Lübbecker Land Verlässliche Information ist wertvoll - und hat ihren Preis

Frank Hartmann
Lokalseite 1 der NW Lübbecke vom 27. Mai 2017 - © NW
Lokalseite 1 der NW Lübbecke vom 27. Mai 2017 | © NW

Heute schon die NW gelesen? Nee, zu teuer.

Ich weiß nicht, ob dieser erfundene Dialog tatsächlich so beginnen würde. Vorstellen könnte ich mir es, nachdem, was ich kürzlich mit einer Frau in der Redaktion erlebt habe. Die Dame kam überraschend in mein Büro und bat darum, dass ich ihr einen bestimmten Artikel ausdrucke. Es ging um einen Text, der für ihren Sohn von "besonderem Interesse" sei.

Warum auch immer: Ich habe eine Viertelstunde lang in unserem elektronischen Textarchiv nach bestimmten Stichwörtern und möglichen Verknüpfungen gesucht - aber erfolglos. Je länger meine Suche dauerte, um so fordernder und verständnisloser trat die Besucherin auf. Bis ich ihr schließlich den Vorschlag machte, sie könne doch die ganze Ausgabe mit dem besagten Originaltext unten in der Geschäftsstelle kaufen. Die Einzelausgabe der Neuen Westfälischen kostet 1,90 Euro.

Weniger wert als eine Tasse Kaffee?

Keine Chance. Die Dame rauschte unzufrieden aus dem Büro und auch aus der Geschäftsstelle, wie mir die Kollegen später erzählten. Das heißt dann wohl, der für ihren Sohn so wichtige Artikel war ihr keinen Euro und neunzig Cent wert.

Ich habe sie natürlich nicht gefragt. Aber es würde mich schon interessieren, warum sie nicht bereit war, für ein von vielen qualifizierten Menschen täglich erstelltes Produkt, das sehr viele Informationen enthält, zu bezahlen. Oder anders herum: Warum ihr eine Zeitungsausgabe weniger wert ist als eine Tasse Kaffee, ein Stück Torte oder ein belegtes Brötchen. Die sind, bei aller Wertschätzung, vergleichsweise schnell und günstig hergestellt. Und können weder nasse Schuhe von innen trocknen, noch als Malerhut die Haare vor herabtropfender Deckenfarbe schützen, noch Geschirr beim nächsten Umzug bruchsicher umhüllen.

Es gibt keine verlässliche Alternative

Aber im Ernst: Wenn ich über die Alternativen zu aktuellen, geprüften, bearbeiteten, verlässlichen Informationen aus dem Lübbecker Land nachdenke, fällt mir außer der Lokalzeitung keine ein. Gerüchteküche, Twitter, lokale Facebookgruppen? Bestimmt nicht.

Es ist immer wieder erschreckend, wie uninformiert ich manche Bürger erlebe - auf Informationsabenden, bei Einwohnerfragestunden vor Ratssitzungen, in Mails an die Lokalredaktion ... Ich frage mich dann: Lesen die keine Zeitung? Wir haben doch schon 'zig Mal darüber berichtet! Im Blatt, das man ja auch digital als E-Paper lesen kann, auf nw.de, auf unserer Facebook-Seite "NW Lübbecke" und in der Facebook-Gruppe "Du lebst schon lange in Lübbecke, wenn ...".

Wer nicht bereit ist, für verlässliche Information etwas zu bezahlen, ist schnell abgeschnitten vom Informationsfluss. Ich meine vom echten, nicht vom Dauerrauschen der Fake-News, die Menschen in die Irre führen, manipulieren, zum Spielball bestimmter Interessensgruppen machen. Leider auch in Lübbecke und Umgebung.

Wir gehen "Lügenpresse"-Schreiern nicht auf den Leim

Obwohl auch wir nicht alles wissen (können), schützt die Lokalredaktion vor solchen Entwicklungen. Wir sind der Filter, die Prüfstelle, die kritische Kontrollinstanz, bevor wir eine Information an die Öffentlichkeit weitergeben. Dass das manchen Menschen, Gruppen und Parteien nicht passt, zeigt nur, dass sie um ihren Einfluss fürchten. Allen voran die Pegida-Schreihälse, die versuchen, unabhängige Medien mit Begriffen wie "Lügenpresse" zu diskreditieren. Weil wir es sind, die Ihnen nicht auf den Leim gehen, sondern kritisch hinterfragen. Das ist natürlich unbequem und passt denen nicht. Gut so.

Und warum fallen wir nicht auf Klatsch und Tratsch und böswillig gestreute Gerüchte herein? Genau, weil wir Lokalredakteure von Berufs wegen skeptisch und kritisch sind und uns erst einmal umfassend informieren, bevor wir eine Behauptung als Tatsache anerkennen - und erst dann veröffentlichen. Oder unsere immer noch bestehenden Zweifel im Text kenntlich machen.

Dieses Vorgehen macht die Informationen in der NW Lübbecke verlässlich und damit wertvoll. Und deshalb ist sie nicht zu verschenken, sondern hat ihren Preis. Übrigens: Man kann die NW sehr gut bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Torte oder einem belegten Brötchen durchblättern - und lesen.

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