Ein Altenbekener muss sich wegen Kindesmissbrauch vor dem Paderborner Landgericht verantworten. - © picture alliance / dpa
Ein Altenbekener muss sich wegen Kindesmissbrauch vor dem Paderborner Landgericht verantworten. | © picture alliance / dpa

Altenbeken Kindesmissbrauch: Altenbekener droht lange Haftstrafe

47-Jähriger soll den eigenen Sohn, eine Stieftochter und Kinder der Nachbarsfamilie sexuell missbraucht haben. Der Angeklagte gab unter Ausschluss der Öffentlichkeit einige der Taten zu, andere stritt er ab

Jutta Steinmetz

Altenbeken. Eigentlich muss es wie eine Idylle erschienen sein, das Haus in Altenbeken, in dem zwei Nachbarsfamilien ganz eng zusammen wohnten, die Kinder mit einander aufwuchsen. Doch für zwei Mädchen und mindestens einen Jugendlichen war es möglicherweise die Hölle. Denn Matthias H. (Name geändert) soll über Jahre hinweg zunächst seinem Sohn, dann seine Stieftochter und zuletzt die Tochter seiner Nachbarin sexuell missbraucht haben. Seit Ende Dezember versucht die Jugendschutzkammer des Landgerichts Paderborn diesen Fall zu klären. Kein einfaches Unterfangen, denn Oberstaatsanwalt Christoph Zielke hat über 660 Fälle aufgelistet. Einen Teil hat Matthias H. bereits am ersten Verhandlungstag in seiner Einlassung, die er unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgab, gestanden – nämlich die Übergriffe auf seine Stieftochter, die erstmals mit zehn Jahren sein Opfer wurde und die er immer wieder missbrauchte, bis sie ihre Periode bekam. An Nachbarsmädchen vergriffen Sich seit Ende 2014 immer wieder an dem heute 13 Jahre alte Nachbarmädchen vergriffen zu haben, gab der 47-Jährige ebenso zu – nicht aber die zahlreichen Taten, die ihm sein eigener Sohn vorwirft. Der heute 21-Jährige hatte am ersten Verhandlungstag kurz vor Weihnachten berichtet, dass er seit seinem sechsten Lebensjahr immer wieder seinem Vater sexuell zu Willen habe sein müssen – bis 2010. Mit ihrem Erleben blieben die Kinder allein. Ihre Mütter sagten einhellig vor Gericht aus, von den Vorfällen, die sich vor allem in den Bädern, dem Wohnraum und den diversen Kinderzimmern des Hauses zugetragen haben sollen, nichts gewusst zu haben. Erst als die 13-jährige Schülerin im Sommer über ihre Erlebnisse berichtet hatte, wurde das weitere Tatgeschehen offenbar. Immer wieder angefasst Jüngst kam zudem der Verdacht auf, dass Matthias H. einen weiteren Jungen aus dem Hause immer wieder sexuell motiviert angefasst hat. Auch dieses Kind sagte gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus und belastete augenscheinlich den Angeklagten mit seinen Schilderungen. Das Gericht sieht indes noch weiteren Klärungsbedarf. Am kommenden Freitag sollen, dem Antrag von Verteidiger Jann Henrik Popkes entsprechend, die Stieftochter von Matthias H. und sein leiblicher Sohn nochmals gehört werden sowie weitere Zeugen, die gleichfalls in dem Altenbekener Haushalt lebten. Anschließend soll sich der psychiatrische Gutachter Michael Hintersdorf zur Schuldfähigkeit von Matthias H. äußern. Dem Altenbekener droht eine langjährige Gefängnisstrafe.

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