Im Klinikum Minden ließ sich ein Lkw-Fahrer am Penis behandeln - und verklagte nun die Ärzte. - © Mühlenkreiskliniken
Im Klinikum Minden ließ sich ein Lkw-Fahrer am Penis behandeln - und verklagte nun die Ärzte. | © Mühlenkreiskliniken

Porta Westfalica/Minden Missglückte Penis-OP: Lkw-Fahrer scheitert mit Klage gegen Mindener Ärzte

Lkw-Fahrer verlangte vom Klinikum Minden Schadenersatz und Schmerzensgeld. Der 52-Jährige scheitert vor Gericht – auch wegen seines starken Übergewichts.

Minden/Bielefeld. Wegen einer erfolglosen Operation am Penis hat ein 52-jähriger Lkw-Fahrer das Johannes Wesling Klinikum verklagt. Der Mann aus Porta Westfalica hatte 15.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld gefordert. Er scheiterte mit der Klage aber vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts Bielefeld. Das bestätigte Pressesprecher Guiskard Eisenberg. Der Kläger leidet seit Jahren unter Hautflechten, medizinisch „Lichen" genannt. Neben Juckreiz gehört auch eine Veränderung des Gewebes zu den Symptomen bei Morbus lichen, einer seltenen Form. Besonders belastend ist diese Hauterkrankung im Genitalbereich. Das Gewebe dort sei dermaßen vernarbt, dass sich die Vorhaut nicht mehr zurückziehen lasse. Die Folge waren massive Probleme beim Wasserlassen. Auch das Sexualleben sei beeinträchtigt worden, hieß es in der Verhandlung. Ärzte lehnten geforderte Behandlungsweise ab Der Patient wandte sich an die Urologie im Johannes Wesling Klinikum. Die Ärzte rieten zu einer Zirkumzision (von lat. circumcisio: Beschneidung). Bei dieser Operation sollte die Vorhaut von der Eichel getrennt werden. Doch bei vernarbtem Gewebe im Genitalbereich gilt diese Operation als kompliziert. Das sagte ein Sachverständiger als Düsseldorf vor der 4. Zivilkammer aus. Nach Auskunft von Pressesprecher Guiskard Eisenberg hatte der Kläger den Operateuren vorgeworfen, nicht genug von dem erkrankten Gewebe entfernt zu haben: „Der Patient wollte, dass die erkrankte Haut vom Penis komplett entfernt wird. Stattdessen hätte Haut von der Leiste transplantiert werden sollen." Dieses Vorgehen lehnten die Mindener Mediziner aber ab – und verwiesen auf das zu hohe Infektionsrisiko. Aus Sicht des Patienten hatten die Ärzte damit unzureichend gearbeitet. Seine gesundheitlichen Beschwerden haben sich nach der OP offenbar nicht gebessert. Übergewicht behindert Operation Einen Fehler der Ärzte vermochte die 4. Zivilkammer des Landgerichts Bielefeld nicht zu erkennen. Die Operation sei auch deshalb problematisch gewesen, weil die Ärzte wegen des starken Übergewichts des Lkw-Fahrers kaum Zugang zum Genitalbereich gehabt hätten. Tatsächlich kann starkes Übergewicht eine Operation erheblich komplizieren. Das Klinikum Minden wollte das Ergebnis der Verhandlung gestern nicht kommentieren. „Zu einzelnen Patienten sagen wir nichts", so Pressesprecher Christian Busse. In den vergangenen elf Jahren seien in Minden 30.000 urologische Operationen erfolgreich durchgeführt worden.

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