Kennt hier jeden Quadratmeter: Kai Hormann kurz vor Sonnenuntergang im Großen Torfmoor. Für den Naturfotografen beginnt die Zeit der guten Bilder, wenn andere Menschen zurück zu ihren Autos gehen. "Wenn die Sonne weg ist, wird es erst richtig schön", sagt Hormann. - © Tyler Larkin
Kennt hier jeden Quadratmeter: Kai Hormann kurz vor Sonnenuntergang im Großen Torfmoor. Für den Naturfotografen beginnt die Zeit der guten Bilder, wenn andere Menschen zurück zu ihren Autos gehen. "Wenn die Sonne weg ist, wird es erst richtig schön", sagt Hormann. | © Tyler Larkin

Lübbecke Serie: Der Lieblingsort von Kai Hormann ist das Große Torfmoor

Serie "Mein Lieblingsort": Der beste Ort im Lübbecker Land liegt für den Fotografen Kai Hormann fast vor seiner Haustür - das Große Torfmoor

Stefan Boes

Lübbecke. Dieser Ort hat große Anziehungskraft. Das Moor ist ein faszinierender Lebensraum, ein Stück unberührter Natur. Zumindest erscheint es so. In Wirklichkeit ist Moorlandschaft immer in Bewegung - durch natürliche Prozesse, aber auch durch menschliche Eingriffe. Stichworte Entwässerung, Torfabbau, Renaturierung. Dass das Naturschutzgebiet Großes Torfmoor, gelegen zwischen Lübbecke und Hille, einem ständigen Wandel unterliegt, das weiß vielleicht kaum jemand so gut wie Kai Hormann. Er ist hier praktisch aufgewachsen. "Als kleiner Junge bin ich schon hier herumgerannt." Einmal sei er mit seinem Bruder sogar in einem Schlauchboot über die Moortümpel gefahren, erzählt er. Kai Hormann, Industriemechaniker und Amateurfotograf aus Nettelstedt, kann viel erzählen über die Zeit am Moor. Immer wieder, mindestens einmal in der Woche, kommt er hier her. Immer mit der Kamera. "Ohne fühle ich mich nackig." Seine Aufnahmen sind keine Schnappschüsse, sondern komponierte Bilder, die er zur richtigen Zeit am richtigen Ort entstehen lässt. Hunderte Fotos, die er hier aufgenommen hat, zeigt er in der Galerie seiner Webseite. Beeindruckende Bilder. Wie man dieses Licht hinbekommt? "Indem man auf dieses Licht wartet." Kai Hormann harrt nicht selten stundenlang hier aus. Das Warten auf den richtigen Moment hat hier aber nichts mit Langeweile zu tun. "Licht und Stimmung am Moor wechseln ständig" Je länger man da ist, desto mehr lässt sich entdecken, desto mehr kommt man in die Lage zu erkennen, was in der Pflanzen- und Naturwelt vor sich geht. Oder, wie sich Wetter minutenschnell ändern kann. Dafür ist Kai Hormann ein Experte geworden. Egal ob Tag oder Nacht, Regen oder Schnee, morgens oder abends - "das Moor bietet ständig neue Ansichten und Stimmungen", sagt Hormann. Der komplexe und vielfältige Lebensraum Großes Torfmoor, auch Hiller Moor genannt, ist für ihn ein Ort zum Entspannen. Hier herrscht ein anderer Rhythmus, der Rhythmus der Natur. "Man kann hier seinen Gedanken nachhängen", sagt Hormann. Oft sei es vorgekommen, dass manche Dinge für ihn im neuen Licht erscheinen, wenn er zurück nach Hause fährt. Das kann übrigens spät werden. Während andere Besucher bereits in ihre Autos steigen, packt Hormann gerade seine Kameraausrüstung aus. "Viele denken, wenn die Sonne untergegangen ist, ist es vorbei. Aber oft wird es dann erst richtig schön", weiß der Fotograf. Er beobachtet dann, wie sich die Farbe der Wolken rötlich färbt und die Umgebung in ein besonderes Licht getaucht ist. Selbst nachts ist Kai Hormann im Moor unterwegs. Dann ist es stockdunkel, "weil das Moor eins der wenigen Gebiete ist, das ganz frei von Beleuchtung ist." Doch das Auge gewöhne sich an die Dunkelheit, dann sieht man auch bei Mondlicht. Während Kai Hormann von seinen Aufenthalten am Moor berichtet, zeigt sich wieder einmal die Unvorhersehbarkeit der Natur. Am Himmel erscheint von Weitem ein Schwarm Vögel. Als die Tiere mit ihren trompetenartigen Rufen zu hören sind, ist klar, es sind Kraniche, die jetzt zurück aus dem Süden kommen. In Abständen von wenigen Minuten fliegen gleich mehrere Schwärme über das Moor. Sie entschieden sich aber weiterzuziehen. Nur wenige Kranichpaare brüten im Großen Torfmoor. Wenn die ziehenden Kraniche schon nicht hier bleiben wollen - immerhin hat Kai Hormann sie vor die Linse bekommen. So einen Moment muss man einfangen.

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