Auswahl von Buchtiteln aus dem DVG-Verlag - © Screenshot NW
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Pr. Oldendorf Geschäfte mit NS-Büchern - der Schoß ist immer noch fruchtbar

Frank Hartmann

Als ich vor wenigen Tagen den Kommentar zu der Frage schrieb, ob die Stadt Pr. Oldendorf ihr Amtsblatt Rundblick weiterhin bei der örtlichen Druckerei Kölle herstellen lassen sollte oder nicht, war mir klar, dass es geteilte Reaktionen darauf geben würde. Und so kam es auch.

Neben einem Leserbrief aus Pr. Oldendorf dazu, den wir veröffentlicht haben und dessen Verfasser meine Position teilt, erhielt ich auch E-Mails anderer Leser. Einer schrieb mir, dass er sich in einem Lübbecker Geschäft eigentlich einen Bildband über Lübbecke kaufen wollte. Als er gesehen habe, wer den Bildband gedruckt hat, habe er jedoch darauf verzichtet. Das spricht für sich.

Zufällig ist die NDP-Mitgliedschaft nicht

In einer weiteren Mail ist ein Leser der Meinung, ich hätte mich bezogen auf Kölle- bzw. DVG-Geschäftsführer Rainer Höke "verrannt". Das Verhalten der Stadt bzw. des Bürgermeisters sei (noch) vertretbar. Und weiter: "Man tritt aber nicht gleich aus, nur weil zufällig jemand der NPD angehört." Der Leser bezieht sich auf den Verein "Kultur- und Zeitgeschichte - Archiv der Zeit", dessen Schatzmeister Rainer Höke seit zwei Jahren ist, obwohl mindestens ein Mitglied der NPD angehört, gegen die bekanntlich ein Verbotsantrag des Bundesrates läuft. Zufällig wird die Parteimitgliedschaft also nicht sein.

In diesem Punkt habe ich ohne eine andere Haltung als der geschätzte Leser: Ich würde mich weder mit einem NPD-Mitglied an einen Tisch setzen und erst recht nicht im Vorstand eines Vereins mitwirken, in dem mindestens ein NPD-ler Mitglied ist. Das ist eine Frage der Moral und der konsequenten Haltung. Und die vermisse ich bei Rainer Höke.

Mit Kriegsverherrlichung wird Geld verdient

Ich muss mir nur die Titel einiger Bücher ansehen, die Rainer Höke von seinem Vater geerbt hat, als er dessen Nachfolge als Geschäftsführer der DVG antrat, die diesen Mist vertreibt. Allein die Vorstellung, welche Art von Leuten solche Bücher kaufen, macht mich fassungslos. Nach allem, was wir heute über das Dritte Reich und die fürchterlichen Folgen wissen, kann ich nicht nachvollziehen, dass jemand so tiefbraune Sauce bestellt. Egal, ob direkt bei der DVG oder bei Online-Buchhändlern. Und auch nicht, dass jemand mit dem Vertrieb solcher NS- und Kriegsverherrlichung Geld verdient.

Ein anderer Leser, der Rainer Höke als jungen Mann kennengelernt hat, sagte mir, er halte Höke für einen Linken. Das sei er jedenfalls damals gewesen. Mit meiner Haltung gegenüber Höke läge ich deshalb falsch.

Ausgerechnet Die Rechte verteidigt Höke und die DVG

Es ging mir in dem Kommentar allerdings gar nicht darum, Rainer Höke politisch einzuschätzen. Das kann ich gar nicht. Bis auf ein längeres Telefongespräch aus aktuellem Anlass hatte ich nie mit ihm zu tun. Ebenso wenig mit der Druckerei Kölle und ihren Mitarbeitern. Aber ich kann darauf hinweisen, dass ich es für falsch halte, wenn eine Stadt ihr Amtsblatt bei jemandem drucken lässt, der neben einer etablierten Druckerei auch am Vertrieb von NS-Literatur durch die DVG verdient und darüber hinaus in einem Verein mit fragwürdigem Ruf in leitender Funktion mitwirkt.

Am schlimmsten ist, dass nun ausgerechnet Die Rechte ("Die Presse lügt") Höke und der DVG zur Seite springt. DVG-Bücher über "vorbildliche und bewährte Männer der Waffen-SS" werden von dieser Partei als "zeitgeistkritisch" verharmlost. Zudem nutzt sie die Kritik des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford/Detmold, Matitjahu Kellig, an Hökes Geschäftsgebaren, um Kellig und dessen jüdische Gemeinde aufs übelste zu diffamieren. Auf der Internetseite der Rechten heißt es wörtlich, die Partei würde den "Einfluss jüdischer Lobbyorganisationen" auf die deutsche Politik "in allerkürzester Zeit auf genau Null reduzieren". So weit ist es schon wieder. Oder richtiger: Immer noch.

Wie lauten noch die Schlussworte des Epilogs zu Bertholt Brechts Stück Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui? "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch."

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