Vor der Kulisse des Veltheimer Kraftwerks drängen sich die Fans am Samstagabend an der Hauptbühne. - © FOTOS: STEFAN LYRATH
Vor der Kulisse des Veltheimer Kraftwerks drängen sich die Fans am Samstagabend an der Hauptbühne. | © FOTOS: STEFAN LYRATH

Porta Westfalica Fliegender Wechsel von Wacken zur Weser

"Russkaja" reist aus Schleswig-Holstein an / Mehr als 20.000 Fans bei "Umsonst & Draußen"

VON STEFAN LYRATH

Porta Westfalica-Veltheim. "Umsonst & Draußen" hatte diesmal etwas vom Wacken Open Air, dem weltgrößten Heavy-Metal-Festival im gleichnamigen Dorf in Schleswig-Holstein: Am Freitag spielte "Russkaja" dort, Samstagabend dann in Veltheim an der Weser.

Vorm Kraftwerk setzten die Wiener um den gewichtigen Bandgründer Georgij Makazaria das Publikum mit ihrer Turbo-Polka unter Strom, an der Weserbühne drängten sich die Fans. Programmchef Stefan Gehrmann hat alles richtig gemacht, "Russkaja" sorgte für das erhoffte Highlight. "Eine perfekte Showband, die ihr Publikum im Griff hat", stellt Gehrmann fest.

Für ihn setzten "Russkaja" und am Freitag "Doctor Krapula", Latinrocker aus Kolumbien, musikalisch die Glanzlichter. Für die vielleicht größte Überraschung sorgte das kanadische Electropop-Duo "Psyche", das von 1.30 bis 3 Uhr spielte. Viele gehen zu der Zeit schlafen. In dieser Nacht jedoch standen noch Hunderte vor der Bühne.

"Experiment geglückt", freut sich Gehrmann, der gerne Neues ausprobiert und stets darauf achtet, dass für alle Altersgruppen etwas dabei ist. "Psyche" für die älteren Semester, "We Butter The Bread With Butter" mit ihrem Electrocore für ein deutlich jüngeres Publikum.

Stefan Gehrmann (46), von Beruf Diplompädagoge, kennt sich aus. Seine Plattensammlung ist riesig, er beobachtet die Musikszene ständig und ist offen für alle Richtungen. Gut, dass Gehrmann in der Jugendarbeit tätig ist. "So weiß ich, was die Kids hören wollen." Er selbst steht übrigens auf Country-Legende Johnny Cash. Und er hat einen Traum: "Motörhead", eine der härtesten Heavy-Metal-Bands, nach Veltheim holen.

Vor einem Jahr hatte "Umsonst & Draußen" ausgesetzt, weil wichtige Leute verhindert waren. "Wir wollten kein Festival um jeden Preis", erklärt Pressesprecher Lars Schulz. Die Entscheidung war offenbar richtig. Trotz der Pause hielten die Fans dem Festival die Treue, mehr als 20 000 kamen nach Schulz’ Schätzung an die Weser.

Für den Sprecher des Vereins Umsonst & Draußen Kultur Vlotho war es eins der schönsten Festivals in Veltheim, wo die für ihre friedliche Stimmung bekannte Großveranstaltung seit 2007 gastiert. "Alle Händler sind wieder da, und das Publikum ist heiß aufs Festival", stellt er fest.

Ohne die fast 350 ehrenamtlichen Helfer ginge gar nichts. Eine davon ist Jana Obermann (20), die in Trier eine Ausbildung zur Erzieherin macht. Eine Woche lang lebt sie auf dem Gelände, wird wie alle kostenlos verpflegt. Mehr als drei Stunden Schlaf pro Nacht sind kaum drin.

"Ich finde das unkonventionelle Konzept gut", sagt Jana Obermann, die an der Psytrance-Area eingesetzt ist, wo fast rund um die Uhr getanzt wird. "Hier geht’s nicht um Kommerz, sondern um Musik und Kunst." Die Fans seien friedfertig, die Stimmung familiär. Viele seien mit dem Festival aufgewachsen. Im kommenden Jahr feiert "Umsonst & Draußen" 40. Geburtstag.

Gut zu tun hatte das DRK Barkhausen, das mit 68 Helfern im Einsatz war, verteilt auf vier Schichten. "Wir sind jetzt etabliert, die Leute kommen zu uns", berichtet Rotkreuz-Leiter Jochen van Loh. Brandwunden, Schnittverletzungen, Kreislaufprobleme, Brüche, zu viel Alkohol: 160 Menschen mussten bis Sonntagmittag vor Ort versorgt werden, 25 davon kamen ins Krankenhaus, häufig in die Hände von Chirurgen.

Viel ist das nicht für ein Festival mit mehr als 20.000 Besuchern. "Es ging friedlicher zu als vor zwei Jahren", freut sich van Loh. "Dies ist auch ein Verdienst der sehr guten Security, die auf Deeskalation gesetzt hat."

Gegen ein Wiedersehen hätten die Beteiligten nichts einzuwenden. Zum Geburtstag gerne auch mit "Motörhead".

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