Besonderer Ort: Der Steinbruch im Wiehengebirge ist lange stillgelegt. Anschließend wurde er verfüllt und zur Bodendeponie. Die Gesteinswand war früher noch deutlich höher. Es handelt sich um verschiedene Gesteinsschichten, die unterste Schicht sind Kalke aus der Jurazeit. - © Tyler Larkin
Besonderer Ort: Der Steinbruch im Wiehengebirge ist lange stillgelegt. Anschließend wurde er verfüllt und zur Bodendeponie. Die Gesteinswand war früher noch deutlich höher. Es handelt sich um verschiedene Gesteinsschichten, die unterste Schicht sind Kalke aus der Jurazeit. | © Tyler Larkin

Lübbecke/Hüllhorst NW-Leser zeigt seinen Lieblingsort im Lübbecker Land

"Mein Lieblingsort": Bei seinen Spaziergängen kommt Ingo Rahmöller meistens auch an seinem Lieblingsplatz vorbei - dem alten Steinbruch unweit der Barre-Brauerei

Stefan Boes

Lübbecke/Hüllhorst. Ingo Rahmöller liebt den Wald. Mehrmals in der Woche zieht es ihn raus ins Wiehengebirge. Ein Glück, dass er es gleich vor der Haustür hat. Der Hüllhorster lebt in einem Haus Am Strubberg, in dem schon seine Großmutter gewohnt hat. Wie vielleicht kaum ein Zweiter kennt er das Waldstück östlich der B 239-Passstraße Horsts Höhe, oberhalb der Barre-Brauerei. Es ist ein Ort seiner Kindheit, ein Heimatort für den gebürtigen Holsener, der sich während seiner Besuche bei der Oma immer auch im Wald herum trieb. Es gibt einen Platz, zu dem er - damals wie heute - besonders gerne geht. Zum alten Steinbruch. Vom Parkplatz Horsts Höhe aus zehn bis fünfzehn Minuten bergan marschieren, ein paar Mal richtig abbiegen, sich hier und da durchs Geäst arbeiten - in dieser Woche zusätzlich durch den Schnee -, und plötzlich tut sich ein Abgrund auf. Man steht auf einer hohen Felswand. "Hier stehe ich immer", sagt Ingo Rahmöller und blickt weit in Richtung Lübbecke. "Ich halte mich immer hier am Ast fest. Wenn ein Windstoß kommt, kann es gefährlich werden." Bei guten Bedingungen kann man von dort oben bis zum Stemweder Berg blicken. Über die Wipfel des Wiehengebirges sowieso. Eine ganz besondere Aussicht auf die Region erhält man an dieser hoch gelegenen Stelle. "Hier ist es zu jeder Jahreszeit besonders", sagt Rahmöller. Der Schnee verwandelte das Waldstück in dieser Woche in eine schöne Winterlandschaft. Im Sommer, wenn die Sonne die Steine aufwärmt, Pflanzen blühen, Vögel umherfliegen, erhält der Platz noch mal ein anderes Gesicht. "Wir sind schon als Kinder im Steinbruch gewesen", erinnert sich Rahmöller, der heute selbst gerne mit seinen beiden Söhnen hier unterwegs ist. In den 70er-Jahren endete der Abbau des Gesteins, die Brechanlagen verließen den Ort. Über eine heute stillgelegte Brücke kamen anschließend Lastwagen, die den Steinbruch mit Boden verfüllten. Immer war ein Wärter vor Ort, der im Blick hatte, dass auch niemand Müll ablud. Die Fläche wurde rekultiviert, heute ist sie weitgehend sich selbst überlassen. Dieses Waldstück zwischen Lübbecke und Hüllhorst könnte viele Geschichten erzählen. Hier liegen nicht weit entfernt vom Steinbruch die ehemalige Burg Reineberg, zahlreiche Bunker und Stollen, wo vor langer Zeit nach Silber gesucht wurde. Es gibt zwei verfallene Brücken über den uralten Ronceva-Bach, wo auch ein Brunnen der Barre-Brauerei liegt. "In diesem Gebiet wurde auch Eisenerz abgebaut", sagt Ingo Rahmöller. "Man weiß aber gar nicht so viel, was hier eigentlich alles war. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass hier damals die Hitlerjugend unterwegs war und das später totgeschwiegen wurde", sagt er. Er ist nicht nur als Spaziergänger unterwegs, er klettert auch gerne im Wald. Ein anderes Hobby ist das Geocaching, so etwas wie eine elektronische Schnitzeljagd, bei der Behälter an bestimmte Stellen platziert und deren Koordinaten dann im Internet veröffentlicht werden. Ingo Rahmöller hat auch zwei dieser Geocaches versteckt - natürlich nicht weit von seinem Lieblingsort, dem Steinbruch.

1
realisiert durch evolver group