Historischer Baum: Auch Hannelore Kühnen (v. l.), Sigrid Lindemann, Helga Filbert, Erika Kreft und Manfred Bollhorst setzen sich für den Erhalt des alten Baumes östlich der Johanniskirche ein. - © Foto: Joern Spreen-Ledebur||
Historischer Baum: Auch Hannelore Kühnen (v. l.), Sigrid Lindemann, Helga Filbert, Erika Kreft und Manfred Bollhorst setzen sich für den Erhalt des alten Baumes östlich der Johanniskirche ein. | © Foto: Joern Spreen-Ledebur||

Rahden Bürger halten an Robinie fest

Rahdener sammeln Unterschriften für Erhalt des alten Baumes am Kirchplatz. Rat stimmt für Platz-Erneuerung

Joern Spreen-Ledebur

Rahden. In der Johanniskirche hatten die evangelische Kirchengemeinde und die Stadt Rahden bei einer gemeinsamen Info-Veranstaltung die Planungen zur Neugestaltung des Kirchplatzes vorgestellt. Die noch vorhandenen alten und nach Aussagen eines Gutachters maroden Bäume auf der Südseite von St. Johannis sollen entfernt und durch neue Linden ersetzt werden. Am Donnerstag war das  im Rathaus Thema bei der Ratssitzung. Die FWG stimmte gegen die Platzumgestaltung, stimmte aber für den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Straßen, in dem das Geld für die Platzgestaltung eingestellt ist. Ulla Thielemann (CDU) enthielt sich in Sachen Kirchplatz und in Sachen Wirtschaftsplan. Unterstützung im Rat für Umgestaltung und für Robinie Für einigen Gesprächsbedarf hatte beim Info-Abend und am Tag darauf im Bauausschuss die Robinie auf der Ostseite von St. Johannis neben dem Grabstein von Pfarrer Hartog gesorgt. Planer Marcel Adam hatte hier einen Ersatz des alten Baums durch vier neue Robinien vorgesehen. Dem widersprechen einige Rahdener. In einem Schreiben wenden sich nun der langjährige Kirchmeister Manfred Bollhorst, Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und Hannelore Kühnen an das Presbyterium der Kirchengemeinde und setzen sich für den Erhalt der alten Robinie ein. Mehr als 20 Bürger unterstützen mit ihrer Unterschrift das Anliegen der Initiatoren.  Auch im Rat  signalisierten Politiker von SPD, Grünen und UfR Unterstützung für die Freunde der Robinie Die Initiatoren verweisen auf die Historie des Platzes. Im Jahr 1825 habe das damalige Presbyterium auf dem zuvor aufgegebenen Friedhof veranlasst, dass hier eine Lindenallee gepflanzt wurde. Diese Linden seien teilweise in schlechtem Zustand und gefährdeten die Verkehrssicherheit auf dem Kirchplatz. Daher sollten die Bäume gefällt und der Kirchplatz neu gestaltet werden. »Ein Stück historisches Rahden ist damit für immer verschwunden« "Es ist schade, dass der Öffentlichkeit der Plan erst zugänglich gemacht wurde, nachdem die ersten Bäume schon nicht mehr da waren", heißt es im Schreiben an das Presbyterium. "Ein Stück historisches Rahden ist damit für immer verschwunden." Nun stehe aber noch in der Nähe des Hartogschen Denkmals eine Robinie. Manfred Bollhorst und seine Mitstreiterinnen vermuten, dass dieser Baum auch um 1825 dort gepflanzt worden ist. Somit sei der Baum dieser Spezies der alteste der Stadt Rahden. Die Robinie sei nicht krank und es gehe keine Verkehrsgefährdung von ihr aus. Mit ihrer Unterschrift richten Manfred Bollhorst, Hannelore Kühnen, Sigrid Lindemann, Monika Büntemeyer und weitere Bürger "nun die dringende Bitte an das Presbyterium der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rahden, diesen Baum zu erhalten und in die Planungen der Neuanlage des Kirchplatzes zu integrieren". Sollte es einen Beschluss geben, den Baum zu fällen, bitten die Unterzeichner um die Rücknahme eines solchen Beschlusses. Verschwinde die Robinie, dann sei wieder ein Stück alter Rahdener Geschichte für immer verloren. Da helfe auch keine Neuanpflanzung. Sie verstehe auch nicht, dass die Spalierbäume an den Altstadtstuben verschwinden sollten, merkte Sigrid Lindemann an. Die Bäume grünten doch. Sigrid Lindemann verwies auf historische Quellen, denen zufolge immer Bäume auf dem Kirchplatz waren - im 19. Jahrhundert für neun Jahre auch eine "kommunale Baumschule". Details bei der Platzgestaltung werden noch besprochen Wenn Bäume kaputt seien, dann müssten sie weg, meinten die Initiatoren der Unterschriftensammlung gestern im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. "Aber man kann doch nicht vorsorglich fällen." Er persönlich könne sich die alte Robinie auf dem neu gestalteten Kirchplatz nicht vorstellen, sagte Bürgermeister Bert Honsel. Er verwies zudem darauf, dass auch Marcel Adam den Baum habe untersuchen lassen und zu dem Befund gekommen sei, dass die Robinie sehr stark geschädigt sei. Das letzte Wort über den Erhalt der alten Robinie aber sei noch nicht gesprochen. Darüber müsse die Politik entschieden, sagte Honsel gestern auf Nachfrage. Hinsichtlich der Spalierbäume verwies Honsel auf Aussagen der Planer, dass diese spätestens bei Sanierungsarbeiten an der Kirchringbebauung und den damit verbundenen Arbeiten an der Entwässerung fallen würden. Die Kirchengemeinde habe grundsätzlich der aktuellen Planung zugestimmt, sagte Pfarrer Udo Schulte. Über die weiteren Details wie Pflaster oder Bepflanzung werde noch gesprochen. "Dazu zählt auch die Robinie."

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