Geplantes Einkaufszentrum: Dafür wird der ZOB vom Papendiek an den Niederwall verlegt. Unten rechts: der Kreisel Niederwall/Bahnhofstraße. - © HBB/RKW+
Geplantes Einkaufszentrum: Dafür wird der ZOB vom Papendiek an den Niederwall verlegt. Unten rechts: der Kreisel Niederwall/Bahnhofstraße. | © HBB/RKW+

Lübbecke Westertor und Co: Innenstadt bleibt auf Jahre eine Baustelle

Frank Hartmann

Die Nervosität in der Stadtverwaltung vor der Sitzung des Stadtrates am 2. Februar war spürbar. Bürgermeister Frank Haberbosch, Baudezernent Ingo Ellerkamp und andere Verwaltungsmitarbeiter waren derart überzeugt, nahezu begeistert von den Vorstellungen der Hamburger Projektentwickler von HBB und den Entwürfen von RKW+, dass sie größtmögliche politische Zustimmung in der Ratssitzung erreichen wollten. Das ist ihnen auch gelungen: Abgesehen von Burghard Grote (Grüne), der sich enthielt, stimmten alle anderen Ratsmitglieder zu, HBB mit der weiteren Planung zu beauftragen. Kritische Nachfragen oder gar Vorbehalte von den Fraktionen wurden nicht geäußert. Und die Bürger hatten während der Sitzung keine Möglichkeit dazu.

Wer trägt die Kosten für Abrisse, wer zahlt zurück?

Einerseits ist es natürlich erfreulich, wenn eine Firma wie HBB ein seit Jahren weitgehend brach liegendes Gebäude wie das frühere Kaufhaus Deerberg neu entwickeln will. Das haben Politik und Verwaltung, aber auch Peter Schmüser von Lübbecke Marketing sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Doch damit verbinden sich eine Reihe von Fragen, die bislang weder die Stadt Lübbecke noch HBB beantworten können:

Welche öffentlichen Flächen - Straßen, Plätze und Gebäude etwa -, die der Stadt gehören, will oder muss Lübbecke an den Investor verkaufen?

Wer trägt die Abrisskosten für das Deerberg-Gebäude und das Parkhaus West?

Der mit reichlich öffentlichem Geld vor wenigen Jahren neu gestaltete Busbahnhof wird verkleinert und an den Niederwall verlegt. Wenn das eine Teilrückforderung des Fördergeldes nach sich zieht, wer übernimmt die?

Westertor-Planung kann sich noch deutlich ändern

Die Reihe mit Fragen ließe sich lange fortsetzen. Denn überraschenderweise hat HBB zwar eine Verlegung des ZOB vom Papendiek zum Niedertor sowie das Anlegen zweier Kreisel ohne Widerspruch des Rates ins Auge gefasst. Doch mit dem Betreiber der Buslinien gesprochen, dem MHV, hat bislang niemand. Auch die künftig durch den Neubau unterbundene Verbindung von Wallstraße und Niedernstraße wurde kommentarlos hingenommen.

Das heißt, der Rat befürwortet die grundlegende Planung von HBB, obwohl die sich noch erheblich verändern kann. Das haben wir zuletzt bei den Fachmärkte-Projekten Blase-Kreuzung und Strubbergstraße erlebt. Übrigens auch durch Ein- und Widersprüche von Anliegern, die schon dem gescheiterten vorherigen Investor Ten Brinke die Akquise so sehr erschwert haben, dass sich kein Hauptmieter für das vorgesehene Einkaufszentrum fand.

Damit wird ein anderer potenzieller Schwachpunkt der von HBB vorgestellten Planung deutlich. Als möglicher Mieter - neben Lebensmittelanbietern wie Edeka, Rewe und Hit - wurden auch Textilmarken genannt, die im unteren Preissegment Kleidung verkaufen. Wie jüngere Lübbecker das finden, hat uns eine Leserin in einerm Leserbrief bereits geschrieben. Daraufhin erhielten wir weitere Leserreaktionen, darunter diese: "Ich füge hinzu, dass auch ältere Kunden keine Lust auf die genannten Billiganbieter haben."

Öffentliche Bürgerinformation im April

Wie auch immer die Sache ausgeht - hoffentlich auch zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger und nicht nur zur Zufriedenheit des Eigentümers der Deerberg-Immobilie und des Investors - Lübbecke wird über Jahre eine Dauerbaustelle bleiben. Denn dem runderneuerten Marktplatz folgen werden Bauarbeiten an der  Weingartenstraße, am Parkplatz Weingartenstraße, an der  Ton-, Bergertor- und Scharrnstraße, an den mit dem Westertor-Projekt verbundenen Straßen und Plätzen, am Parkplatz Königsmühle, an der Obernfelder Allee ...

Einen Master- und einen genauen Zeitplan für all das gibt es noch nicht. Vielleicht bis April. Dann jedenfalls will die Stadt die Bürger öffentlich über Einzelheiten des Westertor-Projektes informieren. Spannende Zeiten.

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