Vergangenheit trifft Gegenwart: Für die Sonderausstellung im Heimathaus hatten Karin Klanke (l.) und Veronika Gude Tischwäsche und Geschirr aus mehreren Jahrzehnten zusammengestellt. Auch die Porzellanserie mit Goldrand, die es noch heute in vielen Familien gibt, gehört dazu. - © Sonja Rohlfing
Vergangenheit trifft Gegenwart: Für die Sonderausstellung im Heimathaus hatten Karin Klanke (l.) und Veronika Gude Tischwäsche und Geschirr aus mehreren Jahrzehnten zusammengestellt. Auch die Porzellanserie mit Goldrand, die es noch heute in vielen Familien gibt, gehört dazu. | © Sonja Rohlfing

Stemwede Festlich gedeckte Tafel gehört zu Weihnachten

Eine Hauptrolle spielt dabei das Porzellangeschirr. Trends wandelten sich

Sonja Rohlfing

Stemwede-Levern. Weihnachten, das ist das Fest der Liebe und der geschmückten Wohnungen. Zu keiner anderen Jahreszeit wird so viel dekoriert. Dementsprechend wird auch der Tisch für das Weihnachtsfestessen mit der Familie prächtig gedeckt - und das schon seit Jahrhunderten. Dazu gehört neben hübschen Gläsern und schönem Besteck ein ansprechendes Geschirr aus Porzellan. Selbst die bekannte Kochbuchautorin Henriette Davidis, die um 1850 in Levern für einige Jahre die Küche des Gasthofs "Zur grünen Linde" (heute "Altes Amtshaus") führte, gab diverse Hinweise und Empfehlungen fürs Tischdecken. In ihrem "Praktischen Kochbuch" schreibt die 1801 an der Ruhr als zehntes von dreizehn Kindern geborene Tochter des Pfarrers Ernst Heinrich Davidis: "Auf das Decken des Tisches sollte immer Sorgfalt verwendet werden. Auch den Mitgliedern der Familie ist es die Hausfrau schuldig, dass der Tisch ein nettes und freundliches Aussehen zeigt." Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war Porzellan in Europa nur an den Fürstenhöfen verbreitet. Sie ließen es zu horrenden Preisen aus China importieren. August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen gab schließlich den Auftrag das Herstellungsgeheimnis zu entschlüsseln. Beteiligt waren Johann Friedrich Böttger, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, der Freiberger Bergrat Gottfried Pabst von Ohain und weitere fachkundige Berg- und Hüttenleute. 1708 gelang es, das erste europäische Hartporzellan zu erzeugen. 1710 nahm die Porzellan-Manufaktur Meissen den Betrieb auf. Wie sich das "Tischdecken" gewandelt hat, zeigte kürzlich das Team des Heimathauses Levern. Für die Sonderausstellung "Tischlein, deck? dich" anlässlich des Leverner Weihnachtsmarkts hatten Karin Klanke und Veronika Gude vom Heimatverein Teile der umfangreichen Sammlung des Heimathauses sowie einzelne Leihgaben aus verschiedenen Jahrzehnten zusammengestellt. Deutlich machten Tischwäsche, Geschirr und Gläser, dass auch unsere Großmütter und Mütter großen Wert auf eine schön und liebevoll gedeckte Kaffee- und Mittagstafel legten. Der Stellenwert eines hochwertigen Porzellans sei inzwischen geringer geworden, stellt Birgit Grewe vom Haushaltswarengeschäft Westerkamp in Levern fest. "Von jungen Leuten wird es kaum noch nachgefragt. Sie sind bei der Einrichtung noch nicht so festgelegt und kaufen lieber etwas Günstiges." Erst wenn sie ein paar Jahre eine eigene Wohnung hätten, dann entstehe oftmals der Wunsch nach etwas Hochwertigerem. Dass ein Porzellangeschirr für zwölf oder mehr Personen gesammelt werde wie vor Jahren, das gebe es kaum noch. "Der Anteil ist verschwindend gering", berichtet Birgit Grewe. "Allerdings sind die auch Serien schnelllebiger geworden. Wenn etwas nicht läuft, ist es rasch wieder aus dem Programm", weiß die Verkäuferin. "Eine Nachkaufgarantie wie früher gibt es nicht mehr." So wie es einige Hersteller inzwischen nicht mehr gibt. "Da sind schon einige rausgerutscht", merkt Birgit Grewe an. Im Trend seien derzeit schlicht weiße Serien mit ausgefallenen Formen. Die Klassiker wie "Winterling blau", "Wildrose" oder "Petit Fleur" gebe es jedoch immer noch. Und wie sieht ihr privater Tisch an Weihnachten aus? "Er wird besonders gedeckt, mit dem guten Geschirr, schönen Servietten und einer schönen Deko." Schlicht weiß und modern in der Form ist ebenfalls das Geschirr zum Weihnachtsbuffet im "Rila erleben"-Restaurant Rotondo. "Wir haben ganzjährig unser hochwertiges Geschirr", erklärt Restaurantleiter Martin Stöckel. Festlich werden die Tische durch als Tannenbaum gefaltete Servietten in dezentem weinrot und dunkelgrün. Ein weißes Tischtuch, ein kleiner Weihnachtsbaum und Weihnachtskugeln auf jedem Tisch ergeben zusammen mit Gläsern sowie akkurat arrangiertem Vor- und Hauptspeisen-Besteck ein stimmiges Ensemble. Und wie halten es die Frauen vom Heimathaus? "Ich nehme das Geschirr mit Goldrand meiner Mutter", verrät Veronika Gude. "Wir halten es wie Henriette Davidis und decken für unsere Familien den Tisch festlich", ergänzt Karin Klanke.

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