Wichtiger Meilenstein: Mit dem Gesundheitszentrum sei ein wichtiger Beitrag zur Versorgung vor Ort geleistet worden, schreiben Nutzer des Gebäudes. Gleichzeitig habe der MKK-Vorstand die Schließung des Krankenhauses geplant. - © Foto: Archiv Joern Spreen-Ledebur
Wichtiger Meilenstein: Mit dem Gesundheitszentrum sei ein wichtiger Beitrag zur Versorgung vor Ort geleistet worden, schreiben Nutzer des Gebäudes. Gleichzeitig habe der MKK-Vorstand die Schließung des Krankenhauses geplant. | © Foto: Archiv Joern Spreen-Ledebur

Rahden Rahdener Gesundheitszentrum warnt den MKK-Vorstand

Vorwürfe: In einem offenen Brief sprechen die Nutzer des Zentrums von "katastrophalen medizinischen Konsequenzen"

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. Schwere Vorwürfe gegen Vorstand der Mühlenkreiskliniken (MKK): Dem Vorstand sei es offenbar egal, welche "katastrophalen medizinischen Konsequenzen" das vom MKK-Vorstand vorgelegte "haarsträubende" Medizinkonzept habe, heißt es "mit einigem Zorn" in einem offenen Brief der Mieter aus dem Rahdener Gesundheitszentrum an Olaf Bornemeier und Kristin Drechsler. Die MKK sagten, ein Jahr am Konzept gearbeitet zu haben. Bedeutend länger sei in Rahden "unter reger Anteilnahme der Bevölkerung" an einem Konzept zu einer der Herausforderungen des Gesundheitssektors gearbeitet worden. Das Krankenhaus Rahden gehöre zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung im ländlichen Bereich. "Durch den Bau und die Inbetriebnahme des Gesundheitszentrums ist jetzt ein erster guter Schritt gelungen." Lebensmittelladen mit mehr Strahlkraft als ein Blumenladen Noch schlimmer ist aus Sicht von Nutzern des Gesundheitszentrums, dass man sich vor Ort um den Erhalt des Krankenhauses Rahden bemühte, vor Vorstand sich aber schon konkret mit der Schließung des Hauses befasste. "Sie werden uns nicht im Ernst die Einrichtung einer Psychosomatik und/oder Suchtabteilung hier vor Ort als Erhalt des Standortes oder gar als Fortschritt ,verkaufen? wollen", schreiben die Mediziner und Gesundheitsdienstleister. "Wenn das Lebensmittelgeschäft in meinem Ort geschlossen wird, kann mir die mögliche Strahlkraft eines dafür eröffneten Blumenladens nicht einleuchten." Es stelle sich die Frage, welches Ziel denn dieses "Konzept" hatte. Die MKK hätten sich nach eigenen Angaben mit der steigenden Patientensouveränität befasst und festgestellt, dass sich die Patienten "ihr Krankenhaus bewusst anhand von Empfehlungen oder der erwarteten medizinischen Qualität aussuchen". Die räumliche Nähe solle als Entscheidungskriterium unwichtiger sein. Der MKK-Vorstand aber trage die Verantwortung dafür, "dass die Qualität und die räumliche Nähe gegeben ist." Im Falle eines Krankenhauses gehe es nicht nur darum, wo die aufwändigsten Apparate stünden, sondern dass qualifizierte Versorgung möglichst nah zur Verfügung stehe. Dem Patienten mit akutem Schlaganfall oder Herzinfarkt sei es sicher egal, wo er hinkomme. Hauptsache, es geht schnell, was sich mit den medizinischen Notwendigkeiten decke. Dafür Sorge zu tragen sei Verantwortung des Vorstands. Es passe nicht zusammen, dass der Vorstand den souveränen Patienten zur Begründung des Beschlusses anführe, die Entscheidung jedoch unter Ausschluss dieses Patienten treffe. Die Nutzer des Rahdener Gesundheitszentrums hinterfragen in ihrem Brief Aussagen des MKK-Vorstands, dass Ärzte nicht ins Rahdener Krankenhaus wollten. "Sie haben ein kleines Krankenhaus, eng verzahnt mit der hausärztlichen Versorgung, wo Assistenzärzte und Oberärzte sehr selbstständig und nah am Patienten und den Angehörigen arbeiten könnten", heißt es in dem Brief. "Wieso schaffen Sie es nicht, dass das ein Projekt ist, wo alle hin wollen? Welche Anreize wären denn notwendig?" Ein Beratungsunternehmen werde da kaum helfen können. »Verlegung von Gynäkologie eine Katastrophe« Es gebe in Rahden und Umgebung einige Ärzte, die als Assistenten im Rahdener Krankenhaus gearbeitet hätten und dann sogar hier geblieben seien. Darauf könne man aufbauen. Ein Fachkräftemangel könne an Arbeitsbedingungen liegen. Auch dies wäre möglich, im Rahmen einer Konzeptarbeit herauszubekommen. Würde alles im Klinikum Minden zentralisiert, dann wären aus Sicht der Ärztehaus-Nutzer die Wartezeiten für die Patienten länger, die Arbeitsbelastung für das Personal höher, was zu weiterem Fachkräftemangel führe. Es gebe es Ärzte, die gerne und gut in großen Zentren arbeiten. Ebenso gebe es Ärzte, die gerne in kleinen, überschaubaren Einrichtungen tätig seien, schreiben die Mieter. Das Land NRW habe eine besondere Förderung für Studenten auf den Weg gebracht, die sich auf dem Land niederlassen wollten. "Es ist die Aufgabe der MKK, sich möglichst viele dieser Studenten zu sichern, sie auch und vor allem in Rahden auszubilden, vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit den hier niedergelassenen Hausärzten, Kardiologen, und Gynäkologen." Die MKK-Pläne zur Verlegung der Gynäkologie und Geburtshilfe und Urologie seien "eine Katastrophe", heißt es in dem Brief an den MKK-Vorstand. "Haben Sie vielleicht mal eine Erhebung gemacht, wie viele Geburtskomplikationen, Todesfälle bei Herzinfarkt oder Schlaganfall es schon bis jetzt gab durch die langen Wege, die schon jetzt hier zurückgelegt werden müssen?" Solche Überlegungen und statistische Fakten stünden einem solchen Konzept gut an, das eine weitere Verlängerung dieser Wege beinhalte. Mit dem neuen Medizinkonzept werde die Versorgung massiv verschlechtert, ohne die Menschen hier darüber während des Entscheidungsprozesses zu informieren oder ihre Sachkunde vor Ort anzufragen. Dem Vorstand seien offenbar die "katastrophalen Konsequenzen in medizinischer Hinsicht, der Zorn der Menschen hier, die Zunahme des Gefühls, dass 'die da oben eh machen was sie wollen', gleichgültig." Unterzeichnet ist der Brief von Sarah Seeger, Jens Gottfriedsen (hausärztliche Praxis), Christian Paul (Zahnarzt), Orhan Uzun (Kardiologe), Barabara Horzella (Allgemeinmedizinerin), Frank Nellissen, Fahim Wahidi (gynäkologische Gemeinschaftspraxis), Karin Hocher (Allgemeinmedizinerin), Bodo Strunk (Heilpraktiker), Kerstin Blaue (Apothekerin), Nicole Kroschin (Pflegeberatungsbüro Pro Senior) und Michael Wurzel (Sanitätshaus San Agil).

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