Wirbeln ordentlich Staub auf: Beim Stockcar-Rennen freuen sich die Zuschauer über Action und jede Menge Dreck. Fotos: Svenja Ludwig - © Svenja Ludwig
Wirbeln ordentlich Staub auf: Beim Stockcar-Rennen freuen sich die Zuschauer über Action und jede Menge Dreck. Fotos: Svenja Ludwig | © Svenja Ludwig

Altenbeken Röhrende Motoren beim Stockcar-Rennen in Schwaney

Auto-Action im Schlamm: Hunderte Zuschauer fiebern beim Acker-Rodeo in Schwaney mit. Zum ersten Mal geht dabei auch ein reines Frauenfeld an den Start

Svenja Ludwig

Altenbeken-Schwaney. Röhrende Motoren, benzingeschwängerte Luft, spritzender Schlamm – kurzum, ein Sinnesfest für Motorsportbegeisterte: Das Stockcar-Rennen in Schwaney zog am Samstag mehrere hundert Zuschauer in seinen Bann. „Allein die Geräuschkulisse löst bei mir Begeisterung aus", schwärmt Besucherin Anja Austermann. Die Faszination hinter den betagten Gebrauchtwagen ist schnell erklärt. „Man kann auch aus Schrott noch was machen", erläutert Matthias Heinemann, „und vor allem darf man auch mal was kaputt fahren". Man darf nicht nur, man soll sogar. Denn bei Stockcar-Rennen gehören Kollisionen und Rempler dazu. Das gefällt: „Das ist mein erstes Stockcar-Rennen und das Rammen ist schon cool", findet der Boker Thomas Berhorst. Auch Ingo Kloss aus Schwaney sieht „gute Rennaction". Umso mehr Wert wird auf die Sicherheit der Fahrer der insgesamt 27 Teams gelegt. „Alles an Glas und Kunststoff muss raus, genauso alles Brennbare", weiß Heinemann, der als Karosseriebauer nicht nur vom Fach ist, sondern sogar fünf selbstgebaute Wagen ins Rennen schickt. Eingebaut wird hingegen etwa ein so genannter Überrollkäfig, der bei Überschlägen schützt. Ein engmaschiges Gitter ersetzt die Windschutzscheibe. „Wenn man dem Feld voraus fährt, geht es mit der Sicht, ansonsten ist man die ganze Zeit dabei, das Helmvisier sauber zu wischen", berichtet der Schwaneyer. „Eigentlich mag ich keine Autorennen", gesteht Besucherin Kathrin Böddeker, trotzdem gefalle ihr das Schwaneyer Acker-Rodeo, „weil’s dreckig ist". Außerdem interessiere es nicht, wer gewinne, „sondern wie viel Erde spritzt und wer den nächsten Rempler kassiert, das ist das lustige dabei", sagt die Schwaneyerin. Der Motorsport ist längst keine Männerdomäne mehr. Und so feiert das reine Damenrennen beim Acker-Rodeo am Samstag seine überfällige Premiere. Im Fahrerfeld dabei ist Jana Freff. Wenige Minuten zuvor hat sie zum ersten Mal in einem Stockcar gesessen. „Es ist total irre", schwärmt die Biomedizin-Studentin, „man denkt, man ist superschnell, obwohl es von außen wahrscheinlich gar nicht so aussieht". Große Chancen rechnet sich Freff aber nicht aus. Dafür seien die Rivalinnen zu stark – unter anderem bekommt sie es auch mit Schwester Lea zu tun. Im silbernen Opel Astra klemmt sie sich zunächst an die Hinterräder ihrer Schwester, bis sie sie in der dritten Runde überholt. „Ich habe gemerkt, dass ich schneller bin", berichtet Freff. Nun an Position zwei lässt sie sich den Podestplatz nicht mehr nehmen. „Es ist ein Hammergefühl", jubelt die Schwaneyerin. Und da Schwester Lea Bronze holt, „können wir heute noch richtig feiern". Weniger rund lief es indes bei Martin Görmann vom Team Wernersens. „Ich schätze, der Motor ist hin", sagt er. In der neunten von zwölf Runden seines Rennens sei bei dem Passat der Kühlerschlauch abgerissen, „wahrscheinlich durch die Bodenwellen", meint der Schwaneyer reichlich bedient. Dabei ereilt dieses Schicksal am Ende fast jedes Vehikel. Nach den Rennen – beim eigentlichen Acker-Rodeo – gibt es für die Zuschauer noch einmal richtig Action zu sehen: Rasen, rammen, rempeln, bis nur noch ein Wagen fährt.

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