Bei umstrittenen Themen wie Wildtieren im Zirkus bietet sich ein Pro und Contra an - © NW Lübbecke
Bei umstrittenen Themen wie Wildtieren im Zirkus bietet sich ein Pro und Contra an | © NW Lübbecke

Lübbecker Land Politisch korrekt? Nein, danke!

Frank Hartmann

Zwei aktuelle Beispiele von Versuchen, die Berichterstattung der Lokalredaktion mit Hilfe politischer Korrektheit zu beeinflussen, bedürfen der Erläuterung, wie die Lokalredaktion Themen auswählt und wie sie damit umgeht: Die dritte Diskussionsveranstaltung der AfD Minden-Lübbecke in der Stadthalle Lübbecke und das Gastspiel des Zirkus Knie auf dem Blasheimer Marktgelände.

Ich habe alle drei AfD-Abende in Lübbecke besucht, um mir ein Bild auf Kreisebene von einer Partei zu machen, die fast immer als "rechtspopulistisch" bezeichnet wird. Unabhängig davon, ob die AfD es ist oder nicht, haben solche Bezeichnungen in Nachrichten und Berichten nichts zu suchen. Denn für Journalisten gilt, Fakten von Meinungen, Bewertungen und Kommentaren zu trennen. Dafür gibt es eigene Textformen wie den Leitartikel, die Kolumne, den Kommentar und die Glosse. Die Trennung von Fakt und Meinung ist den meisten Leser wichtig, damit sie auf den ersten Blick beides unterscheiden und sich danach ihr eigenes Urteil bilden können.

Wir schreiben nicht in vorauseilendem Gehorsam

Leider gibt es Leser, die der Lokalredaktion bei sachlicher Berichterstattung unterstellen, sie gehe zu unkritisch mit dem Thema, in diesem Fall mit der AfD, um. Deshalb möchte ich wiederholen, was ich mehrfach in diesem Blog geäußert habe: Wir schreiben Ereignisse nicht schön oder schlecht, weil bestimmten Kreisen das gefallen würde. Sondern wir (be)schreiben was ist. Und wenn wir Anhaltspunkte für Kritik finden, dann schreiben wir einen Kommentar. Im Blatt oder, wie im Fall der AfD Minden-Lübbecke, im Redaktions-Blog.

Übrigens wundere ich mich sehr, dass gewisse Parteikreise sich über die angeblich "unkritische" Berichterstattung der NW Lübbecke zur AfD beschweren, aber selbst der Diskussion mit der AfD aus dem Weg gehen. Weder die AfD-Veranstaltungen besuchen und mitdiskutieren, noch eigene Diskussionsveranstaltungen anbieten. Sich weder in Online-Kommentaren, noch in Leserbriefen mit der AfD auf Kreisebene auseinandersetzen. Obwohl genau das ihre Aufgabe wäre, wenn sie den Aufwärtstrend dieser Partei stoppen wollen.

Die Politik macht Gesetze, nicht wir

Noch aktueller ist das Beispiel des Zirkus Knie, der gerade in Lübbecke Station macht. Weil wir das Gastspiel angekündigt und über die Premiere berichtet haben, wird der Lokalredaktion vorgeworfen, sie unterstütze damit das Leid der (Wild-)Tiere. Entschuldigung: Für die Gesetzgebung ist immer noch die Politik verantwortlich und nicht die heimische Tageszeitung. Wir können und wollen zudem unseren Lesern, die sich gern mit ihren Kindern eine Vorstellung ansehen möchten, diese Informationen nicht vorenthalten.

Zudem haben wir die sachliche Berichterstattung ergänzt um ein Pro und Contra, in dem der Zirkus Knie und die Tierrechts-Organisation Peta ihre Argumente austauschen. Natürlich haben die Lokalredakteure eine eigene Meinung zu Tierhaltung im Zirkus. Es erschien uns aber in diesem Fall angebracht, zwei Gastautoren zu Wort kommen zu lassen. Selbst wenn einer von beiden eine Meinung vertritt, die der eigenen widerspricht, muss eine Tageszeitung in der Lage sein, auch der anderen Stimme Raum für ihre Argumente zu geben. Das ist unser Angebot an die Leser: Fakten und Positionen darstellen, damit sie sich eine eigene Meinung bilden können.

Wir alle profitieren von der Pressefreiheit

Das gilt übrigens auch für Leserbriefe im Blatt und für Online-Kommentare bei nw.de/luebbecke und in unseren Facebook-Gruppen: Nicht jede dort geäußerte Meinung entspricht der der Lokalredaktion und doch lassen wir sie zu, so fern zum Beispiel bestimmte Umgangsformen eingehalten und keine juristisch relevanten Äußerungen gemacht werden. Wir wären froh, wenn unsere Kritiker unsere Arbeit einmal aus dieser Perspektive betrachten würden. Nicht zuletzt im Sinne der Pressefreiheit, von der wir alle profitieren.

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