Erwischt: Eine Wildkatzte quert die Grünbrücke. - © Land NRW
Erwischt: Eine Wildkatzte quert die Grünbrücke. | © Land NRW

Altenbeken In Altenbeken ist das Regionalforstamt Wildkatzen auf der Spur

Neues aus der Katzenwelt

Jutta Steinmetz

Altenbeken. Eine schnurrende Katze, die sich zufrieden in einem Körbchen zusammengerollt hat, während im Hintergrund ein Kaminfeuer prasselt, ist fast ein Sinnbild für Winterzeit. Tatsächlich sind Hauskatzen solchen Bedingungen nicht abgeneigt, ihre wilden Verwandten aber haben jetzt Paarungszeit und sind entsprechend aktiv - auch im heimischen Eggegebirge. Dass da die Wildkatzen längst wieder zu Hause sind, davon liefern die Kameras auf der Altenbekener Grünbrücke immer wieder Beweise. Alle vier Wochen zieht Förster Fabian Treyse auf das stattliche Bauwerk, das mitten im Wald die stark befahrene Bundesstraße 64 überspannt. "Diese Besuche dürfen nur kurz sein", erklärt er, während er trotz kalter Hände flott die Chipkarten der Kameras austauscht. Denn allzu viel Menschliches sollte dort nicht von den feinen Nasen der Tiere erschnuppert werden. Sie sollen sich ungestört fühlen. Nur dann nämlich setzt beispielsweise die scheue Wildkatze ihre Pfötchen auf die Bücke - erstmals tat sie das übrigens 2014, wie ein Foto zeigte. Seitdem werden immer mal wieder Exemplare von Felis silvestris, wie sie im Fachjargon heißt, abgelichtet. "Die Wildkatze ist hier zu Hause", sagt Friederike Wolff. Die Försterin ist im Regionalforstamt Hochstift die Expertin für Wildkatze, Wolf und Luchs. Begeistert erzählt sie vom letzten Monitoring, also einer Art Volkszählung von Felis silvestris. Mit Hilfe von Lockstäben, die dank Baldrian für die Miezen unwiderstehlich waren, konnten im vergangenen Winter auf der Naturschutzfläche Egge/Nord zehn Individuen, genauer sechs Kater und vier Katzen nachgewiesen werden. Fast noch mehr freut sich Wolff aber über die neuesten Erkenntnisse aus dem Senckenberg Institut. Wenige Spuren im Schnee Dessen Forscher stellten fest, dass die Wildkatzen aus Nordrhein-Westfalen die geringste Durchmischung aufweisen, also nur in sehr wenigen Fällen Hauskatzen in ihren Stammbäumen haben. "Das bedeutet eine hohe Verantwortung für den Artenschutz der Wildkatze", sagt Wolff und verweist auf Schottland, wo es Felis silvestris schon längst nicht mehr gibt, sondern nur noch Blendlinge, wie man die gemeinsamen Nachkommen von Wild- und Hauskatze nennt. Die Försterin appelliert da an die Besitzer der Miezen, diese unbedingt kastrieren zu lassen, damit sie sich nicht mit ihren wilden Verwandten verpartnern. Denn auf Wiesen an Dorfrändern fühlen sich beide Arten superwohl. Dass das Senckenberg Institut so gute Nachrichten in Sachen Wildkatze verkünden kann, dazu hat auch die Grünbrücke beigetragen. Die stark befahrene Bundesstraße 64 ist für Menschen zwar praktisch, aber für viele Tiere ein gefährliches, wenn nicht sogar unüberwindliches Hindernis. Und so nutzt nicht nur Felis silvestris das mächtige Bauwerk, sondern viele andere Tiere gleichfalls. Das zeigen immer wieder die Wildkameras die sich am Scheitelpunkt der Brücke befinden - zwei rechts und links jeweils am Sichtschutz der Brücke und zwei in der Mitte. So kann kein Passant unbemerkt die Brücke benutzen - und er wird von allen Seiten erfasst. Gerade das findet das Friederike Wolff wichtig - "falls sich mal ein Luchs verläuft." Seine Fellzeichnung ist nämlich individuell "wie der Fingerabdruck des Menschen" und deshalb ist es notwendig, das Tier von allen Seiten zu betrachten, wenn man es identifizieren will. Von Kameras abgelichtet Ganz unwahrscheinlich ist es nämlich nicht, dass die Großkatze irgendwann von den Kameras auf der Brücke abgelichtet wird. Ein Luchs, der in Oerlinghausen zu Hause ist, wurde schon mehrfach nördlich der Grünbrücke gesehen, betreten hat er sie aber noch nie. Dafür aber reichlich Reh- und Rotwild, Wildsauen, Füchse und andere Waldbewohner, wie Fabian Treyse weiß. Er schaut sich nämlich die Aufnahmen an, bevor er sie zu einer Forschungsstelle des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nach Recklinghausen weiterleitet. Aber Rotwild und Co. sind bei weitem nicht alle Brückennutzer, wies Treyse und Friederike Wolff berichten. Auch Molche laufen über sie hinweg, um von einem Feuchtbiotop in ein anderes zu wechseln, und für Fledermäuse, aber auch kleine und größere Vögel sind ist sie eine wichtige Flugschneise über die Bundesstraße hinweg. Dass sich an diesem ruhigen Wintertag nur recht wenige Spuren im Schnee finden, liegt an "Friederike". Der heftige Wind hat das Gesicht vieler Wälder stark verändert. Das nehmen auch die Tiere wahr. Sie verharren deshalb zurzeit lieber noch in den gewohnten Einständen. Denn selbst Reh, Hirsch und Wildsau müssen sich an den neuen Anblick der Wälder erst gewöhnen. Wenn das geschehen ist, wandern sie wieder hin und her über die Brücke, suchen auf der anderen Seite nach Nahrung oder nach neuen Partnern, um die eigene Art zu erhalten.

realisiert durch evolver group