Der Countdown läuft: Bald startet das Varler Kappenfest. Diesen Jecken ist die Vorfreude deutlich anzusehen. - © Foto: privat||
Der Countdown läuft: Bald startet das Varler Kappenfest. Diesen Jecken ist die Vorfreude deutlich anzusehen. | © Foto: privat||

Rahden Varl ist die Karnevalshochburg im Lübbecker Land

Im Rahdener Ortsteil wird Karneval ganz groß gefeiert. Die Akteure bereiten das gut zweistündige Programm akribisch vor und prämieren die interessantesten Kostüme

Angelina Kuhlmann
Jennifer Fiene

Rahden-Varl. Bald ist es wieder soweit, in Köln und Düsseldorf wird groß Karneval gefeiert. Doch auch abseits des Rheins ist was los - im kleinen Varl zwischen Diekfluss und Großer Aue. Varl ist eine Hochburg des Karnevals im Lübbecker Land und die letzte Gemeinschaft, die zur gemeinsamen Feier einlädt. Vor 48 Jahren entstand die Idee zum Karnevalsfest in Varl. Der Grundstein wurde in der Fußballabteilung des Sportvereins von Gertrud Helms gelegt: Es sollte ein einmaliger Abend zum Karneval für die ehrenamtlichen Mitglieder gestaltet werden. Das daraus ein traditionelles Karnevalsfest wird, ahnte damals noch niemand. Das Fest fand im Gasthaus "Hanau" statt, das erste Programm unter der Leitung von Erhardt Molkenbur dauerte nur 45 Minuten. Da das Fest so gut ankam, beschloss man, daraus eine alljährliche Tradition zu machen. Erst gab es das Kappenfest nur samstags, doch schon bald wurden auch der Montag mit Kinderkarneval und der Dienstag eingeführt. Alexandra und Jörg Wiehe fahren vorher immer nach Damme Der Kinderkarneval kam vor gut 20 Jahren dazu. Für die Kinder gibt es dann ein Programm, das durch die Kinder mit selbst ausgedachten Tänzen und vielem mehr gestaltet wird. 1999 fand das Kappenfest letztmalig im Gasthaus Hanau statt, danach war das Gasthaus F. A. Wagenfeld Heimat der närrischen Kappenfeste. Seit der Saal Wagenfeld nicht mehr zur Verfügung stand, haben Alexandra und Jörg Wiehe von Planwagen Wiehe die Varler Jecken bei sich aufgenommen. Seit drei Jahren findet die Feier bei Wiehes statt, beide begleiten mit Herzblut den Karneval: "Wir fahren auch jedes Jahr vorher zum Karneval nach Damme", sagt Jörg Wiehe. Vor ungefähr zehn Jahren hat es einen Boom im Karneval gegeben, an die 317 Gäste waren zum Beispiel im Jahr 2003 bei den Varler Jecken zu Besuch. Stundenlanges Stühle schleppen hieß es da. Das große Ziel ist jetzt, jedes Jahr eine Zahl von 500 Gästen zu erreichen, berichten Miriam Pöttker und ihr Team von "United" Varl. Allgemein gebe es aber immer wieder Phasen, in denen der Karneval im einen Jahr angesagt und im anderen Jahr eher weniger interessant gewesen sei. Doch dass der Karneval seine Bedeutung verliert, verneinen die Varler ausdrücklich. Es gibt Gruppen wie Kegelvereine oder Freundeskreise, die kommen jedes Jahr wieder nach Varl und geben sich sehr viel Mühe bei der Gestaltung ihrer Kostüme. Die werden selbst gebastelt, um die Chance auf den Gewinn des Kostümwettbewerbs zu erhöhen. Der findet stets am Ende des Kappenfest-Programms statt. Die beste Kostümierung siegt. Insgesamt werden drei Gruppen und auch Einzelkostüme prämiert. Schon vor der Generalprobe wird akribisch geübt Vorigen Samstag kamen die Organisatoren zusammen und übten das Programm vor der eigentlichen Generalprobe am Freitag noch einmal ganz akribisch. Das Programm besteht aus 16 bis 17 Punkten und dauert ungefähr zweieinhalb Stunden - je nachdem, wie viele Zugaben gefordert werden. Von der Büttenrede bis zu Tänzen und Liedern ist alles dabei. Die Sänger singen alle live. Denn dem Motto von Gertrud Helms "Wenn einer singt, dann live und wenn es noch so schief ist", bleiben die Varler Jecken treu. Seit 1976 gibt es professionelle musikalische Begleitung - damals von den "Valentinos" und heute von der Band "Level up". Bei der Probe wird die Technik geprüft, die Reihenfolge und auch der Tanz geübt und aufgenommen, um zu gucken, ob man zum Beispiel die Synchronität noch verbessern kann. Das Team von Akteuren, die für das Varler Kappenfest zusammen kommen, hat im täglichen Leben wenig miteinander zu tun und funktioniert auch nur für den Karneval zusammen, berichtet Miriam Pöttker. Man kann also sagen, der Karneval verbindet. Seit ihrem ersten Treffen im Dezember organisiert das Team den Ablauf für den kommenden Samstag, Montag und Dienstag (¦ Info). Das Team freut sich über rege Teilnahme, denn in Varl gilt: "Jeder, der jeck ist, ist willkommen!" Kinderkostüme werden weniger nachgefragt als früher Wenns um das passende Karnevalskostüm für die kleinen Jecken geht, hat Uta Bracke in ihrem Spielwarengeschäft in Lübbecke die passende Verkleidung. Ob Prinzessin, Spiderman oder Feuerwehrmann Sam - die Highlights der Kinder sind vielfältig. "So viel ist das aber nicht mehr", sagt Bracke über den Verkauf. Das Jahr über verkaufe sie teilweise mehr Karnevalsartikel als um die eigentlich Karnevalszeit herum: "Die Schulabgänger kaufen dann zum Beispiel Schminke für ihren Abschluss", sagt die Ladenbesitzerin. Trotzdem: Zur fünften Jahreszeit finden sich im vorderen Teil des Geschäftes Accessoires, Schminke und auch komplette Kostüme. Denn gefeiert wird mit den Kindern ja noch. Zum Beispiel in Varl.

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