Am Haken: Mut zwei Kränen wurden die beiden großen Stahltanks von den Tiefladern heruntergehoben und dann in ihre endgültige Position gebracht. Jeder Tank ist rund 22 Meter lang, 4,20 Meter hoch und wiegt um die 20 Tonnen. - © Bioenergie Pr. Ströhen / Dietmar Spreen
Am Haken: Mut zwei Kränen wurden die beiden großen Stahltanks von den Tiefladern heruntergehoben und dann in ihre endgültige Position gebracht. Jeder Tank ist rund 22 Meter lang, 4,20 Meter hoch und wiegt um die 20 Tonnen. | © Bioenergie Pr. Ströhen / Dietmar Spreen

Rahden Energie aus Biogasanlage sorgt für Wärmeversorgung in Pr. Ströhen

Die Gesellschaft hat zwei große Heißwassertanks erhalten. Die werden für die Wärmeversorgung des Dorfes und die Flexstrom-Herstellung gebraucht

Joern Spreen-Ledebur

Rahden-Pr. Ströhen. Der Schwertransport hatte schon einen langen Weg zurückgelegt. In Belgien hatte die niederländische Spedition zwei jeweils gut 22 Meter lange und 4,20 Meter hohe Stahltanks abgeholt. Über Bielefeld und Bad Oeynhausen erreichte der auch von der Polizei begleitete Konvoi am frühen Freitagmorgen Pr. Ströhen. "Den letzten Kilometer legten die Tieflader rückwärts zurück", merkt Hermann Seeker an. Seeker, Christian Aukamp, Hermann Strathmann und Dietmar Spreen erwarteten die gewichtige Fracht schon auf dem Betriebsgelände der Bioenergie Pr. Ströhen am alten Diek - dem Ziel, an dem Kräne die beiden schweren Stahltanks dann auf die Halterungen hoben. Jeder Tank fasse 300.000 Liter Wasser, ergänzt Christian Aukamp. Das seien die größten Behälter, die auf deutschen Straßen transportiert werden könnten. Das Abladen habe dann nur etwa eine Viertelstunde gedauert, sagt Seeker. Für die Bioenergie Pr. Ströhen spielen die beiden großen Stahltanks als Heizwasserspeicher eine wichtige Rolle. Die Behälter dienen der Nahwärmeversorgung Pr. Ströhens und sie werden benötigt, da die Bioenergie Pr. Ströhen in die flexible Stromproduktion einsteigt. Bei der flexiblen Stromproduktion, dem sogenannten Flexstrom, wird nur zeitweise Strom produziert - und zwar in den Zeiten, wo der Stromversorger diesen wirklich benötigt. Werde mehr Strom benötigt, könne über die Grundlast hinaus geliefert werden, so Seeker. Werde kein Strom benötigt, dann könne die Anlage auch auf Null heruntergefahren werden, so Aukamp. "Die Regelung erfolgt über die Netzbetreiber. Der fordert nach Bedarf an." Das heiße Wasser wird in den neuen Tanks gespeichert, wenn der flexible Strom benötigt wird, meint Aukamp. Für die Wärmekunden im Dorf müsse man diese Reserve haben. "Die Wärme müssen wir kontinuierlich anbieten." Rund 80 Gebäude im Ortskern sind mittlerweile an die Nahwärmeversorgung angeschlossen; für die Wärmeversorgung ist eine Ringleitung gelegt worden. Angeschlossen sind etwa das Seniorenheim, das Gemeindehaus, die Schule und auch der Kindergarten. Weitere Leitungen in Außenbereiche seien nicht geplant. Aukamp: "Das, was wir haben, muss ordentlich laufen." Die meisten Motoren in Blockheizkraftwerken in Biogasanlagen liefen rund um die Uhr, so Aukamp und Dietmar Spreen. "Das ist hier anders." Ein Flexstrom-Motor läuft bereits, ein zweiter Motor wird gebaut und soll Ende Juni fertig sein, wenn alles so klappt. Christian Aukamp: "Ein Motor kostet rund 750.000 Euro und wir müssen zwei davon kaufen." Er geht von einer Investitionssumme von insgesamt rund zwei Millionen Euro aus, damit die Pr. Ströher in die Flexstrom-Produktion einsteigen. Der bereits in Betrieb stehende Flexstrom-Motor hat eine Leistung von knapp 1.400 PS und zieht seine Energie aus der Biogasanlage. Ist die Technik komplett, dann können sich die Pr. Ströher auf insgesamt drei Megawatt elektrischer Leistung stützten. Aukamp: "Das reicht für die Versorgung von rund 2.000 Haushalten im Jahr."

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