Vor dem Bundeskanzleramt: Die Lokalredakteure Joern Spreen-Ledebur (v.l.), Karsten Schulz (vorn), Frank Hartmann, Hans Kracht und NW-Mitarbeiter Florian Passlick. - © Joern Spreen-Ledebur
Vor dem Bundeskanzleramt: Die Lokalredakteure Joern Spreen-Ledebur (v.l.), Karsten Schulz (vorn), Frank Hartmann, Hans Kracht und NW-Mitarbeiter Florian Passlick. | © Joern Spreen-Ledebur

Lübbecker Land Da war es nur noch einer - Achim Post hält die Stellung in Berlin

Frank Hartmann

Was verbindet das Lübbecker Land mit der Hauptstadt Berlin? Einiges. Zum Beispiel Bundestagsabgeordnete, die ihren Wahlkreis dort vertreten. Nach dem Wechsel von Steffen Kampeter (CDU) von der Bundespolitik zur Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist dort zur Zeit allerdings nur Achim Post (SPD) aktiv - und hatte für die Lokalredaktion am vergangenen Wochenende ein interessantes Besuchsprogramm arrangiert.

Wenn Redakteure die Möglichkeit haben, einen heimischen Bundestagsabgeordneten in Berlin zu treffen, das Bundeskanzleramt und die Parteizentrale zu besichtigen und Hintergrundgespräche zu führen, wären sie keine echten Journalisten, wenn sie dieses Angebot ausschlagen würden. Also machte sich eine kleine Gruppe privat und auf eigene Kosten auf den Weg von der Provinz in die Metropole - und lernte so Einiges: etwa über machtvolle Architektur, politische Etiquette und dass die Abgeordneten außerhalb der regulären Arbeitszeiten des Wachdienstes ihr Büro nicht ohne Weiteres betreten können.

Los ging es mit einer Besichtigung des Bundeskanzleramtes. Wer das betritt, kommt sich in der Eingangshalle angesichts der enormen Ausmaße und der Menge an verbautem Beton ziemlich klein und unbedeutend vor. Das sei auch so beabsichtigt, klärte uns der für den Rundgang zuständige Mensch auf.

Die politische (N)Etiquette orientiert sich streng an der Bedeutung des Gastes: Wird ein langer roter Teppich ausgerollt und holt die Kanzlerin den Gast vor dem Gebäude ab, erweist sie ihm damit höchsten Respekt. Dann gibt es Abstufungen bei der Länge des Teppichs und Standpunkte, an denen Angela Merkel auf ihren Besucher wartet. Am Fuß der Treppe, in der Mitte oder auch oben. Wer noch unbedeutender ist, wird gar nicht von ihr abgeholt, sondern von einer anderen Person begrüßt und zu ihrem Büro gebracht. Wir zum Beispiel haben die Kanzlerin gar nicht gesehen.

Am frühen Samstagabend erwartete uns Achim Post vor seinem Abgeordnetenbüro in der Straße Unter den Linden. Draußen vor der Tür. Gezwungenermaßen. Denn außerhalb der Arbeitszeit des Wachdienstes kommen die Abgeordneten nicht in ihr Büro. Wir mussten warten, bis zwei eigens bestellte Wachleute uns aufschlossen, Posts Ausweis kontrollierten und uns dann einließen.

Wimpel, Pokal, Bücher, Landkarten und Fotos aus dem Mühlenkreis zieren das Büro von Achim Post, mit dem wir uns abends noch an der "Ständigen Vertretung" trafen, um allerlei Themen zu besprechen. Beim Bier und deshalb vertraulich.

Am Sonntagsvormittag trafen wir ihn dann nochmals in der SPD-Parteizentrale in Kreuzberg, die öffentlich zugänglich ist und sich durch Ausstellungen, eine kunstvoll gestaltete Geschichtswand, Bilder und Statuen angenehm vom Kanzleramt unterscheidet. Das Büro von Partei-Chef Sigmar Gabriel ist nur wenig größer als das von Achim Post, und auch die Einrichtung ähnelt sich in einigen Punkten.

Besonders interessant ist die überlebensgroße Bronzestatue Willy Brandts im Erdgeschoss. Sie ist 3,40 Meter hoch und wiegt 500 Kilogramm. Künstler Rainer Fetting zeigt Brandt nachdenklich, zugleich entschlossen zu führen. Was immer man noch aus Haltung, Gestik und Mimik herauslesen möchte: kalt dürfte sie keinen Besucher lassen.

Die Lokalredaktion würde diesen Berlin-Kurztripp gern wiederholen - dann mit Besichtigung des Konrad-Adenauer-Hauses, wenn ein Nachfolger für Steffen Kampeter gefunden ist. Bis es so weit ist, kümmern wir uns weiter um die Politik im Lokalen. Die ist ja auch nicht ohne.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group