Pr. Oldendorf Leben mit einer Plexusparese

Landesweiter Verein hat Jahrestreffen im DRK-Familienzentrum Pr. Oldendorf / Austausch und Infos

Pr. Oldendorf (nw/tir). Der Verein Plexuskinder e.V. lädt am 12. Oktober betroffene Kinder und Erwachsene, Angehörige und Fachleute zum Jahrestreffen in das DRK-Familienzentrum in Preußisch Oldendorf ein, um sich über das Thema "Menschen mit einer Plexusparese - von der ersten Zeit als Plexuskind bis zum Leben als Erwachsener" zu informieren und auszutauschen.

Noch ein kräftiger Zug und - geschafft! Nick hat die Seepferdchen-Schwimmprüfung bestanden. Endlich. Mit sieben Jahren. Die meisten Kinder in seinem Schwimmkurs sind erst fünf oder sechs Jahre alt. Trotzdem ist seine Mutter, Simone Olek aus Pr. Oldendorf, heute besonders stolz auf ihren Sohn, denn Nick kann nur mit dem linken Arm die Schwimmbewegungen durchführen, sein rechter Arm ist teilweise gelähmt.

Bei Nicks Geburt wurde das Nervengeflecht an der Halsseite, der sogenannte Plexus brachialis, verletzt. Dieses Nervengeflecht versorgt die Schulterregion und den gesamten Arm mit Gefühl und Bewegungsimpulsen für die Muskeln. Oft bildet sich die Lähmung zurück, aber in den schweren Fällen, wie bei Nick, bleiben erhebliche Defizite.

Verantwortlich für den Verein "Plexuskinder" ist der Vorstand mit seiner Vorsitzenden Mirjam Mahler sowie der zweiten Vorsitzenden Ilse Frank. Simone Olek habe sich früh über Nicks Verletzung und ihre Folgen informiert und Kontakt zu anderen Betroffenen gesucht. So wurde sie auf den Verein Plexuskinder e.V. aufmerksam. Der Verein bietet Informationen, Ratschläge und Unterstützung für betroffene Kinder und ihre Familien. Der Verein möchte aber auch Erwachsenen mit einer Plexusparese helfen.

Der Weg zu den Jahrestreffen des Vereins, die in den vergangenen Jahren in Süd- und Ostdeutschland stattfanden, sei für Familie Olek zu weit gewesen. Als der Verein nach einem Veranstaltungsort für das Treffen suchte, fragte Simone Olek in Nicks ehemaligem Kindergarten, dem DRK-Familienzentrum in Pr. Oldendorf, nach und war begeistert, als die Einrichtung zusagte, Räume und Kinderbetreuung für das Treffen zur Verfügung zu stellen. "Im Rahmen unserer Arbeit als DRK-Familienzentrum, den eigenen Erfahrungen mit einem betroffenen Kind und mit dem Leitgedanken des Deutschen Roten Kreuzes freuen wir uns, in diesem Jahr den Verein Plexuskinder e.V. zu unterstützen", sagt die Erzieherin Meike Kösling.

Am Samstag ab 9 Uhr begrüßt der Verein mit Unterstützung von Familie Olek Plexuskinder, betroffene Erwachsene und Fachleute aus ganz Deutschland in Pr. Oldendorf. Nick und sein älterer Bruder sind neugierig auf die anderen Plexuskinder und ihre Geschwister, die Eltern freuen sich auf Informationen und den Austausch mit erwachsenen Betroffenen, Eltern und Fachleuten. Familie Olek ist sehr dankbar, schon früh über die Möglichkeit einer Operation bei schweren Plexuslähmungen erfahren zu haben. Das Zeitfenster für einen Eingriff zur Wiederherstellung der verletzen Nerven sei klein, die Kinder müssen im ersten Lebensjahr operiert werden, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. "Viele erwachsene Betroffene nehmen erst über Angebote wie die Internet- und Facebook-Seite von Plexuskinder e.V. Kontakt zu anderen Betroffenen auf und erfahren, dass es auch für sie Behandlungsmöglichkeiten gibt, die ihnen eine höhere Lebensqualität verschaffen können", so der Verein.

Als Fachleute konnte der Verein Dr. Jörg Bahm (Spezialist auf dem Gebiet der Plastischen und Handchirurgie, Aachen), Jan Tübben (Fachanwalt Medizinrecht, Bonn) und Annett Kaiser (Fachanwältin für Medizinrecht und Arbeitsrecht, Halle) gewinnen, die mit Betroffenen, Eltern, Physiotherapeuten und weiteren Fachleuten diskutieren.

Höhepunkt für die Kinder werde wie in jedem Jahr die "Auszeichnung für besondere Leistungen". Nick wurde schon vier Mal von Dr. Jörg Bahm operiert, um die Funktion der verletzten Nerven wiederherzustellen. Der Zweitklässler freut sich besonders darauf, Dr. Bahm seine Seepferdchenurkunde zu zeigen. Weitere Infos: www.plexuskinder.de.

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