Lebenslustig und kultiviert - so beschreibt sich die Petershägerin, die im Alter nicht allein sein will. - © dpa
Lebenslustig und kultiviert - so beschreibt sich die Petershägerin, die im Alter nicht allein sein will. | © dpa

Petershagen Partnersuche war der reinste Frust: 76-Jährige verklagt Partnervermittlung

Rentnerin klagt auf Rückzahlung von fast 6.000 Euro

Stefan Lyrath

Petershagen. Im Alter allein sein? Das kommt für eine 76-Jährige aus Petershagen nicht infrage. Die lebenslustige, kultivierte Frau sucht einen Partner und hat ganz bestimmte Vorstellungen, welche Eigenschaften ihr zukünftiger Begleiter haben soll. Unternehmungslustig soll er sein, sportlich, gut tanzen können, das Meer lieber als die Berge mögen. Und keinen Raucher bitte! Nachdem sich die Dame vor einem Jahr an eine Partnervermittlung gewandt hat, ist sie mittlerweile ernüchtert, hat den Vertrag längst gekündigt und möchte nun ihr Geld zurück. Sie klagt auf Rückzahlung von 5.685 Euro und 52 Cent, um genau zu sein. Für 5.950 Euro hatte sie von der Agentur seinerzeit sofort fünf Partnervorschläge bekommen und zwei Männer auch getroffen. Der Richtige war nicht dabei, einer wollte anscheinend gar nicht (mehr) vermittelt werden. Über einen 80-Jährigen sagt die Seniorin: „Er sucht eine Frau für die Couch." Mit einem dritten Kandidaten telefonierte die Petershägerin noch, bevor sie endgültig die Lust verlor. Der Mann wollte sie bei sich zuhause treffen. Ob die Dame zu Recht genervt ist, entscheidet sich in einem Zivilprozess, der zurzeit vor dem Landgericht in Bückeburg läuft. Richterin Susanne Lozinski muss nun vor allem prüfen, ob jene fünf Vorschläge, welche das Unternehmen der Kundin gemacht hat, tatsächlich deren Anforderungen entsprachen. Wenn ja, gibt’s wohl kein Geld zurück. Vielleicht liegt die Wahrheit aber auch in der Mitte. Papier ist bekanntlich geduldig. Deshalb kann es sein, dass Männer auf der Suche nach einer Partnerin sich gegenüber der Agentur beispielsweise als unternehmungslustig beschreiben und dies auch in ihr Profil einfließt, die Herren aber in Wirklichkeit am liebsten die Beine hochlegen. Zu klären ist ferner, ob die 76-Jährige die Widerrufsfrist im Vertrag eingehalten hat. Anfang Februar will Susanne Lozinski das Urteil verkünden. Im Prozess hatte der Anwalt der beklagten Partnervermittlung zunächst ein Angebot überbracht, wonach die Partnervermittlung 1.000 Euro zurückzahlen würde. Doch das ist der enttäuschten Frau zu wenig. „Dann laden wir die Herren doch mal ein", beschloss Richterin Lozinski daraufhin. Zwei Männer warten an diesem Mittwoch vor der Tür zum Sitzungssaal, beide schon etwas älter. Tanzen kann ein Herr aus der Samtgemeinde Rodenberg. „Ich habe so meine Frau kennengelernt", erzählt er. Der 75-Jährige tanzt, wenn sich die Gelegenheit ergibt, und ist nach eigenen Angaben auch sonst sportlich aktiv. Das Problem: er raucht. Tanzen kann auch ein 80-Jähriger aus Bückeburg, den die Dame ebenfalls getroffen hat. „Aber ich lege keinen Wert darauf", bekennt er als Zeuge vor dem Zivilgericht. Auch in die Natur zieht es ihn nicht mit aller Gewalt. „Ich bleibe lieber zuhause", macht der ältere Herr aus seinem Herzen keine Mördergrube. Spaziergänge, Ausflüge und Reisen unternimmt der Bückeburger, wenn es sich ergibt. „Er hat gesagt, dass er gern auf dem Sofa sitzt", erinnert sich die Frau an das Treffen. „Da habe ich nach dem Tanzen gar nicht mehr gefragt.

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