Pr. Oldendorf-Börninghausen 20 Meter am Wiehenturm hinunter

Übung in luftiger Höhe: Zur Feuerwehr Pr. Oldendorf Stadt gehört auch eine Absturzsicherungsgruppe. Das 20-köpfige Team trifft sich mehrfach im Jahr, um die Technik zu trainieren

Ingrun Waschneck

Pr. Oldendorf-Börninghausen. "Lass das Seil langsam kommen", ruft Karsten Wolf Jan Lindenblatt zu. Wolf steht oben auf dem Wiehenturm und sichert seinen jungen Kameraden, der sich an der Seite abseilt. Mehrere Mitglieder der Absturzsicherungsgruppe der Feuerwehr Pr. Oldendorf Stadt hatten sich an einem Mittwochabend zum Üben getroffen. Lindenblatt sitzt fest im Geschirr, hält das Seil in beiden Händen und gleitet nach unten. Dabei stützt er sich mit den Füßen an den Balken und Streben des Holzturmes ab. Unten angekommen, hakt er sich aus dem Seil. "Macht Spaß", sagt er grinsend. "Wir sind hier öfter am Aussichtsturm", sagt Brandmeister Wolf. Manchmal gehe es aber auch auf Dächer von Abbruchhäusern oder auf Baukräne. "Die werden uns freundlicherweise von den Firmen zur Verfügung gestellt." Auch von Baukränen seilen sich die Feuerwehrleute ab Acht bis zehn praktische Termine müsse jedes der 20 Mitglieder der Absturzsicherungsgruppe im Jahr besuchen. Dazu kämen zwölf Stunden Weiterbildung, erklärt Kreisausbilder Wolf. "Wer mitmachen möchte, muss körperlich fit und höhentauglich sein", sagt er. Eine weitere Voraussetzung sei die Atemschutztauglichkeit. "Auch Kameradschaftssinn ist wichtig." Nach einer Gesundheitsprüfung besuchen die Feuerwehrleute einen Grundlehrgang, der 24 Stunden umfasst. Dabei geht es um das richtige Vorgehen bei einem Einsatz, um Materialkunde, Knotentechniken und das korrekte Aufwickeln und Verstauen der Seile, damit sie im Falle eines Falles glatt laufen und sich keine Knoten bilden. "Die Stadt muss eine Absturzsicherungsgruppe vorhalten", sagt Wolf. "Jeder der drei Löschzüge der Feuerwehr Pr. Oldendorf hat deshalb einen entsprechenden Ausrüstungssatz." Bei einem Einsatz sei es Aufgabe der Gruppe, "hoch zu gehen, Personen zu sichern und zu betreuen." Bei Bedarf werde auch eine Erstversorgung eines Verletzten vorgenommen. Falls ein Notarzt hinzukommt, werde auch dieser gesichert. "Das Bergen einer verletzten Person ist Aufgabe der Höhenrettungsgruppe der Espelkamper Feuerwehr", berichtet Wolf. "Wir arbeiten vor." Weitere Einsätze der Absturzsicherungsgruppe finden beispielsweise bei Sturm statt, wenn die Gefahr besteht, dass herunterrutschende Dachziegel Passanten treffen könnten. "Auch Schnee auf Flachdächern wie bei Schulen schaufeln wir herunter", beschreibt der 52-Jährige. Er selbst habe mit 15 Jahren mit dem Hobby Bergsteigen angefangen. Da lag es nahe, dass er seine vielfältigen Erfahrungen auch bei der Feuerwehr einbringen wollte. Im Institut der Feuerwehr in Münster absolvierte er einen einwöchigen Ausbilderlehrgang. "Alle drei Jahre findet eine Weiterbildung statt", berichtet Wolf. Seit rund zehn Jahren ist Wolf Kreisausbilder. "Im Mindener Alpenverein habe ich zehn Jahre lang die Jugendgruppe geleitet", erzählt er. Dass Wolf sich gerne in luftiger Höhe aufhält, zeigt auch sein Beruf: Er ist Schornsteinfeger.

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