Der Rahdener FDP-Ratsherr Hans-Eckhard Meyer entfernt mit einem Teflonschaber das verunstaltete Wahlplakat seiner Partei  an der Osnabrücker Straße - © Joern Spreen-Ledebur
Der Rahdener FDP-Ratsherr Hans-Eckhard Meyer entfernt mit einem Teflonschaber das verunstaltete Wahlplakat seiner Partei  an der Osnabrücker Straße | © Joern Spreen-Ledebur

Lübbecker Land Die AfD Minden-Lübbecke - Wolf im Schafspelz

Frank Hartmann

Die Stellungnahmen der AfD-Kreissprecher Markus Wagner und seines Stellvertreters Burkhard Brauns zu den jüngsten Vorkommnissen in Lübbecke und Rahden sowie einige Facebook-Posts des Kreisverbandes Minden-Lübbecke zeigen einmal mehr, dass die Partei auch auf kommunaler Ebene nicht so harmlos ist, wie sie die Öffentlichkeit glauben machen will.

In der vergangenen Woche ist folgendes passiert: In Rahden haben Unbekannte Wahlplakate von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken mit "Störern" verunstaltet - mit Aufklebern, die zum Teil strafrechtlich relevant sind ("Volksverräter"). Nur die Plakate der AfD blieben verschont.

Wahlplakate angeblich gestohlen

Und in Lübbecke wurden AfD-Plakate mit der Aussage „Grenzen schützen – Kein Pass – Kein Einlass" verbotenerweise ausgerechnet am Zaun des städtischen Asylbewerber- und Obdachlosenheimes an der Hausstätte aufgehängt. Über beide Vorfälle haben Kollege Joern Spreen-Ledebur berichtet und sie auch kommentiert (nw.de/21896984 / nw.de/2189684).

Am Wochenende gaben Wagner und Brauns dazu folgende Stellungnahme ab:

"In den vergangenen Tagen erschienen in der regionalen Presse zwei Artikel und Kommentare, die uns Grund zu einer Reaktion geben. Es ging hierbei - neben dem willkommenen Anlass zur offensichtlichen Stimmungsmache gegen die AfD - um einen Vorgang in Lübbecke, wo man - wie wir jetzt wissen- zwei gestohlene Wahlplakate am Zaun eines Asylbewerberheims befestigte und um das Bekleben von Wahlplakaten der Konkurrenz in Rahden mit Schmähsprüchen. Hierzu nehmen wir wie folgt Stellung:Die AfD Kreisverband Minden-Lübbecke distanziert sich von jeder Art der Beschädigung und Zerstörung von Wahlplakaten sämtlicher Parteien, sowie dem missbräuchlichen Gebrauch.Wir sehen hinter den diversen Aktionen eine perfide Strategie. Hier möchten wir insbesondere das Aufhängen zweier Plakate an einem Asylbewerberheim hervorheben.Nämlich hinter dem Haus um die Ecke - wo es außer besorgten Bürgern niemand sieht - welches jener besorgte Bürger, natürlich " rein zufällig " entdeckte und einem noch besorgteren Stadtrat der CDU meldete, danach ein noch weitaus besorgterer Redakteur in seinem Kommentar sofort einen empörten Zusammenhang mit „braunen" Jacketts unseres Spitzenkandidaten und längst abgefrühstückten Fußballbezügen herstellte. Des weiteren halten wir es für eine konzertierte Aktion, wenn bei SPD, CDU, FDP und Linken sowie Grünen Schmähsprüche in deren jeweiligem eigenen Design aufgeklebt werden. Sofort tun sich 'wahre Demokraten' zusammen und sehen hier – natürlich wen sonst - die AfD am Werke, den Störenfried, welcher sich nun auch noch erdreistet, ohne Erlaubnis in den Bundestag einzuziehen. Ebenso passt in dieses Bild - was aber besorgten Bürgen, Ratsherren und Redakteuren offensichtlich entgangen ist -, dass die Wahlplakate der AfD, einer demokratischen Partei, überall zu hunderten abgerissen, verschmutzt oder mit ähnlichen Aufklebern versehen werden. Manchmal stand auch nur darunter: 'Hier könnte ein Nazi hängen.' Dies stört aber niemanden, trifft es einen doch nicht selbst. Um das klarzustellen: Die AfD hat solche Aktionen nicht nötig."

AfD-Sprecher in Rage

Mit anderen Worten, die AfD Minden-Lübbecke ist - zum wiederholten Mal - Opfer böser Buben geworden, die natürlich nicht Mitglied der AfD sind oder mit ihr sympathisieren. Statt sie zu kritisieren, verdient die Partei unser aller Mitleid. Habe ich Sie da richtig verstanden, die Herren Wagner und Brauns? Oder wieder nicht, Herr Brauns?

Brauns hat mich am Samstagvormittag auf dem Handy angerufen, nachdem unsere Berichte und Kommentare online gegangen waren. Zu Rahden hat er sich nicht geäußert, aber zu Lübbecke. Er sei ziemlich "in Rage" gewesen, ob ich ihm gar nicht zugehört hätte, als ich von ihm eine Stellungnahme zur Hausstätte erbeten hatte.

"Entartet" und "entsorgt" 

Doch Herr Brauns, habe ich - aber geglaubt habe ich Ihnen nicht, dass die Wahlplakat-Aussage „Grenzen schützen – Kein Pass – Kein Einlass" sich nicht auf die Aslybewerber bezieht, sondern nur auf die Bundesregierung.

Die Gründe liegen auf der Hand: AfD-Kreissprecher Markus Wagner, inzwischen auch Landtagsabgeordneter in Düsseldorf, hat die Schießbefehl-Aussagen von AfD-Chefin Frauke Petry in einem NW-Interview verteidigt beziehungsweise den Journalisten vorgeworfen, Petry falsch zitiert zu haben (was bei ihr ja ein Dauerzustand ist). Zudem möchte Frau Petry das Nazi-Wort "entartet" gern wieder in den täglichen Sprachgebrauch integrieren. Das spricht für sich.

Der Schafspelz ist verrutsch

Zweitens: Der AfD-Kreisverband im allgemeinen und Burkhard Brauns im besonderen sind Fans des für seine rassistischen Sprüche bekannten Alexander Gauland. Genau, das ist der ältere Herr im braunen Jackett, der vorgab, niemand wolle neben Fußballer Jerome Boateng wohnen. Und der jetzt die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz, in Anatolien "entsorgen" lassen möchte.

Wer solche Leute an der Spitze der eigenen Partei unterstützt, dem verrutscht irgendwann der Schafspelz. Dem Kreisverband ist das nun passiert. Gerade rechtzeitig vor der Bundestagswahl. Wer die AfD Minden-Lübbecke immer noch gut findet, weiß genau, auf wen und was er sich am 24. September einlässt.

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