Nachdenklich: Den Ortgies-Parkplatz bewertet Karl-Wilhelm Bruns als Zentrum des Stadtfestes. Ob er hier in Zukunft noch eine Bühne aufbauen wird, ist offen. Das Interesse des Pr. Ströhers, sich um die Organisation des Festes zu bewerben, ist derzeit sehr überschaubar. - © Joern Spreen-Ledebur
Nachdenklich: Den Ortgies-Parkplatz bewertet Karl-Wilhelm Bruns als Zentrum des Stadtfestes. Ob er hier in Zukunft noch eine Bühne aufbauen wird, ist offen. Das Interesse des Pr. Ströhers, sich um die Organisation des Festes zu bewerben, ist derzeit sehr überschaubar. | © Joern Spreen-Ledebur

Rahden Karl-Wilhelm Bruns bewirbt sich nicht mehr für Organisation des Rahdener Stadtfestes

Stadtfest: Die Organisation soll ausgeschrieben werden. "Stand jetzt" wolle er sich nicht bewerben, sagt der langjährige Veranstalter Karl-Wilhelm Bruns

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Seit 1990 wird am zweiten Juni-Wochenende in Rahden Stadtfest gefeiert. Fast seit Anfang an ist Karl-Wilhelm Bruns (KWB-Veranstaltungen, Pr. Ströhen) dabei und bei den vergangenen drei Festen war er Veranstalter. Das regelte ein Vertrag mit der damaligen Werbegemeinschaft. Nun soll die Organisation des Stadtfestes ausgeschrieben werden - was Bruns nach eigenen Angaben sehr überrascht hat. Für den Pr. Ströher wohl der Ausstieg aus dem Stadtfest Rahden: "Stand jetzt ist, dass wir uns für das nächste Stadtfest nicht bewerben", sagt er im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Er habe angeregt, das Fest alle zwei Jahre zu veranstalten, weil eine Fußball-WM oder EM Zuschauer kosteten, "was aber auch keiner so richtig glauben will". Reaktionen auf die Anregung habe er kaum gehabt. Ob er weitermachen wolle, sei er vom Gewerbebund-Vorsitzenden Hermann Kröger noch im Juni gefragt worden, berichtet Bruns. Er habe sich das vorstellen können und Ideen für ein Fest entwickelt - eventuell im Zwei-Jahres-Rhythmus. Beim jüngsten Gespräch mit Hermann Kröger und Andreas Winkelmann vom Gewerbebund habe er seine Ideen aber nicht mehr vorgestellt: Für ihn völlig überraschend habe es die Ankündigung gegeben, die Fest-Organisation ausschreiben zu wollen. Und nach seinen Informationen solle es "heimische Interessenten" geben, die das Stadtfest übernehmen wollten. Am Stadtfest im Juni dieses Jahres hatte es kritische Anmerkungen gegeben, in den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik. Das, so sieht es Bruns, habe zu einem Imageschaden für seine Firma geführt. Und es waren Vorwürfe dabei, die er so nicht stehen lassen will und als Halbwahrheiten bewertet. Kritisiert worden sei, dass Bier in Plastikbechern ausgeschenkt worden sei. "Aber das ist Teil des Sicherheitskonzeptes." Dass die Flyer zu spät verteilt worden seien, das habe auch nicht an KWB Veranstaltungen gelegen. "Wir hatten mit der Verteilung der Flyer nichts zu tun." Und Aussagen, dass das Stadtfest "ein Fest von Rahdenern für Rahdener" werden solle (die Neue Westfälische berichtete), treffen ihn anscheinend ins Mark. "Was soll ich dazu sagen? Ist ein Pr. Ströher kein Rahdener? Ich zahle hier meine Gewerbesteuer." Wenn der Auftritt renommierter Bands wie heuer "Marquess" in sozialen Netzwerken als "Witz" bezeichnet würden, dann fehlten ihm fast die Worte. Es habe auch geheißen, die Gastronomie im Ort zu beteiligen. Einen Bierwagen vor der Bühne habe er als Veranstalter aber selbst gemacht, "weil es für zwei nicht reicht", verweist er auf die Gesamtkosten inklusive Bühne. Fehler beim Stadtfest seien vor zehn Jahren angefangen, "als die Werbegemeinschaft nicht mehr richtig Geld lockermachte", blickt der Pr. Ströher zurück. Deswegen sei auch das Angebot an der Weher Straße Stück für Stück zurückgenommen worden. Das Stadtfest finde hauptsächlich auf dem Ortgies-Parkplatz statt, den er entwickelt habe. Andere Standorte hätten nicht die gewünschte Resonanz gebracht oder subventioniert werden müssen. Bruns: "Es gibt seit Jahren Kritikpunkte, aber die werden alle auf uns abgewälzt". Vorher habe keiner etwas gesagt, weil Ehrenamtliche aus der Werbegemeinschaft dabei gewesen seien. Offene Aussprachen habe er in den vergangenen Jahren vermisst. Nach dem Stadtfest 2015 habe man zusammen gesessen und gesprochen, er habe dabei eine Aufbruch-Stimmung verspürt. Weitere Gespräche seien zusagt worden, aber es habe sich niemand bei ihm gemeldet. Die Geschäftswelt der Innenstadt und Einwohner erwarteten, "dass wir ihnen die Stadt voll machen". Diese Anforderung gebe es in keiner anderen Stadt. Sicherlich habe es vor Jahren mehr Stände auf dem Stadtfest gegeben. Aber in Rahden gebe es zunehmend Leerstand "und wir sollen unseren Standard halten. Das passt nicht." Ehrenamtliche der Werbegemeinschaft hätten Sonderkonditionen gehabt, Flächen vor den eigenen Geschäften selbst anzumieten, damit etwa nichts zugestellt werde. Bruns: "Aber so ergibt es sich, dass man leere Flächen hat, wo man nichts machen kann." Das sei schwierig in Rahden, in Lübbecke oder Minden gebe es solche Probleme nicht. Auch dass schon vor dem Stadtfest negativ auf die Veranstaltung geschaut werde, das ist dem Pr. Ströher in anderen Städten nicht passiert, wie Bruns sagt. Kommentar: Ein neuer Kapitän muss her Das Schiff "Stadtfest" ist in schwere See geraten Von Joern Spreen-Ledebur Es gab Zeiten, da war Rahdens Innenstadt zum Stadtfest pickepackevoll mit Besuchern. Die Zeiten ändern sich und das Freizeitverhalten der Menschen mit ihnen. Nicht wenige Vereine werden das mit Blick auf ihre Veranstaltungen bestätigen können. Vor allem am Stadtfest im Juni dieses Jahres entzündete sich nun Kritik. Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn sich alle Beteiligten deswegen zusammen gesetzt hätten. Diskussionen in sozialen Netzwerken sind das eine, das persönliche Gespräch etwas anderes. Und ein persönliches „analoges" Gespräch ist einer „digitalen" Diskussion in einem sozialen Netzwerk allemal vorzuziehen. Die Freude bei Veranstalter Karl-Wilhelm Bruns, eventuell künftig beim Stadtfest in Rahden mitzuwirken, ist mittlerweile eher zurückhaltend. Aus seiner Sicht nachvollziehbar. Das Schiff „Stadtfest" ist nun in schwere See geraten. Eine solche Veranstaltung ist alles andere als ein Kindergeburtstag. Für den braucht man beispielsweise kein Sicherheitskonzept, für ein Stadtfest schon. Wie soll es nun weitergehen? Der Gewerbebund und die Stadt sind unter Zugzwang. Rahden ohne Stadtfest mag sich niemand vorstellen. Wer soll es machen und wie? Ideen gibt es. Und das beste wäre, wenn sich alle, die Ideen haben, zusammensetzen und sie besprechen. Im Sinn eines Festes im Nordkreis für den Nordkreis – und darüber hinaus. Nur müsste das schnell kommen, denn Aussteller und Schausteller brauchen auch Vorlauf für ihre Planungen. Kontakt zum Autor

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