Zu drei Jahren und vier Monaten Haft wurde der Mann aus Altenbeken verurteilt. - © picture alliance / dpa
Zu drei Jahren und vier Monaten Haft wurde der Mann aus Altenbeken verurteilt. | © picture alliance / dpa

Altenbeken Stiefvater missbraucht elfjähriges Mädchen

Haftstrafe: Während die Richter dem jungen Opfer ohne Vorbehalt glaubten, stellte die Mutter ihre Tochter als Lügnerin dar.

Jutta Steinmetz

Altenbeken. Das Altenbekener Doppelhaus, in dem zwei Familien sehr vertraut mit einander lebten, war nur äußerlich eine Idylle.„Wir sind fassungslos, was sich in diesem Haus abgespielt hat", sagte der Vorsitzende der Jugendschutzkammer des Landgerichts Eric Schülke. Nachdem Anfang Januar Matthias H. (alle Namen geändert) vor allem wegen jahrelangen Missbrauchs seiner Stieftochter zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde, stand jetzt Dennis I. vor Gericht. Auch er hat in diesem Haus gelebt, auch er hat seine zur Tatzeit gerade erst elf Jahre alte Stieftochter missbraucht. Großes Leid für die Kinder Unter dem Dach des Hauses herrschte augenscheinlich viel Offenheit zwischen den beiden Familien, die dort lebten. Sehr wahrscheinlich mehr als vertretbar. „Es ging dort kreuz und quer", sagte eine Kripobeamtin zu den Zuständen. Für die Kinder alles andere als ein Spaß, sondern großes Leid. Einige von ihnen wurden Opfer sexueller Übergriffe. So wie 2016 die damals erst elf Jahre alte Ida. Die Schülerin berichtete, als die Ermittlungen gegen Matthias H. liefen, selbst missbraucht worden zu sein – von dem Nachbarn, aber auch einmal von Dennis I., dem eigenen Stiefvater. Eine Geschichte, die Matthias H. bestätigte. Er sei dazugekommen, als Dennis I. mit der Kleinen Geschlechtsverkehr gehabt habe, berichtete er zunächst den Ermittlern und später in seiner eigenen Gerichtsverhandlung. „Da habe ich gedacht, ich kann auch mal." Während H. sich mehrfach an dem Kind vergriff, ersparte Dennis I. seiner Stieftochter weitere Taten. Ida schwieg, aus Angst, erneut „einen Vater zu verlieren", wie sie im Verlauf der Ermittlungen erklärte. Erst in einem Chat offenbarte sie ihr Erlebnis – und beschrieb es danach detailliert zunächst der Polizei und dann vor Gericht. Richter glauben der Schülerin ohne Vorbehalt Während Dennis I. zu den Vorwürfen schwieg und die Mutter im Zeugenstand ihre Tochter als Lügnerin darstellte, glaubten die Richter der Schülerin ohne jeden Vorbehalt. Sie verhängten wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes drei Jahre und vier Monate Gefängnis. Ida habe den Übergriff konstant, „sehr eindrucksvoll, sehr überzeugend geschildert", sagte Schülke. Zuvor hatten die Richter die von Verteidigerin Stephanie Risse geforderte Einholung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens abgelehnt. Risse hatte unter anderem auf die Mutter verwiesen, die Kleine mehrfach der Lüge überführt haben wollte. Es sei erstaunlich, so Schülke, dass die Mutter mehr den Schutz des Angeklagten im Sinn gehabt hätte, als sich vor die eigene Tochter zu stellen.

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