Lässiger Hundesenior: Pelufo nahm mit Frauchen Anett Kämpfer zum letzten Mal an einem Zughunderennen teil. Der fast zwölfjährige Rüde überlässt dem Nachwuchs der Löhner Familie die nächsten Rennen. - © Annika Falk-Claußen
Lässiger Hundesenior: Pelufo nahm mit Frauchen Anett Kämpfer zum letzten Mal an einem Zughunderennen teil. Der fast zwölfjährige Rüde überlässt dem Nachwuchs der Löhner Familie die nächsten Rennen. | © Annika Falk-Claußen

Löhne/Ströhen Fast 200 Mensch-Hund-Teams fahren und laufen beim Zughunderennen durch den Tierpark Ströhen

Anett Kämpfer aus Löhne trainiert einen halb-blinden, nicht vermittelbaren Tierschutzhund zum Teilnehmer am Zughunderennen

Annika Falk-Claußen

Löhne/Ströhen. Pelufo ist fast zwölf Jahre alt, auf einem Auge blind und galt mehrere Jahre als unvermittelbar. Am Samstag startete der Hunde-Senior bei einem Zughunderennen. So wie 181 andere Hund-Mensch-Teams, die bei der vierten Auflage „Gesund mit Hund" durch den Tierpark Ströhen jagten. Dogscooter, Bikejöring und Canicross zählt zu den neuen Trendsportarten unter Hundebesitzern. Das Jedermann-Rennen, organisiert vom Schlittenhunde-Sportverein Süd-Oldenburg (SSVS), war Pelufos letzter Wettbewerb. Auf Ibiza geboren, wurde er von einem Tierschutzverein 2007 nach Deutschland gebracht, verbrachte sechs Jahre in „Einzelhaft" im Tierheim, weil er als zu aggressiv und nicht vermittelbar eingestuft worden ist. Über Umwege kam er im November 2013 zu Anett Kämpfer, einer Hundetrainerin aus Löhne. „Er zitterte am Anfang, wenn wir das Grundstück verlassen haben und hat Fußgänger anfixiert", erinnert sich die 47-Jährige, die feststellte, dass der katalanische Schäferhund-Mix auf einem Auge blind ist. Damit er seine Lauffreudigkeit ausleben kann, hat Anett Kämpfer angefangen, mit ihm zu scootern. Nach dem ersten Kurs ließ sich die Hundetrainerin gleich selbst zur Zughundetrainerin ausbilden und bietet – neben Bürojob und Hundeschule – seit 2014 Zughunde-Workshops an. Hunde können Stress ablaufen Beim Dogscootern steht der Hundebesitzer auf einem Roller, der Hund ist mit speziellem Zuggeschirr und Ruckdämpferleine mit dem Gefährt verbunden. Der „Musher", wie die Zughundesportler genannt werden, unterstützt durch zeitweises Anschieben. „Wir sind dann ein Jahr mit Maulkorb gefahren", so Kämpfer.Heute ist Pelufo ein entspannter Hund, der mit anderen Vierbeinern und Menschen verträglich ist. „Er konnte seinen Stress dadurch regelrecht ablaufen", erklärt Anett Kämpfer, die das auch immer wieder bei ihren Kursen erlebt. „Die Hunde werden dadurch ruhiger." Auch beim Start im Tierpark Ströhen am Samstag ist Pelufo die Ruhe selbst. Während andere Hunde am Start aufgeregt umherhüpfen, legt sich der Senior nochmal entspannt hin, bis der Countdown angezählt wird. Er wirkt sehr routiniert, obwohl sein letztes Rennen erst sein drittes ist. Die Premiere feierte er im November 2015 beim Senner Schlittenhunderennen in Bielefeld. Wenn Pelufo in Rente geht, steht Moos in den Startlöchern, ein 14 Monate altes Energiebündel, den Anett Kämpfer gerade zum Hundetrainer-Hund ausbildet. Pelufo darf dann weiter kleinere Spaßrunden drehen. „Wenn es wärmer als 15 Grad ist, hat er dazu sowieso keine Lust", sagt Anett Kämpfer, dreifache Mutter und fünffache Hundemama. Entlang des Polarfuchs-Geheges Die Temperaturen sind auch der Grund, warum die Veranstaltung „Gesund mit Hund" von September auf April verlegt worden ist. „Da ist es noch nicht so warm, aber die Strecke ist mit 2,4 Kilometer kürzer, weil wir noch Anfang der Saison haben", sagt Michael Inderwisch, Pressewart des SSVS. „Hier kann jeder starten; wir wollen die Leute so an den Sport ranführen." Auch an den Nachwuchs wurde gedacht: Viele jugendliche Starter (12-18 Jahre) meistern den Kurs im Tierpark, in dem die Hund-Mensch-Teams entlang der Polarfüchse, Luchse und Ponys fahren bzw. laufen. „Über Kontakte sind wir vor einigen Jahren dazu gekommen, das Rennen hier auszurichten", so Inderwisch. „Wir sind froh über die tolle Unterstützung der Betreiberfamilie Ismer." Der SSVS, der „Gesund mit Hund" mit der Frühjahrsausstellung des Siberian Husky Clubs verknüpfte, richtet in Ströhen im Herbst auch die norddeutschen Meisterschaft aus.  Video von Teilnehmerin Sabrina Steinmeyer: Der Zughundesport ist im Trend – bei der ersten Auflage des Rennens waren noch 70 Starter dabei, am Wochenende waren es fast 200. Immer mehr Hundehalter entdecken das Laufen bzw. Roller- oder Radfahren mit ihrem vierbeinigen Partner für sich. Anett Kämpfer hat mittlerweile eine private Interessensgruppe ins Leben gerufen, die ein Mal pro Monat an verschiedenen Orten in den Kreisen Herford oder Minden-Lübbecke gemeinsam trainiert. Am Ende erreichte Pelufo in der Kategorie "Dogscooter mit einem Hund" Platz 25 - mit einer Zeit von 13:35 Minuten über 2,4 Kilometer. Trotz langer Abschnitte, in denen sich Hund und Halter durch lange Matschlöcher kämpfen mussten, landen immerhin zwei weitere Starter hinter dem Senior. Die schnellste Teilnehmerin schaffte die Strecke in 6:12 Minuten. Für Anett Kämpfer ist die Zeit und Platzierung zweitrangig: "Pelufo hat gerne gezogen und wirkte zufrieden."

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