Die pyramidenartig angelegte Riesen-Terrasse an der Oberen Tilkenbreite in Lübbecke aus der Vogelperspektive - © Jens Reddeker
Die pyramidenartig angelegte Riesen-Terrasse an der Oberen Tilkenbreite in Lübbecke aus der Vogelperspektive | © Jens Reddeker

Lübbecke Riesen-Terrasse - Riesen-Ärger

Frank Hartmann

"Die Stadt hat mächtig Scheiß gebaut", meinen die Lübbecker Grünen. Denn der Bauherr der Riesen-Terrasse an der Oberen Tilkenbreite in Lübbecke, er ist Chef eines Pr. Oldendorfer Unternehmens mit diversen Filialen im Lübbecker Land, startete den Bau des alles überragenden Hügels ja nicht illegal. Sondern mit Genehmigung des örtlichen Bauamtes für das Geländeplateau, das uns seit Anfang 2011 redaktionell beschäftigt.

Streit seit fünfeinhalb Jahren

Man muss sich das mal vorstellen: Bereits im Dezember 2011 hat die Stadt Lübbecke eine Rückbauverfügung für die Riesen-Terrasse erlassen und zugestellt. Wichtigster Punkt: Der Bauherr hat drei Monate Zeit für den Rückbau der Aufschüttung. Drei Monate vergingen, drei Jahre vergingen. Nichts passierte. Inzwischen ist es fünfeinhalb Jahre her, dass der juristische Streit zwischen Bauherrn, Nachbarn und Stadtverwaltung begann - und noch immer sind die Erdmassen nicht abgetragen. Selbst das im Frühjahr 2013 von der Stadt Lübbecke erstmals angedrohte Zwangsgeld über 10.000 Euro änderte nichts: Bis heute ruht der Erdwall.

Hinter den Kulissen rumort es allerdings. Zumindest bei Politik und Verwaltung. In der Juni-Sitzung des Bauausschusses informierte Baudezernent Ingo Ellerkamp, dass das Oberverwaltungsgericht in drei anhängigen Verfahren die Anträge des Bauherrn auf Zulassung einer Berufung abgelehnt habe. Es handele sich dabei um einen Bauantrag, um eine Bauvoranfrage und die Zwangsgeldfestsetzung. Laut Anwalt der Stadt gibt es nichts, das zu ernstlichen Zweifeln an der Richtigkeit dieser Entscheidung führen könnte. Alle weiteren Schritte lägen jetzt in der Hand des Grundstückseigentümers, insbesondere, genehmigungsfähige Bauanträge zu stellen, sagte Ellerkamp. Bürgermeister Frank Haberbosch sieht das auch so.

Verfahrenstaktik bleibt nichtöffentlich

Zu den weiteren Verwaltungsverfahren äußerten die beiden sich im nichtöffentlichen Teil der Sitzung. Mehr ist aus dem Rathaus nicht zu erfahren. Offizielle Begründung: Daten- beziehungsweise Persönlichkeitsschutz. Inoffizielle Erklärung: Natürlich bindet die Verwaltung dem Bauherrn nicht ihre Verfahrenstaktik auf die Nase, mit der sie erreichen will, dass die Erdmassen endlich abgetragen werden.

Der Bauherr selbst schweigt sich aus, verweist auf seinen Anwalt, den er aber auch schon einmal zum Schweigen verdonnert hat. Die Redaktion versucht jedenfalls seit Tagen, den Anwalt des Bauherrn ans Telefon zu bekommen, um zu klären, was nun wird, nachdem der juristische Weg nach dem jüngsten OVG-Urteil versperrt ist. Leider stellt sich das Sekretariat des Anwalts als unüberwindliches Hindernis dar. Die Anfragen der Lokalredaktion und die Bitten um Rückruf werden zwar stets notiert und weitergegeben. Ob der Anwalt sich aber meldet, und falls ja, wann, wollen oder können die freundlichen Damen nicht klären.

Anonymität ist dahin

Dann eben nicht. Wir machen unsere Berichterstattung jedenfalls nicht vom guten Willen des Bauherrn, seines Anwalts oder der Stadtverwaltung abhängig. Das erwarten unsere Leser von uns - und das können sie auch. Sobald wir Neuigkeiten erfahren, veröffentlichen wir die. Versprochen.

Apropos versprochen. Ich habe dem Bauherrn vor Jahren zugesagt, seinen Namen nicht zu erwähnen. Er hatte mich darum gebeten, um seine Familie zu schützen, auch gesundheitlich. Die Familie solle nicht unter der Auseinandersetzung leiden. Beispielsweise, indem sie in der Stadt ständig auf die Vorgänge an der Oberen Tilkenbreite angesprochen wird. Ich habe das verstanden, und deshalb halten wir uns bis heute an dieses Versprechen. Die Anonymität des Bauherrn ("Bauherr muss kleine Brötchen backen") hat sich ohnehin seit langem erledigt.

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