Viele Zuhörer wollten sich den Vortrag von Bianka Reichardt nicht entgehen lassen. - © FOTO: PRÄVENTIONSRAT
Viele Zuhörer wollten sich den Vortrag von Bianka Reichardt nicht entgehen lassen. | © FOTO: PRÄVENTIONSRAT

Rahden Jungen brauchen männliche Ansprache

Expertin Bianka Reichardt referierte vor mehr als 320 Zuhörern im Gymnasium

Rahden (nw). Diese Resonanz hat die Verantwortlichen des Präventionsrates und Bürgermeister Bernd Hachmann positiv überrascht: Mehr als 320 junge Mütter und auch viele Väter aus dem Lübbecker Land hörten sich in der voll besetzten Aula des Rahdener Gymnasiums den Vortrag der Erziehungswissenschaftlerin Bianka Reichardt zum Thema "Jungs sind klasse, wenn man sie  versteht ... und Männer auch" an. Mit diesem Ansturm habe niemand gerechnet, freute sich Dr. Wolfgang Adam vom Präventionsrat.

Bianka Reichardt erklärte in anschaulicher und humorvoller Weise, warum das männliche Geschlecht die Welt anders wahrnimmt und wieso es dafür eigentlich gar nichts kann. Männer wollten klare schnelle Ziele, seien Jäger und konzentrierten sich mit ihrem Tunnelblick auf den Punkt.  Langes Reden und endloses Zusammensitzen sei nicht ihr Ding.

Langatmige Bildbeschreibungen und endlose Gruppenarbeiten mögen Jungen laut Reichardt nicht.   Männlich sei, schnell eine Lösung anzubieten, und wenn man weiter diskutiere, dann schalteten sie ab oder machten in der Schule halt Unsinn. Deshalb seien die Schulen das Nadelöhr, so Reichardt.

Der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen beginne schon mit dem Erbgut. Auch das Verhältnis zwischen Vater und Mutter präge die Jungen stark. "Unsere Sprösslinge sind das sichtbare Wir", erklärte Reichardt. So präge der Umgang der Eltern miteinander den Nachwuchs. Böse Aussagen gegenüber dem Partner bedeuteten  gleichzeitig auch eine Ablehnung gegenüber dem Kind.  

Ein  großes Problem sei es, dass Mütter die kleinen Männer "weiblich" erziehen wollten, aber das sei nicht möglich. Hinzu komme, dass  viele Jungen erst im Jugendalter Männer kennenlernten, denn anfangs sei nur die Mutter in der Erziehung präsent, dann die Erzieherinnen im Kindergarten und in Grundschulen gebe es fast nur Lehrerinnen.

"Sehr gut fanden  wir, dass die Referentin deutlich machte, dass Jungen Väter und Männer brauchen, mit denen sie sich messen können, die für sie ein Vorbild sind und mit denen sie die für Männer so wichtige Rangfolge klären können", bewerteten die Rahdener Kinder- und Jugendärzte Michael Reifenscheid und Dr. Wolfgang Adam den Vortrag.

Reichardt informierte die Gäste leicht verständlich über erziehungswissenschaftliche, psychologische und biologische Aspekte, teilte der Präventionsrat mit. Die Expertin lockerte ihren Vortrag mit Anekdoten auf. Jungen hätten andere Hormone. Das männliche Wesen wolle vor allem die Hierarchie abklären und Grenzen testen, um Sicherheit zu erreichen. Jungen bräuchten eine andere, nämlich eine  männliche Ansprache. "Wenn Frauen verstehen, wie ihre Jungs  hormonell ,ticken?, dann klappt vieles besser", meinte die Referentin und belegte es mit vielen humorvollen Beispielen.

"Versuchen Sie, die Dinge positiv zu sehen", sagt Reichardt, "Ihr Junge oder Mann meint es nicht böse. Schon in der Urzeit hatten Mann und Frau unterschiedliche Dinge zu erledigen." Diese Instinkte seien bis heute geblieben. Man solle nicht nach dem Warum fragen, wenn Jungen es anders machen. Besser sei zu fragen: "Aus welchem Grund machst Du das?"

Auf die Jungen sollten Mütter, Erzieher und Lehrerinnen gelassener reagieren, denn irgendwann legten Jungen den Schalter um - oft erst wenn ihre Hormone durch ein nettes Mädchen in die richtige Richtung gelenkt würden. Natürlich sei das für die Weiblichkeit stressig, denn manchmal dauere es, bis die Jungen reif seien. Mit der richtigen Wertschätzung erreichten die Männer im Erwachsenenalter ihre Ziele.

Dr. Wolfgang Adam sowie Susanne Schiller und Cornelia Griebel dankten Bianka Reichardt für deren Vortrag. Ein Dank galt auch der Stiftung der Stadtsparkasse Rahden sowie den Kleinendorfer Landfrauen für die Gestaltung des Abends.

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