Unwissenheit: Viele Schüler, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, wissen nicht was zum Beispiel hinter dem Beruf der Fachkraft für Lagerlogistik steht und bewerben sich deswegen erst gar nicht. - © Nadine Brodmann
Unwissenheit: Viele Schüler, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, wissen nicht was zum Beispiel hinter dem Beruf der Fachkraft für Lagerlogistik steht und bewerben sich deswegen erst gar nicht. | © Nadine Brodmann

Kreis Minden-Lübbecke Ausbildungsplätze: „Viele haben falsche Vorstellungen“

Besonders Ausbildungsberufe, die körperliche Arbeit voraussetzen, leiden unter Attraktivitätsverlust. Viele Ausbildungsberufe sind nicht bekannt. Das Problem hat auch das Unternehmen LSM aus Stemwede

Angelina Kuhlmann

Kreis Minden-Lübbecke. Die Sache mit den Zahlen über die Berufsausbildung im Kreis ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite steht die Anzahl der Bewerber und auf der anderen die verfügbaren Ausbildungsstellen. „Schaut man sich nur die Zahlen an, dann haben wir eine Abdeckung von fast 100 Prozent", sagt Frauke Schwietert, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Herford. Lokales Beispiel Sie sitzt zusammen mit ihrer Pressesprecherin Janine Billerbeck an einem Tisch in der Firma von Mike Möller in Stemwede-Twiehausen. Möller leitet seit einigen Jahren den an der Twiehauser Straße ansässigen LSM Event- und Messeservice. Mit der Personalverantwortlichen Viviane Reimer sitzt er den Frauen von der Arbeitsagentur gegenüber. Dass die augenscheinliche 100-prozentige Abdeckung in der Realität nicht gegeben ist, zeigt die wiederkehrende Situation des Unternehmens, wenn es um die Besetzung der Ausbildungsstellen geht. Unbeliebte Berufe Das Unternehmen bietet drei Ausbildungsberufe an: den zur Veranstaltungskauffrau und zum Veranstaltungskaufmann, zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik und zur Fachkraft für Lagerlogistik. „Der erste ist sehr beliebt", sagt Viviane Reimer. Bis jetzt habe es nie Probleme gegeben, die freien Plätze mit Bewerbern zu besetzen. Anders sei das aber bei den beiden anderen Ausbildungsplätzen. Vor allem die Besetzung einer angehenden Fachkraft für Lagerlogistik sei kaum noch möglich.  „Hier ist es wirklich schwierig. Wenn es hinkommt, haben wir zwei bis drei Bewerbungen im Jahr", sagt Reimer. Viele hätten falsche Vorstellung davon, was diesen Beruf eigentlich ausmacht. „Wenn wir über den Ausbildungsmarkt berichten, können wir nur eine Gesamtschau geben", erklärt Frauke Schwietert. Deswegen seien Gespräche mit Firmen wie LSM sehr wichtig, um zu sehen, in welchen Bereichen es hakt. Die Agentur für Arbeit versuche dann als Vermittler zu agieren. Unbesetzte Stellen So wie dem Eventservice geht es auch anderen Unternehmen mit ihren Ausbildungsplätzen. 2017 gab es im September im Kreis Minden-Lübbecke 45 unbesetzte Berufsausbildungsstellen. Im Jahr davor waren es sogar 105. Oft handle es sich bei den unbesetzten Stellen um solche wie der der Fachkraft für Lagerlogistik. „Das ist natürlich ein handwerklicher und körperlicher Beruf. Viele Jugendliche haben da absolut kein Interesse dran", sagt Viviane Reimer über ihre Erfahrungen. Die üblichen Vorstellungen zum Beruf des Lagerlogistikers seien jedoch oft falsch. „Wir haben kein riesiges Lager hier", sagt Mike Möller. Es sei kein üblicher Speditionsjob, sondern es ginge um die Organisation des Veranstaltungsequipments, Qualitätschecks und Systemkontrolle. Darüber hinaus bieten sich in einem Unternehmen wie LSM viele flexible Möglichkeiten. Veranstaltungen werden dort von Anfang bis Ende im Team geplant und niemand säße in einem abgeschotteten Bereich. „Man kommt raus und man kommt auch rum bei uns", so Möller. Jedoch seien die Arbeitszeiten in diesem Bereich natürlich speziell. Trotz der schlechten Bewerbungslage werde dann aber doch nicht einfach irgendwer eingestellt: „Wenn jemand sagt ,Ich mache das nur, weil ich nichts anderes machen kann‘, dann wird da niemand mit glücklich." Für seinen Beruf müsse man schon brennen, sagt Möller. Der Zugang zur Ausbildung sei in seinem Unternehmen alles andere als eingeschränkt: „Es gibt keine feste Grenze, was den Schulabschluss angeht." „Berufe wie eben Veranstaltungskaufmann oder -frau sind für Jugendliche viel attraktiver. Büroarbeit ist ,in‘, Ausbildungsberufe, die körperliche Arbeit voraussetzen, leiden unter Attraktivitätsverlust, insbesondere das Handwerk hat hier Probleme. Hinzu kommt dann noch, dass die meisten nur einen Bruchteil der 350 Ausbildungsberufe kennen. Hier versuchen wir nachzuhelfen", erklärt Schwietert den Grund für die Besetzungsschwierigkeiten der Stellen.

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