Erinnerung an vergangene Jahre: Sein Zimmer im Pr. Oldendorfer Seniorenpflegeheim hat Ewald Schwarze mit zahlreichen Bildern geschmückt. Mit dabei sind Jugendbilder und Fotos seiner Eltern, seiner Ehefrau Edith und seiner Enkel- und Urenkelkinder. - © Alexander Lange
Erinnerung an vergangene Jahre: Sein Zimmer im Pr. Oldendorfer Seniorenpflegeheim hat Ewald Schwarze mit zahlreichen Bildern geschmückt. Mit dabei sind Jugendbilder und Fotos seiner Eltern, seiner Ehefrau Edith und seiner Enkel- und Urenkelkinder. | © Alexander Lange

Pr. Oldendorf Ewald Schwarze ist der älteste Mann im Lübbecker Land

Geburtstag: Am morgigen Mittwoch feiert Ewald Schwarze seinen 105. Geburtstag. Sein Geheimnis für ein langes Leben sind die Wanderwege der Region

Alexander Lange

Pr. Oldendorf. Zurückgelehnt sitzt Ewald Schwarze in seinem Ledersessel. "So genau weiß ich gar nicht, wieso ich so alt geworden bin", sagt der 104-jährige Rentner gelassen: "Aber vielleicht liegt es am vielen Wandern." Denn 17 Jahre lang wanderte Ewald Schwarze jeden Mittwoch gemeinsam mit seinen Kegelbrüdern durch Wiesen und Wälder. Der Teutoburger Wald, das Wiehengebirge, der Brocken und viele weitere Wanderrouten gehörten zu den Zielen der Kegelbrüder. Doch auch die ganze Vita Ewald Schwarzes klingt wie ein großes Auf und Ab, wobei Ostwestfalen immer Heimat und Rückzugsort blieb. Am 27. September 1912 in Getmold geboren, wächst Ewald Schwarze in einfachen Verhältnissen auf. Als sein Vater 1918 verwundet aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrt, zieht die Familie nach Pr. Oldendorf. Die Kriegserfahrung, die Ewald Schwarzes Vater machen musste, bleibt auch Sohn Ewald nicht erspart. 1940, mit 28 Jahren, wird er zum Kriegsdienst eingezogen. Er kämpft an der Ostfront, auf der Krim und im Kaukasus. "In mancher stillen Stunde denke ich schon darüber nach, wie viel Glück ich hatte, überlebt zu haben", erzählt Schwarze. Dabei erinnert er sich an drei sowjetische Partisanen-Krieger in SS-Uniformen, die ihm spätabends begegneten, ihn aber glücklicherweise verschonten. Zwischen dem asowschen und dem schwarzen Meer gerät Schwarze mit Hunderten seiner Kameraden in einen Hinterhalt ohne Ausweg. Mit viel Glück entkommt Ewald Schwarze über den Wasserweg ins rumänische Konstanza: "Sonst säße ich heute nicht hier." »Wir haben uns in den Arm genommen, dann war es erst mal still« Noch während der Kriegsjahre, 1943, heiratet Schwarze seine Frau Edith. Sie besucht ihn sogar während Bombardierungen, doch die junge Liebe muss stark sein. Nach der Kapitulation kommt Ewald Schwarze in sowjetische Kriegsgefangenschaft - "und dort bekam ich keine Post." Monate, gar Jahre hat das junge Paar keinen Kontakt. Eine Zeit voller Ungewissheit, Sorge und Hoffnung. Doch 1948 kommt Ewald Schwarze aus der Kriegsgefangenschaft frei. Über Münster reist er mit der Bahn nach Osnabrück: "Da hatte ich einen längeren Aufenthalt und rief zu Hause an, wann ich da sein würde." An den Moment, als Schwarze dann in Lübbecke auf seine Edith trifft, erinnert er sich noch allzu gut: "Wir haben uns in den Arm genommen, dann war es erst mal still. Und dann flossen natürlich die Tränen." In den Nachkriegsjahren gründen die beiden eine Familie, Ewald Schwarze arbeitet bis zur Rente für die Lübbecker Sparkasse. Besonders der Freundes- und Bekanntenkreis liegt Ewald Schwarze am Herzen - damals und auch heute noch. Zwei Kinder, vier Enkel, sechs Urenkel Inzwischen hat Ewald Schwarze neben den beiden Kindern auch vier Enkel und sechs Urenkel. Und er ist alleiniger Rekordhalter im Lübbecker Land: Denn der gebürtige Getmolder ist mit seinen 104 Jahren und 364 Tagen der älteste Mann im Lübbecker Land. Der ostwestfälischen Heimat ist er immer noch treu, sein Zimmer im Oldendorfer Seniorenpflegezentrum ist nur wenige hundert Meter vom einstigen Elternhaus entfernt. Nur wandern geht Ewald Schwarze heute nicht mehr. "Dafür gehen wir jetzt jeden Mittwoch zum Kaffeetrinken. Das ist eine Tradition und da ändert sich auch nichts dran." Auch nicht mit fast 105 Lebensjahren. Denn Geschichten hat Ewald Schwarze viele zu erzählen.

realisiert durch evolver group