1926 erbaut: Der Turm bildet den Hintergrund für die Vorführungen an der Freilichtbühne, wird aber auch mit einbezogen. - © Tyler Larkin
1926 erbaut: Der Turm bildet den Hintergrund für die Vorführungen an der Freilichtbühne, wird aber auch mit einbezogen. | © Tyler Larkin

Lübbecke Hünenbrinkturm: NW-Leser zeigt seinen Lieblingsort

Der schönste Platz im Lübbecker Land ist für Andreas Zelle oben im Hünenbrinkturm. Er wurde von den Mitgliedern der Freilichtspiele Nettelstedt erbaut

Stefan Boes

Lübbecke. Von unten Theaterkulisse, von oben eine Aussichtsplattform mit Blick weit in den Norden. Für Andreas Zelle ist der zwanzig Meter hohe Turm hinter der Freilichtbühne in Nettelstedt ein ganz besonderer Ort. Sein Lieblingsort. Ein Glück, dass er den Schlüssel für die versperrte Tür zum Turm hat. Der Eilhauser ist hauptberuflich in der Computertechnik bei Gauselmann tätig. Hobbymäßig ist er für die Bühnentechnik der Freilichtbühne zuständig. "Das sind schon ganz besondere Momente, wenn man nach einer Premierenfeier dort hoch gehen und den Sonnenaufgang beobachten kann", sagt er. Als Mitarbeiter der Freilichtbühne kennt er den Turm und seine Geschichte. Gebaut wurde er im Jahr 1926. Er ist kein Überbleibsel einer alten Burg- oder Wehranlage, sondern wurde von der Spielgemeinde der Freilichtbühne erbaut, die sich 1923 gegründet hatte. "Der Turm wurde als Umkleideraum und Kulissenlager genutzt und ist immer wieder in die Stücke einbezogen worden", sagt Andreas Zelle. Sogar Glocken wurden angeschafft, 1929, als der Turm vollendet wurde. Am 1. Juli 1929 kamen die drei Glocken auf dem Lübbecker Güterbahnhof an. Gründer der Freilichtspiele hat sich für den Kauf der Glocken eingesetzt Der damals 40-jährige Karl Meyer-Spelbrink, Gründer der Freilichtspiele, hatte sich für den Kauf der Glocken eingesetzt, wie in den Nettelstädter Blättern aus dem Jahr 1954 nachzulesen ist: "Was mich schließlich trieb, den Kauf auf eigene Verantwortung zu wagen, waren vielfältige Gedanken. Ich dachte, wenn auf dem Hünenbrink Dichterworte zu vielen 1.000 Menschen gesprochen haben und am Schluss die erhabenen Klänge der Glocken die Stunde des Spiels beschließen würden, dann müsste etwas aufklingen in den Herzen, was sich nicht in Worte fassen lässt. Dass es so wurde, haben uns später Besucher oft bezeugt", heißt es in den Aufzeichnungen von Meyer-Spelbrink. Heute nagt der Zahn der Zeit an den Glocken, etwas rostig sind sie, aber noch in Funktion, wie die Nettelstedter wissen. Man hat den drei unterschiedlich großen Klangkörpern sogar Namen gegeben, weiß Andreas Zelle. "Einigkeit", "Recht" und "Freiheit". Damals war das Deutschlandlied bereits die Hymne der Weimarer Republik. Einmalige Aussicht vom Turm aus Durch das enge Treppenhaus geht es weiter nach oben, ins Freie. Die Aussicht ist einmalig. Hier kann man in die Ferne schweifen. Auf der Plattform liegt auch der kürzlich abmontierte Weihnachtsstern. Seit 1933 wird er dort in der Adventszeit angebracht, mit Beleuchtung. Allerdings musste er vor einigen Jahren erneuert werden, der alte war heruntergefallen. Touristisch genutzt wird der Turm nicht, zu gefährlich wäre es, weil Absperrungen fehlen. Gebaut wurde der Turm von den Theatermitglieder selbst, sagt Andreas Zelle. Das Baumaterial kam vom nahe gelegenen Steinbruch. Übrigens ist der Turm noch gar nicht fertig. "Ich habe mir mal die alte Bauzeichnung von 1926 angesehen", sagt Andreas Zelle. Darin ist ein Treppenhaus an der Westseite eingezeichnet. Das fehlt. Sehen Sie in der interaktiven Karte Lübbeckes Lieblingsorte: Alle Teile der Serie sind zu finden unter www.nw.de/meinlieblingsort

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