Sauer: Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels. - © Wessels
Sauer: Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels. | © Wessels

Altenbeken/Bad Driburg Bürgermeister zoffen sich nach Realschul-Aus

Eltern sauer über Rückzieher des Kolping-Schulwerks. Altenbekens Bürgermeister Wessels sieht Intrigen aus 
Bad Driburg als Grund für das Ende der Gespräche / Driburger Amtskollege Deppe wehrt sich mit deutlichen Worten

Jens Reddeker

Altenbeken/Bad Driburg. Das Entsetzen in Altenbeken ist immer noch groß: In der Eggegemeinde hatten Schüler und Eltern ab Sommer auf eine neue Realschule gesetzt, doch der plötzliche Rückzieher des Kolping-Schulwerks lässt viele Menschen verzweifelt zurück. „Ich erhalte E-Mails, werde angesprochen und lese es im Internet – die Bürger verurteilen das Vorgehen des Kolping-Schulwerks", sagt Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (SPD). Die Gespräche waren vom Schulträger nach einem Jahr Vorarbeit abgebrochen worden. Verständnis fehlt auch Wessels selbst – und zwar für seinen Bürgermeisterkollegen Burkhard Deppe (CDU) aus der Nachbarstadt Bad Driburg. Wessels lässt in einer Presseerklärung verlauten, dass die Realschule durch Intrigen zu Fall gebracht worden sei – und diese Intrigen wurden nach seiner Ansicht in Bad Driburg gesponnen, um die Anmeldezahlen der dortige Gesamtschule nicht zu gefährden. Wessels nannte das Verhalten des Driburger Bürgermeister Deppe „feindselig". Das findet Deppe gar nicht lustig und ärgert sich „über den schlechten Stil". Er sagt: „Persönliche Beschimpfungen sind nicht die Art, wie man als Nachbarn miteinander umgeht." Die Vermutungen aus Altenbeken, Bad Driburg habe Druck auf das Kolping-Schulwerk ausgeübt, weist Deppe gegenüber der Neuen Westfälischen vehement zurück: „So etwas ist nicht passiert. Es war nicht nötig, Druck aufzubauen. Und wenn etwas anderes behauptet wird, ist das Kokolores." In Gesprächen, die er mit dem Kolping-Schulwerk geführt habe, sei es sogar auch um Kooperationsmöglichkeiten mit Altenbeken gegangen. „Immerhin waren beide Kommunen bis August 2017 noch Vertragspartner einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung für den Betrieb der Gesamtschule Bad Driburg", sagt der Mann aus dem Kreis Höxter. Der zugehörige Standort in Altenbeken war 2016 aufgelöst worden. Deppe ist sauer, dass seine Stadt von den Altenbekener Realschulplänen aus den Medien erfahren habe. „Wir haben auf einen Anruf von dort gewartet – aber der kam nicht." "Da sieht es dramatisch aus" Hans Jürgen Wessels sagt im Gespräch mit der NW, dass es noch vor einigen Wochen ein Angebot für ein klärendes Gespräch zwischen Kolping und beiden Kommunen gegeben habe, das habe Deppe aber nicht angenommen. Der Bad Driburger gibt zu, dass in seiner Stadt „natürlich Sorgen" über die Anmeldezahlen an der Gesamtschule bestehen, verkündet aber: „Wir werden die Kurve kriegen." Die Lage an der Driburger Gesamtschule bewertet Wessels anders: „Da sieht es dramatisch aus." Die Hoffnung auf eine weiterführende Schule in seiner Gemeinde gibt Wessels nicht auf. Er setzt auf Elterninitiative, und nennt als Beispiel das sauerländische Rüthen, wo es so zur Gründung einer Sekundarschule kam.

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