Salon mit Tradition: Bis 1961 betrieben die Familien Kienbaum/Kersten mit ihren Mitarbeiterinnen in dem 1903 erbauten Haus Gerichtsstraße 10 in Rahden einen Friseursalon. - © Repro: Sonja Rohlfing
Salon mit Tradition: Bis 1961 betrieben die Familien Kienbaum/Kersten mit ihren Mitarbeiterinnen in dem 1903 erbauten Haus Gerichtsstraße 10 in Rahden einen Friseursalon. | © Repro: Sonja Rohlfing

Rahden Friseursalon an der Gerichtsstraße schließt nach mehr als 100 Jahren

Zum Jahresende schließt Monika Benkendorf ihren Friseursalon an der Rahdener Gerichtsstraße. Damit endet im Herzen der Stadt eine mehr als 100 Jahre währende Tradition

Sonja Rohlfing

Rahden. Im Haus Gerichtsstraße 10 in Rahden befindet sich ein Damen- und Herren-Friseursalon. Das ist seit mehr als 100 Jahren so. Nach den Familien Kienbaum/Kersten hat zunächst Wilfried Helms den Salon geführt, bevor ihn 2002 seine Mitarbeiterin Monika Benkendorf übernahm. Zum Jahresende verabschiedet sich die Oppenweherin in den Ruhestand und schließt den Betrieb - nach mehr als 50 Berufsjahren. "Ich mache das nach, was mir mein ehemaliger Chef vorgemacht hat", sagt sie und schmunzelt. Fünf Jahrzehnte, genau genommen 51 Jahre und ein halbes, hat Wilfried Helms seinen Beruf ausgeübt, davon 41 Jahre selbstständig. Wilfried Helms und Monika Benkendorf haben viele Höhen, aber auch einige Tiefen erlebt. Sie haben Trends kommen und gehen sehen. "Wir sind mit unseren Kunden älter geworden", stellen die beiden fest. Besonders schätzt Monika Benkendorf an ihrem Handwerk das Kreative. Waschen, Schneiden, Föhnen, Färben, Tönen, Strähnen - die Friseurin deckt die ganze Palette ab. Sie hat unzählige Dauer- oder Volumenwellen gelegt, Haarteile angefertigt und zu besonderen Anlässen Gala- und Hochsteckfrisuren gezaubert. "Es ist nie langweilig. Man arbeitet direkt am Menschen, begleitet die Stammkunden über Jahre durch Freud und Leid." Es entwickle sich eine Beziehung zu den Kunden. Man werde zur Vertrauensperson. 1961 hat Wilfried Helms das 1903 erbaute Haus übernommen, in dem die Familie Kienbaum/Kersten mehr als 50 Jahre einen Friseursalon betrieben hatte. Umbauen und neu einrichten war das Erste, was der junge Friseurmeister damals tat. Denn die sanitären Anlagen beschränkten sich lediglich auf "Plumpsklosetts" im Hof. Fließend Wasser gab es nicht. Von einer Handpumpe musste das Wasser auf den Dachboden getragen werden, von wo es durch ein Fallrohr in einen Boiler geschüttet und dann in einem Topf mit kaltem Wasser gemischt wurde. Seitdem hat sich viel getan. Um modisch und bei den Arbeitstechniken auf aktuellem Stand zu sein, wurden Schulungen in Oldenburg, Berlin und London besucht, regelmäßig an nationalen Meisterschaften teilgenommen, Tagesseminare oder Salonschulungen durch Firmenfachkräfte genutzt. "Wir haben sogar Video-Filmabende im Salon zu Schulungszwecken gemacht", erinnert sich Wilfried Helms, der außerdem 30 Jahre in verschiedenen Ausschüssen und im Vorstand der Friseurinnung Lübbecke mitgewirkt hat. Monika Benkendorf ist mit einer kleinen Unterbrechung seit 1971 im Salon tätig. "Ich wollte hier auch lernen", erzählt sie. Aber der Platz sei schon besetzt gewesen. Deswegen hat sie 1967 anderweitig ihre Lehre gemacht. Dann klappte es mit einer Anstellung im Salon Helms. Am 1. November 2002 hat sie den Betrieb und die Mitarbeiterinnen übernommen. 23 Auszubildende haben in der Zeit von Wilfried Helms und Monika Benkendorf das Friseurhandwerk im Salon gelernt. Insgesamt hatten sie über die Jahre 47 Mitarbeiter. Eine große Kollegialität habe das Team ausgemacht, unterstreichen die beiden. Zum Jahresende wird nun der Schlüssel endgültig umgedreht. Mit der Geschäftsinhaberin verabschieden sich die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen Ingrid Hohmeier und Heike Lübkemann von den Kunden. Wilfried Helms plant, das Haus mit dem Salon und der darüber liegenden Wohnung zu vermieten oder zu verkaufen. Monika Benkendorf würde, wenn sie nochmal vor der Wahl stände, wieder Friseurin werden. "Mein Beruf ist auch mein Hobby", erklärt die Oppenweherin. "Ich habe für meinen Beruf gelebt. Er war nie eine Last".

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