Zieht Rechtsextreme an: Die Ahnenstätte Seelenfeld in Petershagen. - © Stefan Koch
Zieht Rechtsextreme an: Die Ahnenstätte Seelenfeld in Petershagen. | © Stefan Koch

Petershagen Friedhof in Petershagen wird zum Pilgerort für Rechtsextreme

Der Trägerverein der „Ahnenstätte Seelenfeld“ hat laut NRW-Innenminister Verbindungen in die völkische Szene. SPD-Politikerin Kampmann fordert, das zu unterbinden

Lothar Schmalen

Petershagen. Ein heidnischer Friedhof im Petershagener Ortsteil Seelenfeld ist offenbar eine Kultstätte völkisch-rechtsextremer Kreise. Jetzt hat auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dem Trägerverein des Friedhofs „Ahnenstätte Seelenfeld" Verbindungen zu Rechtsextremisten bescheinigt. Er schreibt in der Antwort auf eine Anfrage der Bielefelder SPD-Landtagsabgeordneten Christina Kampmann, der Landesregierung seien „vereinzelte lose Kontakte zwischen Mitgliedern der Ahnenstätte und ihres Trägervereins zu rechtsextremistischen, insbesondere völkischen und antisemitischen Organisationen und Einzelpersonen bekannt". Wegbegleiter Hitlers wollte hier beerdigt werden Überhaupt zeichne sich im Vergleich zu anderen NRW-Regionen die völkisch-rechtsextremistische Szene in OWL „durch eine relativ starke Präsenz aus". Insbesondere ehemalige Mitglieder des verbotenen Vereins „Collegium Humanum" seien ohne feste Strukturen aktiv. Vor allem am Rande von Prozessen gegen Holocaust-Leugner – gemeint ist wohl die frühere Vorsitzende des „Collegium Humanum", Ursula Haverbeck. Die „Ahnenstätte Seelenfeld" hat eine lange Tradition im Rechtsextremismus. Der Friedhof auf einem germanischen Hügelgräberfeld wurde bereits 1930 von Anhängern der völkischen Ideologen Mathilde und Erich Ludendorff (General und Wegbegleiter Adolf Hitlers) gegründet. Auch Ludendorff selbst wäre gern in Seelenfeld beerdigt wurden, doch veranlasste Hitler ein Staatsbegräbnis in dessen Heimatort Tutzing. Die Villa Ludendorff dort ist bis heute Pilgerstätte für Rechtsextremisten, die sich schon 1937 zum „Bund für Gotterkenntnis" zusammenschlossen. „Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in NRW sind der Landesregierung nicht bekannt" Diesen „Bund" gibt es bis heute, und die Ahnenstätte in Petershagen hat noch immer ihre Bedeutung für Ludendorff-Anhänger. Erkennbar ist dies an der völkischen Symbolik, die auf dem Friedhof dominiert. Keine christlichen Zeichen, keine Kreuze, dafür aber der „Deutschvolk"-Adler, bis heute Zeichen der „Ludendorffer". Er ist nicht nur auf Grabsteinen zu sehen, sondern auch über dem Eingang des Geräteschuppens. Der Verein Deutschvolk ist ein Vorläufer des „Bundes der Gotterkenntnis" (BdG) In Verbindung mit den völkisch-rechtsextremistischen Ideologen steht nach Recherchen des Hamburger Journalisten Julian Feldmann auch die „Arbeitsgemeinschaft für Heimat- und Naturkunde in Westfalen-Lippe" in Verbindung. Die Arbeitsgemeinschaft hieß früher „Bund deutscher Heimat" und habe von den 70er bis in die 90er Jahre ein Vereinsheim in Versmold betrieben, berichtet Feldmann. Rechtsextremisten besuchten Friedhof Kampmanns Frage, ob der Landesregierung bekannt sei, welche Veranstaltungen der „Bund der Gotterkenntnis" (BfG) und der mit ihm verbundene Arbeitskreis für Lebenskunde, in dem Jugendlichen die völkisch-rechtsextremistische Ludendorff-Ideologie nahe gebracht werden soll, organisieren, beantwortet Reul so: „Durch den BfG organisierte Veranstaltungen in NRW sind der Landesregierung nicht bekannt." Dagegen weist Feldmann darauf hin, dass seit 2010 mindestens drei Veranstaltungen des „Bundes" in OWL belegt seien, wahrscheinlich habe es auch eine vierte gegeben. Zuletzt habe der Trägerverein „Ahnenstätte Seelenfeld" am 11. Juni 2017 zu einer Vortragsveranstaltung mit anschließender „Ahnenstätten"-Besichtigung eingeladen. Laut Informationsdienst „blick nach rechts" nahmen daran Rechtsextremisten teil, unter anderem Mitglieder des Vereins „Gedächtnisstätte e.V.", der 1992 in Vlotho gegründet wurde. Erste Vorsitzende war Ursula Haverbeck. Christina Kampmann fordert, dass der Trägerverein „Ahnenstätte Seelenfeld" seine Beziehungen zur rechtsextremistischen Szene einstellen müsse. Die Landesregierung solle die Stadt bei der Aufarbeitung der Geschichte des Friedhofes helfen.

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