Minden/Detmold Staatsschutz untersucht alte Todesfälle

Verbindungen zum NSU werden geprüft

Minden/Detmold (sb/mt). Der Bielefelder Staatsschutz nimmt seit gestern zwei ungeklärte Todesfälle in OWL aus den 90er Jahren unter die Lupe. Das hat Abteilungsleiter Thomas Hochhaus der Neuen Westfälischen bestätigt. Opfer waren Türken. Die Fälle sollen nach Aufklärung der NSU-Morde auf ihren rechtsradikalen Hintergrund hin überprüft werden. Den Hinweis haben die Ermittler von einem Mitglied des Mindener Integrationsrates bekommen, der parallel auch den WDR informierte. Ümit Rahmi Tuncel (55) sagt: "Familienmitglieder der Opfer wollen die Wahrheit wissen und auch ich." Hochhaus zufolge handelt es sich im ersten Fall um einen Mann, der in seiner Wohnung in Minden verbrannt war. Schon damals ermittelte die Kriminalpolizei in Richtung eines Tötungsdelikts, weil der Türke Morddrohungen erhalten haben sollte. Brandsachverständige stellten jedoch fest, dass ein defektes Stromkabel eines Fernsehers zu einem Schwelbrand geführt hatte, der Fall wurde zu den Akten gelegt. Im zweiten Fall geht es um einen Türken, der im Raum Lippe erschossen aufgefunden wurde. Wie Hochhaus anhand des Aktenzeichens vermutet, ereignete sich das 1993. Genauere Angaben konnte er jedoch nicht machen: "Die Akten lagern im Keller der Staatsanwaltschaft in Detmold und wurden umgehend von uns angefordert", erklärte er. Unklar ist, ob der Fall damals als Kapitalverbrechen oder eventuell als Suizid oder Unfall eingeordnet wurde. Bereits im Herbst war auf die Bielefelder Staatsschützer eine Welle von zusätzlichen Ermittlungen zugekommen. Das NRW-Innenministerium hatte angeordnet, alle ungeklärten Verbrechen an Ausländern neu zu prüfen. Allein in OWL betraf das eine zweistellige Zahl von Taten seit 1990. Das Ergebnis steht laut Hochhaus noch aus.

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