Übergabe der Petition im Rathaus: Die Lübbeckerin Nicole Zeisler (2.v.r.) hatte die Aktion gestartet. Bürgermeister Frank Haberbosch (r.) will die Unterschriften an den zuständigen Ausschuss für den Blasheimer Markt weiterleiten - © Tyler Larkin
Übergabe der Petition im Rathaus: Die Lübbeckerin Nicole Zeisler (2.v.r.) hatte die Aktion gestartet. Bürgermeister Frank Haberbosch (r.) will die Unterschriften an den zuständigen Ausschuss für den Blasheimer Markt weiterleiten | © Tyler Larkin

Lübbecke Dieter Wiegmann und die Blama-Ponys - ein Lokalpatriot vergaloppiert sich

Frank Hartmann

Vor knapp zweieinhalb Jahren hat Dieter Wiegmann von Karl-Hermann Blaue den Fraktionsvorsitz der Wählergemeinschaft Lübbecke (WL) im Lübbecker Stadtrat übernommen und musste sich in den Anfangsmonaten immer wieder hämische Kommentare aus anderen Fraktionen anhören, weil er mit den Spielregeln der Lokalpolitik und den Abläufen in einer Verwaltung nicht vertraut war. Dafür kann man ein gewisses Verständnis aufbringen.

Bis heute hat er allerdings nicht verstanden, sein Amt und seine politische Funktion von seinen privaten Interessen zu trennen. Wie auch? Beides lässt sich in einem einzigen Wort ausdrücken: Lübbecke.

Im Rathaus hatte er nichts zu suchen

Wenn es einen Lokalpatrioten in dieser Stadt gibt, dann ist es Dieter Wiegmann. So weit, so gut. Am Montag im Rathaus bei der Übergabe einer Petition von Bürgern, die sich gegen Ponykarussels auf dem Blasheimer Markt richtet, an Bürgermeister Frank Haberbosch, hatte er allerdings nichts zu suchen.

Dieter Wiegmann ist zwar stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für den Blasheimer Markt. Er ist aber weder dessen Vorsitzender, noch war er beauftragt, den Ausschuss im Rathaus zu repräsentieren. Zudem hat der Bürgermeister der Gruppe zugesichert, die Petition an den Ausschuss weiterzuleiten, weil der darüber entscheidet, ob Ponykarussels auf dem Blama weiterhin zugelassen werden oder nicht.

Was treibt diesen Mann an?

Was könnte den Mann also angetrieben haben? Die Antwort ist so vielschichtig, wie Wiegmann selbst.

Als glühender Lübbecke-Fan will Dieter Wiegmann jeglichen tatsächlichen oder auch nur vermuteten Schaden von der Stadt abwenden. Und es wäre für das Image der Stadt natürlich nicht gerade förderlich, wenn der Eindruck entstünde, dass hier auf dem Blama Ponys noch stundenlang im Kreis laufen müssen und jeder Zirkus seine Wildtier-Nummer noch in Lübbecke zeigen darf, nachdem Städte wie Bielefeld und andere sich bereits klar dagegen ausgesprochen haben.

Wiegmann, dessen Wählergemeinschaft den SPD-Bürgermeisterkandidaten Frank Haberbosch im Wahlkampf kräftig unterstützt hatte, will aber auch Haberbosch schützen. Denn die WL braucht seine Stimme und die Stimmen der SPD-Fraktion im Rat - umgekehrt natürlich auch -, um eigene Interessen mit einer sicheren Ratsmehrheit durchsetzen zu können.

 Die Linkspartei - ein rotes Tuch

Drittens: Zu den Unterzeichnern gehörten und waren ebenfalls bei der Übergabe der Petition im Rathaus dabei, mehrere Mitglieder der Linkspartei. Die sind, das ist durchaus wörtlich zu verstehen, ein rotes Tuch für Wiegmann. Alles, was von denen kommt, insbesondere von einer Person, muss Wiegmann bekämpfen. Aus Prinzip.

Den größten Schaden hat Wiegmann allerdings mit dem angerichtet, was er in seiner Facebook-Gruppe "Wenn Du in Lübbecke aufgewachsen bist, dann ..." kurz nach der Petitionsübergabe gepostet hat. Abgesehen davon, dass sein Post voller Rechtschreibfehler ist, was ja vorkommen kann, wenn man emotional aufgeladen ist, setzt er sich mit der Forderung überhaupt nicht auseinander. Er kennt nicht einmal die Zahl der Unterschriften, zweifelt aber deren Nachprüfbarkeit an. Schließlich übergießt er die Petenten, davon 361 aus dem geliebten Lübbecke, mit Hohn und Spott.

Der Rat entscheidet nur für Lübbecker

Angeblich ist die von ihm gegründete Lübbecker Facebookgruppe rein privat. Gleichwohl zieht er in seinem Pro-Blama-Pony-Post über die "Linksfürstin" her und schreibt, die Gesamtzahl der Unterschriften sei für "den Rat der Stadt Lübbecke nicht von Interesse, der entscheidet nur für die Lübbecker". Rein privat, oder wie?

Wenn der Vorsitzende einer Fraktion mit vier Mitgliedern im Stadtrat so mit einem Thema umgeht, zu dem man durchaus unterschiedlicher Meinung sein kann und das viele Menschen bewegt, dann hat Dieter Wiegmann den Politikverdrossenen und den Demokratiemüden am Montag leider ein gutes Argument mehr geliefert.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe die Petition nicht unterschrieben, und ich habe auch kein Problem mit dem Ponyreiten, wenn die Tiere dabei weder körperlich noch geistig Schaden nehmen. Aber ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich politisch engagieren - auch außerhalb des Parteienspektrums. Selbst wenn ich nicht ihrer Meinung bin.

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