-Force-Institutes". Dabei handelt es sich nach Aussage des Lokalhistorikers um eine von der britischen Regierung im Jahre 1920 gegründete Organisation: "Ihre konkrete Aufgabe besteht bis heute darin, Soldaten und Angehörige der britischen Streitkräfte mit Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen." Aber das ist noch nicht alles. Die NAAFI betreibt auf den meisten britischen Stützpunkten auch Cafés und Restaurants sowie diverse Sport-, Erholungs- und Freizeiteinrichtungen. Böning zufolge versteht sich die NAAFI als sogenannte "Non-Profit-Organisation". Das bedeutet, ihre Geschäftseinnahmen kommen ausnahmslos wohltätigen Zwecken zugute. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gab es fast 10.000 NAAFI-Einrichtungen, darunter 800 Kantinen auf Kriegsschiffen und etwa 900 mobile Kantinen zur Versorgung der britischen Soldaten. Die maximale Beschäftigungsdichte lag bei 110.000 Personen. Zurück nach Bad Lippspringe: Der örtliche Arminiuspark stand bekanntlich auch unter britischer Besatzung und war somit für die Bad Lippspringer Zivilbevölkerung bis zum Jahr 1954 gesperrt. Daraus ist zu folgern, so Böning, dass die Fundstücke wohl zum Inventar der NAAFI-Kantinengesellschaft im Kurhotel von Bad Lippspringe gehörten. Das Porzellan weist das alte NAAFI-Logo in brauner Farbe aus. Und wer weiß, vielleicht hat einmal auch ein prominenter Gast das alte Geschirr benutzt. Während der etwa zehnjährigen Besatzungszeit war der britische Premierminister Winston Churchill auf Truppenbesuch in Deutschland. Die heute 105 Jahre Anna Laufs aus Bad Lippspringe erinnert sich noch gut daran, wie sie Churchill im Kursaal eine Tasse Tee servierte: "Das war eine große Ehre für mich."

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