Alt, schmal und schwach im Unterbau: Zahlreiche gemeindliche Straßen in Stemwede wie hier zwischen Destel und Twiehausen sind den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Nicht überall gibt es aber große Löcher wie an diesem Weg, was aus der richtigen Perspektive schon fast an einen Steinbruch erinnert. Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| - © Joern Spreen-Ledebur
Alt, schmal und schwach im Unterbau: Zahlreiche gemeindliche Straßen in Stemwede wie hier zwischen Destel und Twiehausen sind den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Nicht überall gibt es aber große Löcher wie an diesem Weg, was aus der richtigen Perspektive schon fast an einen Steinbruch erinnert. Fotos: Joern Spreen-Ledebur|| | © Joern Spreen-Ledebur

Stemwede Wegekonzept: Stemweder Verwaltung in der Kritik

Betriebsausschuss: Bei der Diskussion über den Entwurf des Wegekonzeptes vermissen Bürger und Politik Karten. Die wurden nicht gezeigt, deshalb platzte die Beratung

Joern Spreen-Ledebur

Stemwede. Der Zeitplan war schon sportlich und nun wird es ziemlich eng: Bis Mitte November muss ein Wegekonzept vom Stemweder Rat beschlossen sein, wenn die Gemeinde dafür noch Zuschüsse vom Land kassieren will. Ob im Rat am nächsten Mittwoch, 15. November, tatsächlich abgestimmt wird und ob es eine Mehrheit für den Konzept-Entwurf der Firma Sweco gibt, das ist seit gestern Abend offen. Im Betriebsausschuss wurde die Beratung gestern Abend abgesetzt: Die Verwaltung sah sich nicht in der Lage, Karten zu zeigen, auf denen die Bürger weitere Infos zur künftigen Klassifizierung von Straßen hätten sehen können. »Dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein« Auch die Vertreter des Gutachterbüros Sweco zierten sich: Für je ein Drittel der Gemeinde habe man bei den Straßen zwei bis vier Stunden für die Erläuterungen gebraucht. Zudem seien sie zu der Betriebsausschuss-Sitzung eingeladen worden, um Zahlen zu präsentieren. Man wolle die Bürger informieren - aber erst dann, wenn der Rat das Konzept verabschiedet habe, merkten die Sweco-Vertreter gegenüber dem Ausschuss an. Danach sah Ausschuss-Vorsitzender Andreas Weingärtner (CDU) keinen Sinn darin, weiter über das Thema zu beraten. Ob das nächste Woche im Rat möglich sei und ob es eine Mehrheit gebe, das sei aus seiner Sicht offen. "Dann muss man sehen, wie man nächste Woche damit umgeht", sagte der Christdemokrat. Die vielen Gäste verließen daraufhin die Begegnungsstätte in Wehdem. Manche schüttelten nur mit dem Kopf, andere kritisierten, dass ihnen die Karten vorenthalten würden. Andere Besucher sprachen von "das ist Schilda". Es gebe zwischen Sweco und der Verwaltung offenbar ein Kommunikationsproblem, merkte Weingärtner an. Im Ältestenrat habe es geheißen, dass keine weitere Bürgerbeteiligung geben solle und deshalb der Betriebsausschuss für die Information der Bürger genutzt werden solle - inklusive der Vorstellung der Karten. Das sei von der Verwaltung offenbar nicht sauber an Sweco weiter gegeben worden. Die Karten könnten den Bürgern auch später gezeigt werden, merkten die Sweco-Vertreter an. "Dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein", sagte dazu Andreas Weingärtner. Öffentlich sei doch zu der Sitzung eingeladen worden - mit dem Hinweis, dass die Bürger beteiligt werden sollten. Paul Lahrmann (SPD) deutete an, dass nicht über die Präsentation der Straßenkarten gesprochen worden sei. "Für heute war eine andere Vorgehensweise besprochen", widersprach ihm Weingärtner. "Dass man sich daran heute nicht erinnern kann, finde ich schon witzig." Ähnlich wie Weingärtner sah das auch Jürgen Lückermann (FWG). In der Bevölkerung gebe es Fragen, wollte auch Lückermann die Karten gezeigt bekommen. "Wann wollen wir die Fragen beantworten? Hinterher? Das kann es doch nicht sein", kritisierte der FWG-Ratsherr die Verwaltung. Die Karten gehörten dazu, forderte Lückermann. "Die Leute wollen wissen, wie es künftig in ihrer Umgebung aussieht." Zu diesen kritischen Anmerkungen aus der Politik äußerte sich Bau-Fachbereichsleiterin Birgit von Lochow gestern Abend nicht. Zuvor hatte Weingärtner bereits scharfe Kritik daran geübt, dass Karten, die für die Beratungen vor Ort hilfreich gewesen wären, "nur widerwillig und als vertraulich" herausgegeben worden seien. Solle aber die Öffentlichkeit beteiligt werden, dann gehe es nicht mit so einer Verschwiegenheit. Weingärtner: "So kann man die Bürger nicht mitnehmen." Welche einzelnen Straßen wie klassifiziert werden, erfuhren die Gäste gestern Abend folglich nicht. Sie hörten, dass 75 Kilometer kommunale "Autobahn" (Klasse B 1) bestens unterhalten werden sollen, weitere rund 200 Kilometer Hauptverbindungsstraßen (Klasse B 2) nur eingeschränkt - was auf Dauer zu weniger Komfort führe. Wegeverband nur für die Wege der C-Klasse zuständig Was eingeschränkte Pflege bedeutet und wie viele Kilometer anderer Straßen auf B 1-Standard ausgebaut werden müssten, weil B 1 der Standard für alle Straßen mit öffentlichem Busverkehr sein soll - dazu erhielten die Gäste der Sitzung gestern Abend keine Informationen. Der weitaus größte Teil des rund 630 Kilometer langen außerörtlichen Wegenetzes ist C-Klasse, also überwiegend für die Landwirtschaft. Hier solle kaum noch gepflegt werden, die Klasse C 2 gar nicht mehr. "Das", so sahen es die Sweco-Vertreter, "ist der Schlüssel für ein bezahlbares Wegenetz." Die Sweco-Vertreter ließen allerhand Zahlen sprechen, mahnten zur schnellen Verabschiedung des Konzepts und dessen konsequenter Umsetzung. Sie empfahlen auch, einen Wegezweckverband zu gründen - am besten drei Verbände, einen für jeden ehemaligen Stemweder Bezirk. Die Wegezweckverbände, schränkten die Gutachter allerdings ein, wären nur für Wege der C-Klasse zuständig, nicht für die B-Klasse.

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