Ein Mann aus Altenbeken muss sich sich wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Paderborner Landgericht verantworten. - © picture alliance / dpa
Ein Mann aus Altenbeken muss sich sich wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Paderborner Landgericht verantworten. | © picture alliance / dpa

Paderborn/Altenbeken Sexueller Missbrauch: Mann aus Altenbeken werden mehr als 600 Taten vorgeworfen

Der 47-Jährige soll sich jahrelang an seinem Sohn, seiner Stieftochter und einem Mädchen aus der Nachbarschaft vergriffen haben. Gericht hat drei Prozesstage angesetzt

Jutta Steinmetz

Paderborn/Altenbeken. Oft ist die Rede davon, dass hinter geschlossenen Türen viel Unrecht geschehe – gerade innerhalb von Familien. So wie möglicherweise im Hause von Matthias H. (alle Namen geändert). Er soll über Jahre hinweg immer wieder Kinder aus der eigenen Familie, aber auch die Tochter einer Nachbarin sexuell missbraucht haben. Seit Donnerstag muss sich der 47-Jährige vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Paderborn verantworten. Über 660 Taten hat Oberstaatsanwalt Christoph Zielke aufgelistet. Demnach hat sich der Altenbekener seit 2002 mehrere Jahre lang regelmäßig an seinem eigenen Sohn Sven vergriffen, seit 2009 über 50 Mal an seiner damals zunächst nicht einmal elf Jahre alten Stieftochter Jenni und schließlich seit 2015 an der zehn Jahre alten Tochter der Nachbarin. Ein Teil der Taten eingeräumt Als dieses Mädchen im Sommer seine Erlebnisse öffentlich machte, berichteten auch der heute 21-jährige Sven und seine zwei Jahre jüngere Halbschwester von ihren belastenden Kindheitserlebnissen. Einen Teil der Taten räumte Matthias H., der seit Anfang Juli in Untersuchungshaft sitzt, am ersten Verhandlungstag ein – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn sein Verteidiger Jann Henrik Popkes hatte zuvor zu bedenken gegeben, dass das Sexualleben seines Mandanten bei dessen Einlassung eine zentrale Rolle spielen werde, allerdings als schutzwürdig zu gelten habe. Das Gericht folgte diesem Antrag, ließ aber nach der Aussage des Angeklagten die Öffentlichkeit wieder zu. Matthias H. habe einen großen Teil der Taten gestanden, sagte die Vorsitzende anschließend. Er stehe weitgehend zu den Übergriffen auf die jungen Mädchen, streite aber ab, jahrelang den eigenen Sohn missbraucht zu haben. Warum sich sein Vater auf diese Weise zu den umfangreichen Vorwürfen einließ, das konnte Sven H. nicht erklären. Er wiederholte aber – teilweise abweichend von seiner polizeilichen Aussage aus dem Sommer dieses Jahres – die Vorwürfe, schilderte sein jahrelanges Schweigen und Verdrängen. Alles wieder hochgekommen „Man hat Angst, dass man dadurch etwas kaputt macht", erklärte er die Tatsache, dass er sich noch nicht einmal der eigenen Mutter hatte anvertrauen können. Als jedoch im Sommer das Nachbarmädchen ihre Erlebnisse offen schilderte und auch zur Anzeige brachte, sei alles wieder hochgekommen. Ebenso auch der Bericht seiner Halbschwester. „Ich habe alles verdrängt, weil es so wehtat", sagte die 19-Jährige und erzählte von ihrer kindlichen, aber quälenden Angst, schon mit zwölf Jahren schwanger vom eigenen Stiefvater zu sein. Matthias H. habe immer wieder beteuert, sie „ganz doll lieb" zu haben. Damit habe er auch die sexuellen Übergriffe gerechtfertigt, die endeten, als das Mädchen seine Periode bekam. Die Jugendschutzkammer unter dem Vorsitz von Margret Manthey hat noch zwei weitere Verhandlungstage angesetzt, um das gesamte Ausmaß des Falles zu klären. Bereits am 2. Januar findet der erste Fortsetzungstermin statt.

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