Einen Tag gesperrt: Am Übergang Maschweg im Lübbecker Industriegebiet wurden kürzlich erste Kabel im Erdreich verlegt. - © Tyler Larkin
Einen Tag gesperrt: Am Übergang Maschweg im Lübbecker Industriegebiet wurden kürzlich erste Kabel im Erdreich verlegt. | © Tyler Larkin

Lübbecke Bahnübergang Maschweg: Anträge, Diskussionen und Verzögerungen seit 2001

Frank Hartmann

Angesichts der Toten und Verletzten am Bahnübergang Maschweg könnte man darüber verzweifeln, dass über Schranken seit so vielen Jahren diskutiert, aber konkret kaum etwas unternommen wurde. Was in den zurückliegenden 16 Jahren dort passiert ist - und was nicht - zeigt unsere Chronologie der Ereignisse:

September 2001: Die SPD-Fraktion beantragt, den mit roten Warnblinklichtern und Andreaskreuzen bestückten Bahnübergang Industriestraße/Maschweg besser abzusichern. Daraufhin wendet sich die Stadt im Frühjahr 2002, dann erneut Mitte 2005 an die Deutsche Bahn. Erfolglos.

"Technisch und konzeptionell  unzureichend"
Januar 2007: Ein Zug der Eurobahn stößt mit einem Viehwagen zusammen. Der Kreis Minden-Lübbecke stuft die Sicherung des Bahnübergangs als „technisch und konzeptionell unzureichend" ein. Die Bahn plant weiterhin keinen Einbau einer Voll- oder Halbschrankenanlage. Für Mai wird ein Abstimmungsgespräch zwischen Stadt, Kreis und Bahn terminiert.

November 2011: Beim Zusammenstoß eines Pkw und der Eurobahn wird eine 80-Jährige in einem VW Golf leicht verletzt. Ihr Ehemann (79) am Steuer übersteht den Aufprall unbeschadet.

CDU sieht auch den Kreis in der Pflicht
Februar 2014: Ein 31-jährige Espelkamper stößt mit seinem Audi A4 mit der Regionalbahn zusammen und wird dabei schwer verletzt. Danach will die CDU die Bahn stärker in die Verantwortung nehmen. In einem Antrag – vergleichbar dem der SPD-Fraktion von 2001 – fordert die Fraktion die Stadtverwaltung auf, „Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG über die Errichtung eines beschrankten Bahnübergangs im Bereich Maschweg aufzunehmen". Da der Maschweg eine Kreisstraße (K 62) ist, sieht die CDU auch den Kreis in der Pflicht. Der wiederum meint, für die Errichtung einer Schrankenanlage sei nicht er „Herr des Verfahrens", sondern ausschließlich die Deutsche Bahn AG. Das sieht der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Ibrügger anders. Seiner Einschätzung nach sind die DB Netz AG und der Kreis „Beteiligte", die sich über bauliche Veränderungen am Bahnübergang verständigen müssten. Als der Lübbecker Bauausschuss den CDU-Antrag einstimmig verabschiedet, den Bahnübergang mit Schranken versehen zu lassen, nennen Bahnvertreter einen Zeitraum von 3,5 Jahren.

Rüttelmarkierungen und 30 km/h
März 2014: Der Triebwagen der Eurobahn erfasst einen Opel Zafira. Ein fünfjähriges Kind stirbt, drei weitere Personen im Pkw – darunter ein zwei Monate alter Säugling – erleiden zum Teil schwerste Verletzungen. Zwölf Tage später bringt der Kreisbauhof Rüttelmarkierungen auf die K 62 auf. Außerdem wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit vor dem Bahnübergang auf 30 km/h gesenkt.

April 2014: Auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Achim Post (SPD) antwortet die Bahn, dass die Züge bis zur Umsetzung der festgelegten weiteren Maßnahmen auf 20 km/h abbremsen. Eine Halbschrankenanlage soll bis 2016 kommen. Zudem teilt das Eisenbahn-Bundesamt mit, kurzfristig größere Signalschilder an den Masten zu installieren. Die Planungen für den Bau einer Halbschrankenanlage sollen beschleunigt angegangen werden. Kostenpunkt laut Bahn: 500.000 Euro.

Fertigstellung frühestens 2017
Juni 2014: Die Netz AG gibt auf Nachfrage bekannt, dass die Planer von einer Fertigstellung frühestens Ende 2017 ausgehen. Das Projekt könne sich auch noch „gesamthaft verschieben".

November 2014: Die Halbschranken sollen nun doch bis Ende 2016 installiert sein, so die Bahn. Die vermessungstechnischen Arbeiten liefen bereits im Oktober.

Planungskosten zu 90 Prozent überschritten
Juli 2016: Die DB Netz AG teilt der Stadt Lübbecke mit, sie habe die Ausschreibung für die Arbeiten zur Erneuerung des Gleisübergangs zurückgezogen. Grund sei eine 90-prozentige Überschreitung der Planungskosten. Baubeginn bleibt Oktober 2016.

Dezember 2016: Ein Graben wird ausgehoben und erste Erdkabel werden verlegt.

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