In der Lübbecker Stadthalle: Hans-Hermann Gockel (v.l.), Peter Feist, Markus Wagner und Thomas Röckemann - © Frank Hartmann
In der Lübbecker Stadthalle: Hans-Hermann Gockel (v.l.), Peter Feist, Markus Wagner und Thomas Röckemann | © Frank Hartmann

Kreis Minden-Lübbecke Die AfD verschärft ihren Ton - und zeichnet ihn auf

Frank Hartmann

Freitagabend, 19 Uhr, Lübbecke. Auffallend viele Polizeifahrzeuge standen auf dem Parkplatz vor der Halle und um die Halle herum. Die AfD hatte zum dritten Mal in die Stadthalle eingeladen - zu einer "Presse-Show", wie der Kreisverband in seiner Einladung schrieb. Die werde aufgezeichnet und im Internet veröffentlicht. Wer an der Veranstaltung teilnehme - auch als Zuschauer - erkläre sich mit der Veröffentlichung einverstanden.

Heute ist Montag, und erschienen ist auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbandes Minden-Lübbecke noch nichts. Wahrscheinlich ist das mehr als zweistündige, mit mindestens zwei Kameras ausgezeichnete Videomaterial noch nicht im Sinne der Partei ausgewertet und geschnitten. Dafür hat der Kreisverband unter anderem die Paderborn-Rede von Björn Höcke, Vorsitzender des AfD-Landesverbandes Thüringen, eingestellt. Der Wolf lässt seinen Schafpelz fallen!

Die AfD im Mühlenkreis hat sich argumentativ und rhetorisch bislang zurückgehalten. Jedenfalls bei den drei Veranstaltungen in Lübbecke, die ich besucht habe. Wer aber einem Demagogen wie Höcke fast 30 Minuten die Bühne bereitet und den früheren Kreissprecher Thomas Röckemann unwidersprochen "Wir registrieren den Beginn eines Bürgerkriegs auf deutschem Gebiet" posten lässt, zeigt, wohin das politische Abenteuer mit der AfD führen könnte. Falls sie, wie die jüngste Umfrage zeigt, mit zwölf Prozent drittstärkste politische Kraft in NRW werden sollte.

Ich war bereits skeptisch, als Röckemanns Nachfolger Markus Wagner sich im NW-Interview im Februar dieses Jahres weder von der Schießbefehl-Rhetorik der Bundesvorsitzenden Frauke Petry, noch von Höckes Gerede vom bedrohten deutschen „Reich" distanzierte. Wenn die AfD aber jetzt schon so verbal draufhaut, wie soll es dann erst werden, wenn die NRW-Landtagswahl näher rückt?

Wagner sagt, die AfD sei "liberal, konservativ und patriotisch". Pariotisch, das nehme ich ihm ab sofort ab, konservativ würde ich um "extrem" ergänzen, aber liberal bringe ich mit der AfD überhaupt nicht zusammen.

Schade, dass am vergangenen Freitag wieder nur Zuhörer in der Stadthalle waren, die voll auf Linie liegen. Ich würde gern einmal miterleben, wie die Protagonisten der AfD abschneiden, wenn Vertreter anderer Parteien mit ihnen diskutieren. Über Flüchtlinge, über den Islam, den Euro, die EU ... So lange das nicht passiert wird die AfD, davon bin ich überzeugt, sich weiterhin erfolgreich als Versteher der Enttäuschten und als Kümmerer darstellen können. Was mehr über Versäumnisse der etablierten Parteien aussagt als über die AfD. Eine "Alternative für Deutschland" ist diese Partei jedenfalls noch lange nicht.

Information
http://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/luebbecke/luebbecke/20801861_AfD-kritisiert-in-Luebbecker-Stadthalle-Asylpolitik.html

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